Guten Abend zusammen!
Zunächst einmal vielen Dank für euren netten und herzlichen Empfang hier und außerdem für eure ausführlichen und zum Teil sehr hilfreichen Kommentare und Meinungen zu meiner Geschichte.
Als ich gestern meine Geschichte zu Ende geschrieben hatte, war ich irgendwie erleichtert, es war, als wenn eine schwere Last von meinem Herzen genommen worden wäre, die ich schon lange mit mir herumtrage.
Vielleicht rede ich mir das auch nur ein, aber ich glaube es war für mich ein wichtiger Schritt, meine Geschichte mal niederzuschreiben, auch wenn ich diese ja auch ohne Niederschrift bestens kenne. Aber so wurde mir selbst nochmal meine Situation vor Augen geführt und ich hatte somit die Gelegenheit, meine Gedanken zu ordnen und mir vieles von der Seele zu schreiben.
Aber nun möchte ich gerne erstmal auf eure Gedanken und Meinungen eingehen.
@Sedef52
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aber sag mal, wenn du dich deiner herkunft her nicht schämst (was ich aus deinem text entnommen habe) wieso leugnest du woher du kommst? das du ein halber türke bist?
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In Wahrheit ist es um ehrlich zu sein schon so, dass ich mich, sobald ich mich damit auseinandersetze, manchmal wegen meiner Herkunft schäme, was vermutlich neben den jahrelangen Sticheleien noch mehrere andere Gründe hat. Ich glaube mit ein Grund ist die Tatsache, wie auch DameTR richtig vermutet hat, dass ich als Deutscher aufgewachsen bin, mit einem komplett deutschen Umfeld. Auf meinem Gymnasium waren so weit ich weiss auch überhaupt keine Türken, teilweise andere Nationalitäten wie Inder und Italiener, aber halt keine Türken.
Ein anderer Grund ist glaube ich das Klischeedenken, was man in Deutschland traurigerweise oft über manche Türken hat, seien es die, die wegen krimineller Energie aufgefallen sind, wegen Mord an einem Familienmitglied wegen Verletzung der Ehre oder einfach die gerne als "Muchel" titulierten Mitbürger, die typischen sonnengebräunten Discoprollos eben, um es mal beim Namen zu nennen, aber ohne dabei jemandem zu nahe treten zu wollen! Ich bin mir bewusst, dass ich selbst auch manchmal dieses Klischeedenken besitze, natürlich gibt es genauso deutsche Prollos bzw. Straftäter, aber ich denke von diesem Klischeedenken kann sich keiner ganz freimachen.
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du hast geschrieben, dass du nur flüchtigen kontakt zu türken hattest. lag es daran, dass du es auch bewusst vermieden hast???
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Nein, ich habe den Kontakt nicht vermieden, ich hatte während eines Kuraufenthaltes auf Norderney nach einer Erkrankung Kontakt zu zwei Türken und habe mich auch sehr gut mit ihnen verstanden. Jedoch war unserer Kontakt fast nur auf den Kuraufenthalt beschränkt, danach haben wir uns etwas aus den Augen verloren, zumal wir auch etwas weiter auseinander wohnen.
Einem der beiden Türken habe ich nach dem Kuraufenthalt dann auch anvertraut, dass ich auch Halb-Türke bin und im Nachhinein wünschte ich mir fast, ich hätte mich ihm seelisch so öffnen können, wie ich es nun vor euch tue.
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denke, dass du mit diesem problem besser zurecht kommst, wenn du türkische freunde hättest.
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Vielleicht hast du recht, muss ich mal drüber nachdenken.
@boncuklar
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Warum willst Du nicht auch dazu gehören, zumindest zur Hälfte. Ich kann mir vorstellen, daß Du ein sehr hübscher und charmanter junger Mann bist.
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Erstmal danke für die Blumen, auch wenn ich das selbst schlecht beurteilen kann
Du hast im Prinzip schon recht, dass ich offen und ehrlich meine Herkunft preisgeben sollte, wie auch schon deine Vorrednerin sagte.
