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AW: wer kann mir ein Gedicht ins Türkische übersetzen.
ach, wieso denn. ich fuehle mich geradezu versetzt in einen salon im vorletzten Jahrhundert, als die Menschen eine ausgedehnte und anregende Unterhaltung ueber gott und die welt noch zu schaetzen wussten. ich fuehle mich wohl.
der schon erwaehnte dichter hat uebrigens auch einige gedichte nach dem vorbild japanischer hay-kays (so nennt er sie zumindest) geschrieben. und aufgrund dieser stimmungswucht, die da in eine handvoll woerter gepackt wird, koennte ich mir sehr gut vorstellen, dass das wort im japanischen kulturkreis ein besonders grosses ansehen geniesst.
ich dagegen bin gross geworden mit einem gewissen vorbehalt gegen das wort, wie sie etwa im faust auch sehr deutlich zum ausdruck kommt. der untergang der moderne mit seinen letzten grossen halt gebenden metaerzaehlungen hat sein uebrigens getan.nachdem nun die mehrheit der grossen systeme zerschlagen sind, der verbliebene rest im sterbebett dahinsiecht, steigt die neigung, sich an ganz kleine wahrheiten zu klammern.
zu denen gehoert in meinem individuellen fall, dass das wort etwas gaenzlich anderes sein muss als das, worauf wir es ueblicherweise beziehen. der stuhl ist das wort, hervorgebracht und befindlich in einem faustgrossen gehirn, in das die gemeinte sitzgelegenheit schon raeumlich gar nicht passen wuerde. ganz zu schweigen von der vorstellung, menschliche exkremente in seinem schaedel zu beherbergen.
es handelt sich also beim wort und dem an ihn gekoppelten gedanken (der wiederum in jedem einzelfall ein anderer sein kann, waehrend das wort immer unveraendert dasselbe ist) um ein modell, eine mehr oder weniger grobe naeherung, ein mehr oder weniger gelungenes abbild des urspruenglichen.es muss hier die frage gestattet sein, wem oder was die grosse bedeutung und bewunderung, die ich dem wort entgegenbringe, letzten endes zuteil wird: ist es das orginal, ist es die art und weise der modellierung, das reine wort oder zuletzt gar der gedanke, den das wort in uns erweckt.
diese und aehnliche Ueberlegungen verhindern es in meinem fall bedauerlicherweise, dem wort eine allzu grosse bedeutung beizumessen. umso erstaunlicher finde ich es, welch faszination und begeisterung eine gelungene komposition von wenigen woertern in mir auszuloesen imstande ist. so etwa der folgende vierzeiler, dessen verfasser mir entfallen ist:
und in die traurigkeit der symphonien
ganz eingegangen, lebst du, mir unnennbar
im dunklen, unvergaenglichen erkennbar
durch alle herbste meines herzens hin...
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