Einzelnen Beitrag anzeigen
  #2 (Permalink)  
Alt 10.12.2007, 22:52
Genevieve
 
Beiträge: n/a
AW: DOC ASKIM oder: das Tagebuch einer ziemlich verrückten Woche

Montag, 26. November

Der Flieger nach Istanbul hatte etwas Verspätung. Geht es eigentlich nur mir so, dass ich mich des Eindruckes nicht erwehren kann, man laufe sich im Atatürk Airport immer die Füße wund? Als ich endlich die ewig lange Schlange an der Passkontrolle hinter mich gebracht hatte, marschierte ich mit meinen Instrumenten, dem Koffer und dem Karton wie der Packesel persönlich in die Ankunftshalle. Am Morgen hatte mir Doc Askim noch per SMS versichert, er habe sich von seinen Verpflichtungen loseisen können und hole mich ab. Nun, da stand er, nahm mich lächelnd in die Arme: „Endlich bist du da!“

Ja, endlich war ich da. Und ich war da, um herauszufinden, was möglich sein könnte und was nicht. Auch hier wieder eine Geschichte mit denkbar schlechten Startvoraussetzungen. Lautete bei meinem Exfreund aus Izmir der Name des Gegners „mittelalterliche Wertvorstellung“ hatte er hier ein konkretes Gesicht: Doc Askim ist verheiratet. Das habe ich von Anfang an gewusst. Bevor jetzt irgendjemand mit Steinen auf mich wirft: als ich über Doc Askim gestolpert bin und wir festgestellt haben, dass wir uns sympathisch sind und auch in Kontakt bleiben, dachte ich an nichts weiter als an eine rein freundschaftliche Beziehung. Es kam zu stundenlangen Gesprächen auf dem msn, irgendwann offenbarte er mir den Zustand seiner Ehe: am Ende, man langweilt sich, das Ziehen der finalen Konsequenzen stehe unmittelbar bevor. Ich bedauerte das, erzählte ihm, dass eine Trennung oft das Beste sei, damit jeder eine Chance auf ein neues Glück habe. Schließlich hatte ich das bei meinen Eltern erlebt. Manchmal dachte ich in unseren Gesprächen „Oh Mann, warum sind die besten eigentlich immer vergeben?“ Aber in eine bestehende Beziehung reinzufunken, auch wenn sie faktisch am Ende ist, passte so gar nicht mit meinen Wertvorstellungen überein. Das dachte ich. Davon war ich überzeugt. Das hätte ich unterschrieben. Doch dann legte sich Doc Askim auf den Laden…als Essenz sei folgender Satz herauszukristallisieren: „Ich habe das Gefühl, dass du die Frau bist, auf die ich mein Leben lang gewartet habe.“
Es folgte ein weiterer glücklicher Zufall, den ich hier nur das „Wochenende mit dem deutschen Apfelkuchen“ nenne. In der Folge sollte ich in die Türkei kommen, so würden wir Zeit zur Verfügung haben und Pläne schmieden können. Ich machte klar, dass ich keinesfalls als Geliebte zur Disposition stehe. Aber das, was wirklich mit uns sein könnte, würde ich nur herausfinden, wenn ich ihn vor Ort habe. Und ja, der Mann interessierte mich unglaublich. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, war beeindruckt von den Tiefen unserer Konversation. Ob eine Sache gelingen kann, erfährt man schließlich nur, indem man sie ausprobiert, oder?

Also ab ins Auto und los Richtung Autofähre. Da ein ziemlich starker Wind wehte, schaukelte der deniz otobüs gewaltig vor sich hin. Doch Doc Askim hielt mich fest in den Armen und ich dachte „Alles wird gut, was für ein perfekter Moment!“ Auf dem Weg nach Bursa haben wir halt gemacht, gut gegessen und schließlich brachte er mich ins Hotel. Vier Sterne, Herz, alles, was du begehrst. Es hätte für meine Bedürfnisse zwar durchaus eine Kategorie drunter getan, aber nein, Doc Askim wollte für seinen Stern doch nur das Beste.

Kaum war mein Gepäck auf dem Zimmer, machte ich schon die Bekanntschaft mit dem Spielleiter meines türkischen Survivalcamps. Schnell war klar: das Ziel lautet, binnen kürzester Zeit so viele ayip-Punkte wie möglich zu sammeln. Die ersten hagelte es, als Doc Askim mich kurz (!) Auf mein Zimmer begleitete. Dabei hatte da wirklich noch niemand was im Sinne außer der ordnungsgemäßen Verstauung des Gepäcks. Männchen von der Rezeption rief an und stellte klar, dass das mit zwei Leuten auf dem Zimmer nun mal überhaupt nicht geht. Nun ja, also zum Knutschen raus in die Pampa gefahren. Und dann verabschiedete sich Doc Askim…und ich lag im Vier-Sterne-Bett und fragte mich, ob er es denn wirklich schaffen würde, seinen Kram auf die Reihe zu kriegen…
Mit Zitat antworten