Thema: Wer bin ich?
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Alt 22.03.2006, 22:24
Zeytinlik Zeytinlik ist offline
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re: wer bin ich?

Hi Ray,
du schreibst: "ich kann nicht ohne meine 2 Laster. aber auch nicht ohne meine eltern. bekomme ich hier rat?" Das, was Du durchlebst, habe ich vor einigen Jahren durchlebt. Das, was mir wichtig war, sahen meine Eltern nicht bzw. sie gaben mir immer das Gefühl, dass das, was mir wichtig war, falsch ist. Die Vorstellung diese Dinge "meinen Eltern zuliebe" aufzugeben, war für mich unvorstellbar. Es hätte letztendlich bedeutet, dass ich mich selber aufgeben muss. Also, war das schon mal die eine Sackgasse. Die andere Variante, die ich hätte gehen können, war: meinen Weg gehen, aber ohne Eltern. Denn letztendlich haben mir meine Eltern immer klar gemacht, dass mein Weg für sie unakzeptabel war. "Das könne ich nicht von Ihnen verlangen", "ein Kind weniger können wir ertragen, aber ein Du ohne Eltern wird für dich wohl nicht erträglich sein". Der Gedanke, meinen Weg zu gehen, aber mit meinen Eltern ewig verkracht zu sein, nicht mehr ihre Liebe und Anerkennung zu bekommen war auch unvorstellbar. Sackgasse Nr. 2. Also, egal welcher Weg, keiner hätte mich glücklich gemacht. Ich denke, letztendlich steckst du und stecken alle Jugendlichen oder jungen Leute mehr oder weniger in derselben Situation. Das soll nicht heißen, dass ich schon uralt bin, nein. Dieser Kampf mit meinen Eltern liegt definitiv nicht lange zurück, und oft war ich verzweifelt. Meine Erfahrung ist: Eltern scheinen sich nicht zu ändern. Man sollte nciht darauf warten, dass sie einen eines Tages verstehen und die Freiheit lassen zu leben, wie man leben will. Wenn man darauf wartet, wird es zu spät sein. Ich habe so viel versucht mit meinen eltern zu reden, ehrlich zu ihnen zu sein (meine Partnerschaft habe ich ihnen nicht verheimlicht), so viel. Aber im Endeffekt war das, was ich tat, in ihren Augen respektlos, ihren Ruf schädigend. Alle Sprüche, die sie loslassen, zielen darauf ab, einen einzuschüchtern: "wenn ich mal einen herzinfarkt habe....", "du bist für uns gestorben, wenn du das machst" etc. etc. Sie geben einem das Gefühl, etwas schlechtes zu tun und die Dinge im Leben, die einem doch so wichtig sind als "Laster" anzusehen. Das, was sie an Sprüchen von sich geben, ist letztendlich psychische Erpressung. Warte nicht darauf, dass Deine Eltern sich ändern. DU musst dich ändern. Du musst dich frei machen.
Ich bin letztendlich meinen Weg gegangen, auch wenn es verdammt hart war. Ich hatte lange Perioden, in denen ich keinerlei Kontakt zu meiner Familie hatte. Meine Eltern wollten nichts von mir wissen. Ich war am Boden zerstört, weil ich doch meine Familie brauchte, sie aber nicht für mich erreichbar war. Heute reden wir wieder miteinander, und ich bin jetzt stärker, und ich bin verdammt froh, dass ich meinen WEg gegangen bin. Denn hätte ich das nicht getan, hätte ich mich selber aufgegeben und ich hätte nicht glücklich werden können. Es hört sich jetzt vielleicht wie ein happy end an. Ja, letztendlich ist es das schon, aber ob du es glaubst oder nicht: noch heute mische sich meine Eltern ein, ich muss mich immer noch gegen sie behaupten und sie stellen mich immer noch auf die Probe. Aber eines der wichtigsten Dinge konnten sie mir nicht nehmen: ich habe die Person geheiratet, die ich wollte ohne sie zu fragen, ohne sie um Erlaubnis zu bitten. Ich habe es geschafft. Und auch wenn die Beziehung in die Brüche gegangen wäre: ich hätte sie nicht beendet, weil meine Eltern es gewollt hätten, sondern weil ich vielleicht begriffen hätte, dass es nicht das richtige ist. Und damit hätte ich es auch geschafft.
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