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beitrag 2. teil 2
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Wieder bin ich in Istanbul – Beyoglu. Bei all meinen Reisen bin ich in keinem Viertel gewesen, das so lebendig war. Man hatte das Gefühl neu geboren zu werden – Es war als würden unterschiedliche Metropolen aufeinandertreffen. All diese feinen Damen und Herren. Die Menschen verkennen Istanbul mein Freund, sie sehen heute nur die auferlegte Maske aber nicht das Herz einer, seiner Zeit damals weit vorrauseilenden Stadt. Mein Herz erwärmt sich bei dem Gedanken an die für heutige Verhältnisse nostalgische Straßenbahn. Wie oft sind wir mit ihr gefahren ? Unzählige Male mein Freund. Aber eine Fahrt war anders, und genau diese unsere letzt Fahrt mein Freund ließ mich verleiten, dir diese Zeilen zu schreiben. Obwohl ich es all die Jahre immer gehofft hatte und in meinem tiefsten innern auch wusste, hat mich die Offenheit über deine Einsamkeit und dein Geständnis der Gefühle für mich beängstigt. Ich gab Dir damals keine Antwort, obgleich ich mir der großen Verantwortung dieser Zuneigung bewusst war. Ich weiß nicht wie viel zeit uns das leben noch schenken wird – ich weiß aber, das unser Leben nicht vereint enden kann. Wir stammen aus unterschiedlichen Ländern, aus verschiedenen Kulturen, wenngleich ich durch diese deine Kultur an Reichtum auch gewonnen habe, so kann ich die meine nicht leugnen oder verbergen. Vielleicht wird dies in einer anderen Zeit als der unseren einmal möglich sein mein Freund – nicht aber heute für uns. Wie schön wäre es gewesen, wenn die Liebe – ja ich spreche es heute zum ersten male aus- zwischen uns, in der Lage gewesen wäre eine Brücke zu bauen. Nicht nur eine Brücke zu unseren Herzen, sondern auch zwischen unseren Ländern. Für solche Verbindungen ist die Zeit noch nicht Reif mein Freund. Ich bin viel gereist, und wo immer ich auch war und Freude empfand, so zog es mich dennoch immer wieder hierher zurück – in meine Heimat. Ich könnte nicht glücklich werden an einem anderen Ort, als dem meiner Geburt. Vor allem jetzt da das Ende nicht mehr in all zu weiter Ferne liegt. Ich möchte Begraben werden in der Erde aus der ich stamme. So wie du mein Freund. Du könntest an keinem Ort der Welt so Atmen wie in Istanbul – Istanbul ist deine Heimat. Du würdest verwelken wie ein Baum den man versetzt, deine Wurzeln wären in der Ferne haltlos, und jeder Sturm würde dich Entwurzeln, verletzten. Es wäre ein Weg für Dich, den ich dich nicht gehen lassen kann und darf. Entschuldige diese für Dich vielleicht kalt klingenden Worte aber sie kommen aus meinem tiefsten innern und sind umgeben von liebe für dich. Ja mein Freund ich liebe dich seit nun mehr über 60 Jahren und es gab keinen Tag, an dem es keinen Kampf zwischen meinem Herzen und Verstand gab. Vielleicht hätte ich früher als wir noch Jung waren Kapitulieren sollen um in deinen Armen Frieden und Heimat zu finden – aber damals war ich nicht stark genug und heute bin ich schon viel zu alt. So eben habe ich einen Brief von Dir erhalten, welch Freude. Mein Herz springt und Hüpft als wäre es ein Junges Reh auf einer Au. Du verzeihst mir sicherlich wenn ich Dich um meine Zeilen vertrösten muss, aber die Neugier auf
deine Zeilen ist viel zu groß. Und dieser duft von Lavendel – ach noch immer betört er mich. Ich werde mich beeilen mein Freund.
Du fragst dich sicherlich warum es so lange gedauert hat mein Freund, nun ich war im Garten unter dem Kirschbaum. Welch schwere Last hast du mir aufgeladen Freund ?
Zu schwer für meine Schultern, zu schwer für unsere Freundschaft. Welche Trauer hast du mir gelassen ? Ich bin so wütend und verzweifelt. Wütend über die Zeit, die mir am Ende – und obwohl ich es von mir Stieß, doch dies nahm was mir so wichtig war. Glück überkommt mich nur darin, das ich am Ende dieses langen Weges, fähig war, zu sagen, wie sehr ich dich doch liebte. Ich sage es ganz laut vor mich hin, damit die Worte zu dir kommen mögen, getragen auf Böen des Windes und im Garten da habe ich die Erde ausgehoben, die Erde aus Istanbul. Ich habe den Weg für diesen Brief bereitet, damit er den Weg zu dir finden möge.Und als ich unter diesem Baum kniete, kam ein Windstoß – wie damals, die Blüten wirbelten und tanzten wie freudige Kinder. Dann wurde es still und ich hörte die Stimme des Muezin. Er sprach mit deiner Stimme und sagte mir, du hättest nun Frieden. Musik erklang und obwohl ich meine Tränen wie Perlenketten verlor, musste ich lächeln. Ich schloss die Augen und wir waren unter dem Kirschbaum in Süleymaniye.
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