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Alt 31.08.2006, 23:30
Anouk
 
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AW: Christentum und der Islam

@Kataif: Mel, gerade musste ich sehr lachen, Du hast es echt auf den Punkt gebracht. Und beim Lesen sind mir spontan noch zwei Dinge eingefallen, die sich aus christlicher Sicht auf Anhieb zumindest als befremdlich, wenn nicht gar barbarisch darstellen: die Tradition des Schächtens zum Beispiel. Das war und ist zumindest in heißen Ländern und insbesondere ländlichen Gebieten schlicht sinnvoll, weil das Fleisch dann weniger rasch verdirbt. Und was die "Unreinheit" von Frauen während ihrer Periode betrifft (ein Punkt, den übrigens alle monotheistischen Religionen erwähnen): Hygieneartikel sind eine Erfindung der Neuzeit. Das gab's früher nicht. Die Frauen behalfen sich beispielsweise mit irgendwelchen Stofflappen oder ließen der Sache einfach ihren Lauf. Das war dann natürlich unrein, vor allem, wenn man ins Kalkül zieht, dass sie nebenbei mit der Nahrungszubereitung zugange waren. Also, ich denke, es lässt sich ganz viel erklären, wenn man die vielen Regeln, Vorschriften, Ge- und Verbote von verschiedenen Weltreligionen mal unter einem anderen Blickwinkel betrachtet.

In einem Punkt sehe ich allerdings doch gravierende Unterschiede: nämlich im Rechtssystem. Leider verstehe ich nicht genug davon, um halbwegs sattelfest zu argumentieren, aber so weit ich's begriffen habe, beruht unsere ("westliche") Rechtsprechung zu erheblichen Teilen auf christlichen Grundwerten bzw. geht darauf zurück. Daher, zum Beispiel, auch der Resozialisierungsgedanke: eine verhängte Strafe soll in der Regel angemessen, d.h. nie so hoch sein, dass ein Verbrecher, ganz gleich, was er begangen hat, nach der Haft keinerlei Perspektive und Aussicht mehr auf ein "normales" Leben hat. Kurz gesagt: Sünde, Reue, Buße und Vergebung (was ja nach christlicher Sicht ganz zentrale Punkte sind) spiegeln sich gewissermaßen in unserem Rechtssystem.
Genau das allerdings - die implizite Forderung nach Vergebung - stößt etlichen Leuten übel auf, vor allem, wenn es um schwerste Gewalttaten geht. Nur: die gleichen Menschen, die dann reflexhaft sofort nach schärferen Gesetzen (bis hin zur Todesstrafe) rufen, setzen andererseits "den" Islam gern ausschließlich mit den rigiden und inhumanen Praktiken gleich, die z.B. in Saudi-Arabien oder Iran an der Tagesordnung sind. Das finden sie scheußlich. Absolut verabscheuungswürdig und unzivilisiert. Unlogisch eigentlich, wird dort doch vorgeführt, wie man sogar mit Kleinkriminellen (oder gar nach unseren moralischen Wertvorstellungen Unschuldigen) kurzen Prozess machen kann - und zwar gestützt und bestärkt von einer (!) islamischen Rechtsauslegung, die wenig Erbarmen kennt. Genau so wenig übrigens wie die christlichen Fundamentalisten auf der anderen Seite des Atlantiks, die sich bekanntlich ebenfalls für die besseren Menschen halten und ebenfalls in "göttlicher" Mission zu handeln vorgeben.

Sorry, ich kann mir nicht helfen, aber vor solchen Leuten graut mir. Vor solchen Leuten habe ich wirklich Angst. Weil sie Gräben aufreißen, wo keine sein sollten.

lg
anouk

Geändert von Anouk (31.08.2006 um 23:49 Uhr).
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