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AW: DOC ASKIM oder: das Tagebuch einer ziemlich verrückten Woche
Montag, 3. Dezember
Nach einem leckeren türkischen Frühstück begab ich mich am Meer entlang auf einen kleinen Erkundungsspaziergang. Ich hatte es mir gerade in einem kleinen Café direkt am Strand bei einem cay gemütlich gemacht, als eine SMS eintrudelte: „Ich komme nicht vor Dienstag abend nach Bursa zurück, aber werde organisieren, dass du zum Flughafen kommst. Könntest du bitte etwas Geld für die Hotelrechnung organisieren, weil ich unerwartete Ausgaben hatte. Tut mir leid. Bye.“
Das war dann die Krönung. Ich beschloss, mich über so viel schlechten Geschmack ordentlich totzulachen. Und der Beweis: an der Geschichte hakte etwas, mein Bauchgefühl hatte mich nicht betrogen. Denn: diese Sache mit dem Geld hätte kein ehrenhafter türkischer Mann so erwähnt!
Zwar hatte ich nun ne Menge Kohle verloren, aber was war das schon gegen das, was ich offensichtlich gewonnen hatte? Geantwortet habe ich nicht, ging mir ja schon gegen den Strich, dass ich die Roaming- Gebühren für den Empfang der SMS tragen musste. Schlappte dann zurück, verzog mich auf das mir zur Verfügung gestellte Bett und tippte an diesem Bericht weiter. Auf einmal begann mein Handy im Minutentakt zu rappeln. Ich schaltete meine persönliche Ignore-Funktion ein und nach dem zweiten Anruf den Rufton aus, schließlich sollten die Menschen um mich rum nicht auch noch genervt werden. Nach etwa zehn Versuchen, mich zu erreichen, dauerte es nur ein paar Minuten und Doc Askim erschien auf dem msn.
Doc Askim zeigte sich höchst erstaunt, dass ich mich vom Acker gemacht und nicht auf ihn gewartet hatte. Er habe sich erst jetzt melden können, da (und jetzt kommt der Knüller!) keine Kontör mehr gehabt habe. All meine Nachrichten habe er erst jetzt lesen können. Ich verkniff es mir, ihn darüber aufzuklären, dass man ohne Kontör sehr wohl noch SMS lesen könne. Doch schon verriet er sich, denn er erwähnte mir gegenüber, er habe gestern eine Art erpresserische SMS erhalten. Da ich zuvor gesagt hatte, Freunde wären mir behilflich gewesen, wollte er deren Namen. Selbstredend wollte ich nicht riskieren, dass bei Burhan demnächst ein Himmelfahrtskommando aufkreuzt, also sagte ich: gib mir die Nummer, ich sage dir, ob das jemand von meinen Leuten war. Natürlich nicht. Den Inhalt dieser SMS übersetzte er mir sinngemäß mit „Ich weiß, das ist ein sensibles Thema für Sie. Die Person, die Ihnen schreibt, hätte nicht übel Lust, Sie auffliegen zu lassen…“
Oha, war das die nächste Story vom Pferd oder hatte da jemand im Hotel eine lukrative Einnahmequelle gewittert? Wer sollte es denn sonst gewesen sein?
Doc Askim fragte, bei wem ich in Istanbul sei und ich antwortete nur, es werde sich um mich gekümmert. Er tat erleichtert: „Ich sehe, es gibt noch gute Menschen.“
Ich teilte ihm mit, dass ich der Meinung sei, er müsse jetzt für seine Frau und seine Familie da sein, was mich betreffe: ich würde so schnell nicht untergehen.
Antwort: „Ich habe deine Stärke wohl unterschätzt.“
Doc Askim versicherte mir, er würde mir meine Auslagen überweisen.
Ich glaube nicht daran. Sollte er mir das Geld allerdings doch schicken, bin ich geneigt, es als Beweis zu nehmen, dass er keine Story konstruiert hat. Aber genauso gut könnte ich anfangen, Eis zu backen.
Nun sitze ich hier wieder in einem Café und kann mich einmal mehr nur wundern, welche Wege das Leben nehmen kann. Auch mit was für einer eruptiven Kraft manchmal Dinge in völlig andere Bahnen gelenkt werden…wo wir wann wen treffen und warum…
Für heute muss ich Schluss machen, mein Retter ist eben aufgelaufen und die Zeichen stehen auf cay. Ich habe überdies läuten gehört, heute Abend gebe es Hamsi….
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