Thema: atatürk
Einzelnen Beitrag anzeigen
  #24 (Permalink)  
Alt 21.10.2007, 21:41
Anouk
 
Beiträge: n/a
AW: atatürk

Zitat:
Zitat von Ottoman Beitrag anzeigen
Hätte seine Verehrung mit dem türkischen Familiensinn etwas zu tun, gebe es dann nicht andere Persönlichkeiten außer ihm, die eine gewisse Verehrung genießen würden? Spontan fällt mir niemand ein. Signifikante Strukturen in der türkischen Gesellschaft könnten evtl. eine Rolle spielen, sollte diese Verehrung ihre Ursachen in dieser haben. Welche das sein können, schwierig zu sagen. Patriotismus gehört sicherlich dazu.
Patriotismus auch, klar, aber mich interessieren auch die patriarchalischen Strukturen dahinter. Allein schon der Ehrenname Atatürk - verstehst Du, worauf ich hinaus will? Der Vergleich mit USA mag zwar nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Andererseits wirken die USA, was den Personenkult betrifft, auf mich pluralistischer.
Historische Persönlichkeiten wie George Washington oder Abraham Lincoln mögen unantastbar sein.. aber zeitgenössische US-Präsidenten und deren Politik? Never ever!

Zitat:
Zitat von ali Beitrag anzeigen
(...) atatürk hat ein unheimlich starkes fundament für ein land gelegt, nur die gesellschaft nach ihm war nicht in der lage ein haus darauf zu bauen.

(...)
letztendlich ist dieses land aber in der zeit von atatürk stehen geblieben (faktisch jedoch hat es sich zurück entwickelt).
Das leuchtet mir ein, aber ich finde, ohne Dir zu nahe treten zu wollen: es klingt auch resigniert. Teile der Türkei, oder sogar größere Teile, mögen Atatürks Ideen (noch) hinterherhinken - aber muss man den Südosten oder Ostanatolien als repräsentativ nehmen? Vielleicht, auch, zum Teil. Aber wenn Du sinngemäß schreibst, die Türkei habe sich komplett zurückentwickelt, blendet das viele gute Entwicklungen auch aus.

Atatürks "Problem" war wahrscheinlich, dass er weitaus avangardistischer dachte als das Gros des Volkes. Die einfachen Leute vom Land: Denen wurde die neue Gesellschaftsordnung sozusagen übergestülpt, mit allen daraus resultierenden Nachteilen. Wie's halt so ist, wenn Tradition und Moderne aufeinanderprallen.
Und dieser Konflikt (so sehe zumindest ich das mit meiner laienhaften Einschätzung) ist noch immer nicht richtig gelöst. Hier die Agas, da die Demokratie. Hier der Islam als einzig gültige Lebenshaltung - da der Wunsch nach Weltoffenheit, Moderne, Teilhabe an westlichen Errungenschaften. Und bisweilen geht das Hand in Hand.
Aber wäre es nicht an der Zeit, dass die Türkei sich vielleicht auch einen eigenen Weg sucht? Sich vielleicht auch mal von der massiven, kollektiven Fixierung auf Atatürk freimacht, um nach vorne zu leben? Und nicht nach hinten?


ps Entschuldigt, ich weiß, das klingt schon wieder ketzerisch. Es sind nur spontane, aus dem Gespräch geborene Gedankenspiele..

Geändert von Anouk (21.10.2007 um 21:44 Uhr).
Mit Zitat antworten
Sponsored Links