Thema: lieber Zerd
Einzelnen Beitrag anzeigen
  #9 (Permalink)  
Alt 17.05.2006, 06:21
Zerd Zerd ist offline
TT-Gelegenheitsposter
 
Registriert seit: 12.10.2005
Beiträge: 327
Thanks: 5
Thanked 41 Times in 30 Posts
AW: lieber Zerd

liebe mar, ich denke und hoffe, dass zum nachvollziehen meiner gedanken keine besonderen theoretischen grundlagen erforderlich sind. ich habe vielmehr versucht, ein system von gedanken zu vermeiden, die eine klare struktur und eine direkte abhaengigkeit der ergebnisse von den gesetzten oder erwarteten voraussetzungen und vorkenntnissen aufweisen und somit dem denkvorgang zum teil gewaltige beschraenkungen auferlegen, um ihn in eine ganz bestimmte richtung - eben hin zu den ergebnissen - zu kanalisieren. auch aus diesem grund habe ich eine allzu langwierige oder intensive beschaeftigung mit einzelnen namen oder denkschulen vermieden und habe mich vielmehr in zielloser wanderschaft durch die verschiedenen zeiten und namen der menschengeschichten bewegt, vorzugsweise in gespraechen als in buechern. ich wuerde den anspruch erheben, dass mit etwas mut und neugierde, einem gesunden menschenverstand mit etwas phantasie, einer kleinen portion aufsaessigkeit und experimentierfreude, es jedem, der es auch will, moeglich sein sollte, meinen ausfuehrungen zunaechst einmal zu folgen und sie zu begreifen, abgesehen vom grad der akzeptanz, die sich daraus ergibt.

dualismen sind nach meinem verstaendnis begriffspaare, bei denen scheinbar gegensaetzliches aber doch zusammengehoeriges zusammengefasst und somit einer einheitlichen betrachtung auf einer uebergeordneten ebene oder hinsichtlich eines uebergeordneten ziels zugaenglich gemacht wird. es wird von der koexistenz zweier unabhaengigen, nicht ineinander ueberfuehrbaren prinzipien ausgegangen und nicht selten bedingen und naehren sich diese prinzipien gegenseitig (wenn es einen himmel gibt, muss es doch auch eine hoelle geben,usw.). es duerfte ersichtlich sein, dass solches im sinne einer ganzheitlichen homogenen betrachtung zu verwerfen oder allenfalls als kuenstliche zwischenstufe hin zu einem besseren verstaendnis anzusehen ist.

linearitaet sehe ich dort, wo eine gerichtete gleichmaessige entwicklung vermutet wird. hegel etwa sieht in der geschichtlichen entwicklung eine verwirklichung des menschen hin zu gott. um so etwas behaupten zu koennen bedarf es eines kriteriums, anhand dessen eine aehnlichkeit zu gott bestimmt oder gemessen werden kann. ebenso braeuchten wir ein solches kriterium, wenn du etwa behauptest, dass im laufe des lebens einsicht und wissen zunehmen. aber da dem menschen nach meiner anschauung ein objektiver unmittelbarer zugang zur welt nicht gegeben ist, muessen solche kriterien immer subjektiv sein. nur, wenn ich solche kriterien zulasse, kann ich eine entwicklung von A nach B erkennen und nur dann kann ich auch einen zeitpunkt (der entwicklungsstufe) A von einem zeitpunkt (der entwicklungsstufe) B unterscheiden.

weiter oben schreibst du: "wenn man beeinflussen kann, was fuer mich persoenlich relativ ist, kann ich doch auch beeinflussen, wie relativ die zeit ist...". das ist der erste schritt und der zweite wuerde darin bestehen, sich vorzustellen, dass der mensch das nicht nur kann, sondern jederzeit tut, ganz gleich, ob er sich dessen gerade bewusst ist oder nicht.
Mit Zitat antworten