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Alt 10.12.2007, 23:12
Genevieve
 
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AW: DOC ASKIM oder: das Tagebuch einer ziemlich verrückten Woche

Samstag, 1. Dezember

Mitternacht war überschritten. Also gut, Gequake auf Türkisch von links. Am PC neben mir tummelte sich einer von denen im Hotel inflationär vorkommenden türkischen Geschäftsmännern. Ich hatte mich die Tage als einzige allein reisende Frau ohnehin schon etwas seltsam gefühlt. Ob die Businessmen auch alle beim ayip-Punkte sammeln mitspielten, wusste ich nicht. Spielleiter Männchen hatte mittlerweile seine Trainerbank erklommen. Da ich nichts verstand, fragte ich „Do you speak English?“ Yes, he did. Hatte mich zuerst für ne türkische Rechtsanwältin gehalten. Oha. Cok enteresan. WLAN ging nicht, ob es denn bei mir? Keine Ahnung, Akku hat sich gerade verabschiedet. Er stöpselt irgendwelche Kabel an meine Kiste, siehe da, bei mir stand das WLAN. Ich meinte nur „Gottseidank, jetzt kann ich endlich wieder die deutsche Tastatur benutzen!“ Das war das Stichwort. Meine PC-Bekanntschaft lebte in Deutschland. Wir legten munter los und bald wurde bei Männchen Wein geordert. Ich muss jetzt nicht erwähnen, was das für mein ayip-Konto bedeutete. Stellt Euch bitte mal vor: der eine Typ quartiert mich im Hotel ein, dann kommen Burhan und Kollege und nehmen mich mit und schließlich sumpfe ich zur Krönung mit dem Herrn vom PC nebenan ab…

Bei dem einen Wein blieb es nicht, noch lavierte ich mich geschickt um die wahren Gründe meines Aufenthalts in Bursa herum. Konnte ja schlecht sagen „Ich bin das süße Geheimnis aus Almanya von Doc Askim.“ Irgendwann war dann halb sechs. Rückblickend muss ich sagen, dass war der bislang netteste Abend meines Türkeiaufenthaltes.
Ich schlief dann bis drei Uhr mittags, machte einen langen Spaziergang. Auf meinem Handy tat sich nichts. Den Abend verbrachte ich dann wieder bis in die Puppen mit meiner neuen Bekanntschaft, die sich als großartiger Mensch offenbarte. Irgendwann kam ich dann nicht mehr umhin, zu sagen, was mich eigentlich nach Bursa geführt hatte. Damit offenbarte ich mich zwar als das doofste Huhn aller Zeiten und die ayip- Tussi schlechthin, aber ich hatte Vertrauen zu dem Mann. Aber ehrlich währt am längsten, Punkt. Der hatte Verständnis für mich, ohnehin ein Typ, dem nichts Menschliches fremd ist. Keinesfalls Verständnis aber hatte er für das Verhalten von Doc Askim. Wie bereits Burhan zuvor, hatte er Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der aufgetischten Story. Schließlich fragte er mich: „Ist denn das Hotel bezahlt?“. Ich sagte ihm, dass ich auf Einladung von Doc Askim reiste. Als ich seinen skeptischen Blick sah, wurde mir so richtig schlecht. Normalerweise wird eine Hotelrechnung ja am Ende des Aufenthaltes beglichen, da öfter noch Kosten hinzukommen. Die Frage war nur: würde Doc Askim überhaupt geruhen, bis Mittwoch Morgen wieder in Bursa aufzukreuzen? Und wie zur Hölle käme ich dann nach Istanbul? Konnte ja schlecht bis Mittwoch kurz vor knapp im Hotel hocken, dann wäre der Flieger um zwei weg…
Mein Retter überlegte relativ kurz, fragte mich, ob ich den Typ lieben würde, was ich wahrheitsgemäß verneinte und sagte schließlich: „Ich fahre morgen Abend nach Istanbul und nehme dich mit.“ Das war ein Angebot in allen Ehren, obgleich er mich so anschaute, dass eine Horde Nilpferde in meinem Magen Rock n’Roll zu tanzen begann. Während ich nur noch dachte, im falschen Film zu sein und dieses Gefühl ganz weit weg drängte, war mein Retter durchaus in der Lage, es in ganz konkrete Worte zu verpacken…

Jetzt musste ich nur noch in Erfahrung bringen, wie das mit dem Zimmer geregelt war. Und dafür gab es nur einen Weg: ich musste den Gang nach Canossa, beziehungsweise zu Männchen antreten. Mann, war mir das peinlich…aber die Option, nach Istanbul durchzubrennen hatte mehr als nur etwas für sich…das war keine Entscheidung für oder gegen eine noch astronomischere Hotelrechnung…das war eine Entscheidung, die das Herz treffen musste…
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