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AW: DOC ASKIM oder: das Tagebuch einer ziemlich verrückten Woche
Sonntag, 2. Dezember
Gut, der Mann, der mir so intensiv seine Liebe beteuert hatte, ließ mich also eiskalt hängen. Da ich aufgrund der Verhältnisse ohnehin äußerst sparsam mit meinen Gefühlsinvestitionen umgegangen war und eher auf der „Schauen wir mal, lasst den Liebesworten Taten folgen“ - Basis agiert hatte, konnte ich das auf der emotionalen Ebene noch relativ gut wegpacken. Sein Verhalten die Tage zuvor hatte mir ja ohnehin schon ein wenig die Augen geöffnet, ein paar von Euch erinnern sich sicher an den wenig enthusiastischen Ton in meinem anderen Thread. Binnen Stunden hatte sich ohnehin alles verändert, das Tempo machte mir selbst ein bisschen angst. Aber das ist das Leben, einfach mitschwingen und darauf vertrauen, dass es einen ans richtige Ufer leiten wird.
Die Sache mit der Hotelrechnung musste nun definitiv geklärt werden. Keine Frage, ich habe Doc Askim nie ausnutzen wollen. Statt mich aus der Minibar zu bedienen, habe ich mich getränketechnisch selbst im nächsten Supermarkt versorgt. Als das Thema meines Besuches aufkam, hatte ich Doc Askim gebeten, ein preisgünstiges Hotel für mich zu buchen, da meine Mittel begrenzt seien. Wie ich denn bitte darauf käme, ich sei SEIN Gast, lautete die Antwort!
Ein letzter Versuch meinerseits, gegen Mittag, SMS an Doc Askim: „Ich weiß, du hast Probleme. Ich verlasse Bursa am Abend und fahre ich nach Istanbul.“
Um vier war immer noch nichts eingetrudelt. Also schlappte ich zu Männchen, zückte meine Kreditkarte und sagte, dass ich heute Abend das Hotel verlassen würde, er solle die Rechnung dann an Doc Askim schicken, sofern noch nicht bezahlt. Eventuelle Mehrkosten für cay und Wein solle er mir separat auflisten, aus der Minibar hätte ich nichts genommen.
Männchen glotzte nur und meinte „Effendim?“
Das konnte jetzt nicht wahr sein, auf einmal verstand Männchen kein Englisch mehr???
Mein „Retter“ war noch in einen Termin eingebunden, also rief ich Burhan an. Ich habe jetzt keine Ahnung, was Burhan Männchen genau erzählt hat, es klang aber relativ heftig am Telefon. Klar war nur: wenn ich fahre, muss ich 660 Lira abdrücken (na wenigstens nicht der an der Rezeption annoncierte US- Dollar- Preis, der Pi mal Daumen 660 Dollar betragen hätte, uff!). Männchen kramte die Reservation raus und versuchte, Doc Askim zu erreichen.
Aber das Handy war aus….ach nee….
Mein Retter bestellte mich gegen sieben abfahrbereit an die Rezeption, viertel vor reichte ich Männchen dann meine Kreditkarte rüber. Super, den nächsten Monat gibt es Wasser und Brot, denn ich war echt pleite, da ich gerade zwei Wochen zuvor für ein neues Instrument gelöhnt hatte. Noch einmal: mir ging es nicht darum, mich von einem Mann aushalten zu lassen. Ich bin in der Lage, meine Rechnungen selbst zu bezahlen. Daher hatte ich ja um eine Reservation in einer schlichten Herberge gebeten. Denn der Schuppen sprengte mein Budget. Aber da Doc Askim das alles angeleiert hatte, sollte er es entweder auslöffeln oder mit mir nach einer Lösung suchen…Aufgrund meines veränderten Gefühlslebens wäre ich ja durchaus bereit gewesen, einen Anteil freiwillig zu leisten.
Fahrt nach Istanbul war lustig. Unterwegs noch kurz was gemampft und dann fiel ich todmüde ins Bett…konnte aber trotzdem nicht einschlafen. Also fing ich an, den Bericht für die tt-ler zu tippen…und da war noch was, dieses wunderschöne Gefühl, das Richtige getan zu haben und dass alles am Ende gut werden würde…
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