Das Problem der Zugehörigkeit ist für mich nur folgendes: im Prinzip fühle ich mich der deutschen Kultur und Deutschland zugehörig und nicht der türkischen, einfach dadurch, dass ich in einem komplett deutschen Umfeld großgeworden bin (bis auf einige Ausnahmen, aber die waren nicht türkisch).
Das bedeutet für mich natürlich nicht, dass ich die türkische Kultur ablehne und nicht neugierig wär, es ist einfach nicht die in meiner Entwicklung verankerte Kultur, Die türkische Kultur ist mir ebenso fremd wie einem Ur-Deutschen. Das einzige was ich teile ist die Abstammung, ich glaube daher kommen meine ganzen Zweifel und Identitätsüberlegungen.
@gabriela
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Da Du Deine Eltern nicht einmal kennst, weißt Du nicht einmal ob die Leute mit ihren abfälligen Bemerkungen nicht vielleicht doch ein bisschen Recht haben? Ist es so eine Art Angst ?
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Die Angst ist einfach da vor abfälligen Bemerkungen, wie ich sie, auch ohne dass man was über meine wahre Identität wusste, erfahren habe, z.b. Ausdrücke wie Kanacke usw.
Das mit dem recht haben verstehe ich nicht ganz, wie du das meinst. Kannst du mir das näher erklären? Denn recht hätten die Leute ja schon gehabt, schließlich bin ich ein Halbtürke.
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Vielleicht solltest Du versuchen etwas mehr über Deine "türkische Seite" zu erfahren, da ist dieses Forum glaube ich ein erster Schritt.
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Das ist eine sehr gute Idee und ich bin ehrlich froh, dass ich dieses Forum gefunden habe!
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Vielleicht liege ich mit meinen Gedanken hierzu auch völlig falsch, vielleicht hilft es Dir ein wenig.
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Du liegst überhaupt nicht falsch, du hast meiner Meinung nach vollkommen recht und ich danke dir für deine Meinung.
@DameTR
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Nur wenn es Dir gelingt eine, wie auch immer gelebte Balance zwischen Herkunft und sozialer Familie zu finden, erreicht Du die innere Zufriedenheit.
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Da hast du vollkommen recht, das sehe ich auch so, momentan bin ich jedoch noch weit davon entfernt, meine innere Balance gefunden zu haben, vielleicht wäre es tatsächlich einen Versuch wert, mal in die Türkei zu reisen, auch wenn mein Türkischsprchiges Defizit wohl etwas hinderlich sein dürfte...
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Vielleicht haben sich ihre Lebensumstände geändert und es stände einer Vorsichtigen Kontaktaufnahme nichts im Wege.
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Das halte ich für etwas problematisch. Vielleicht haben sich ihre Lebensumstände tatsächlich geändert, aber das erstmal überhaupt rauszubekommen, ohne gleich als Gast in einer der peinlichen Talkshows auftreten zu müssen, die einem evtl. Türen öffnen können, die man selbst nicht zu öffnen vermag, ist glaube ich sehr schwierig. Zumal es wie gesagt keine gewöhnliche, sondern eine Inkognito-Adoption war, was die Sache noch einmal verkompliziert denke ich.
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Ich persönlich muß täglich darum kämpfen als Türkin anerkannt zu werden, weil mir das aufgrund meiner Sprachkenntnisse, meiner Ausbildung und "meines Aussehens" (so gar nicht Türkisch) nicht zugestanden wird. ... wir sind das was wir sind!
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Das ist interessant, denn manchmal wünschte ich mir, ich würde weniger türkisch aussehen, dann hätte ich zumindest nichtmehr diese Fragerei am Hals, andererseits kann ich dich gut verstehen, dass du dir mit nichttürkischem Aussehen die türkische Akzeptanz erkämpfen musst. Wie praktisch es doch wäre, wenn unser Aussehen anders wäre, aber das steht uns nunmal nicht zu, denn wie du schon sagtest sind wir schließlich diejenigen die wir sind.
Nochmal vielen Dank allen für eure sehr interessanten Antowrten. Ich freue mich natürlich auch weiterhin über eure Beiträge, aber ihr habt mir schon etwas weitergeholfen, sei es auch nur dadruch, dass ihr euch mit meiner Geschichte auseinandergesetzt habt.
MfG
homer81