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kanack, der hinweis auf unvollstaendigkeit bezog sich auf das fehlen der potentiell positive auswirkungen der randbedingungen. es ist eine art reflex von mir, dass ich allzu einseitigen bewertungen (in jedem denkbaren themenfeld) widersprechen muss, da ich grundsaetzlich ueberzeugt bin, dass es die eine wahrheit und wirklichkeit nicht gibt, sondern sie immer wieder neu aufgebaut und konstruiert wird im zuge unserer denk- und kommunikationsprozesse. panta rhei sozusagen, und da ist es von vorteil, ab und an mal die andere perspektive zu beleuchten.
vor diesem hintergrund haben diskussionen fuer mich auch keinen abschluss; es lassen sich immer neuere und bessere argumente finden. siehe den faust beispielsweise: glaubst du wirklich, dass wir den heute noch so lesen, wie ihn goethe seinerzeit geschrieben hat. glaubst du, dass du ihn so liest, wie ich ihn gelesen habe. ich glaube noch nicht einmal, dass ich heute denselben faust lese, den ich vor 20 jahren gelesen habe....ikinci defa okudugum bir kitap cebimde/ikinci yorumunu ozlerken kendini karalar/ ve ben 'eskidim' diye dusunurum ve/hep boyle yazarim ben iste.....
ich habe nicht gesagt, dass die tuerkischen tuerken moderner eingestellt waeren. nur, dass ich ihnen mehr abgewinnen konnte, und ich habe hinweise darauf gegeben, warum das so ist. ich habe natuerlich schon meine vorstellungen darueber, warum das so ist, und manche davon haben auch mit den punkten zu tun. die du schon betont hast,
was liess diese menschen denn so selbstbewusst, couragiert, interessiert und auch gebildet erscheinen? in erster linie war es doch die homogenitaet der umstaende, unter denen sie herangewachsen sind. die welt insbesondere der kinder ist einheitlich, uebersichtlich, klein und abgeschlossen gewesen: dieselbe sprache zuhause, auf der strasse, in der schule, im fernsehen, schulterklopfer ueberall, in der regel kein besonderer anlass, sich ausgeschlossen oder benachteiligt zu fuehlen. eine ganz normale kindheit, wenn du so willst, die zu einer in unserer welt sehr verbreiteten normalitaet und beschraenktheit (im denken und handeln) fuehrte.
die deutschtuerken hier dagegen hatten diese ordentliche kleine abgeschiedene welt nicht, in die sie sich zurueckziehen und ihre einfachen wahrheiten in marmor meiseln konnten. keine sprache, keine kultur, kein wissen, keine lebensweise, die man eindeutig als die eigene identifizieren konnte. das aber benoetigte bislang jedes kind, um sich sicher und zuegig und selbstbewusst entwickeln zu koennen. viele scheitern daran, es gibt aber ein ganz entscheidendes aber. du kennst sicher die erste szene im faust, studierzimmer: ...drum ist mir auch alle freud entrissen/ bilde mir nicht ein, was rechts zu wissen/ bilde mir nicht ein, ich koenne was lehren/ die menschen zu bessern und zu bekehren/ auch hab ich weder gut noch geld/ noch ehr und herrlichkeit der welt/ es moechte kein hund so laenger leben/ drum hab ich mich der magie ergeben...
erkennst du, welche spannung und potential in dieser situation auch zu stecken vermag, in dieser nicht-festgestelltheit, in dieser unbestimmtheit. in jedem fall ist sie doch viel zeitgemaesser, moderner, wenn du so willst, als diese fast schon provinziell anmutende einheitlichkeit und sicherheit, mit der die normalos in der regel ihre kleinen wahrheiten zur schau stellen. natuerlich, im moment sind es nur wenige, die damit besser zurechtkommen und die chancen aus dieser konstellation zu nutzen vermoegen und von diesen haengt meiner ansicht nach sehr viel ab. man darf sich nicht davon irritieren lassen, dass sich sehr viele sich aufgrund dieser es-moechte-kein-hund-so-laenger-leben-verfassung an noch viel kleinere und ueberholtere welten klammern, sich quasi wie ein schutzsuchender iegl zusammenrollen und man eben dann hauptsaechlich nur noch die stacheln wahrnimmt. vielmehr sollte man sich auf die konzentrieren, die etwas daraus zu machen versuchen und diese positiven seiten der konstellation ausnutzen. nietzsches vom nutzen und nachteil der historie fuer das leben ist in diesem zusammenhang eine spannende empfehlenswerte lektuere, die dort beschriebene historische entwicklung von gipfel zu gipfel. nach solchen gipfeln sollten wir ausschau halten.
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