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Alt 21.03.2008, 10:53
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Ottoman Ottoman ist offline
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft

IstanbulPost:
Anlässlich seines neuerlichen Deutschlandbesuchs verkündete der Ministerpräsident Erdogan, tausende von jungen Frauen seien aufgrund des Kopftuchverbots an türkischen Universitäten gezwungen, ins Ausland zu gehen und dort zu studieren. Es muss allerdings gefragt werden, was mit diesen jungen Frauen passiert, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen haben. Die Töchter des Ministerpräsidenten selbst sowie des Staatspräsidenten Gül, die alle Kopftuchträgerinnen sind, geben ein erstes Vorbild ab. Die beiden Töchter des Ministerpräsidenten Erdogan studierten in den USA. Bald nach dem Abschluss ihres Studiums wurde eine verheiratet und ist jetzt Hausfrau. Die Tochter vom Staatspräsidenten Gül hat an der angesehenen Bilkent-Universität in Ankara studiert. Kaum hatte sie ihr Studium abgeschlossen, wurde sie mit einer spektakulären Hochzeitsfeier verehelicht und ist jetzt ebenfalls Hausfrau. Die Liste ließe sich in dieser Manier lange fortsetzten.

Spiegel:
Istanbul - Die Türkei geht auf eine offene gesellschaftliche Konfrontation zu. Zwei Lager haben sich herausgebildet.
Die AKP weiß die konservativen Wähler aus der großen Unterschicht, aber auch die neue islamische Bourgeoisie und das "grüne Kapital" hinter sich.

Demonstranten in Ankara: "Die Türkei ist ein laizistischer Staat und wird es bleiben"
Im Kabinett sitzt kein einziger Minister ohne eine verhüllte Ehefrau, in den AKP-regierten Kommunen ist keine unverhüllte Angestellte mehr zu finden. Die Kommunen schenken in städtischen Einrichtungen keinen Alkohol mehr aus und machen bei der Vergabe von Lizenzen an Lokale große Probleme. Die Weinindustrie der Türkei droht wegen horrender Alkoholsteuern einzugehen.

Die säkularen Kreise des gegnerischen Lagers sehen in der "konservativen Welle" der türkischen Gesellschaft eine wachsende Bedrohung ihrer freien, europäischen Lebensweise. Zehntausende Gegner des Gesetzes protestierten in Ankara gegen eine schleichende Islamisierung der Türkei. Sie schwenkten türkische Flaggen und Bilder des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. "Die Türkei ist ein laizistischer Staat und wird es bleiben", riefen sie. Rund 70 unterschiedliche Organisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen. Es protestierten über 100.000 Menschen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbots.

Die Opposition besteht nicht nur aus den kemalistischen Generälen, die bis jetzt schweigen. Neben den Linken, Sozialdemokraten und Kurden im Parlament gehören einflussreiche Kreise wie das hohe, kemalistische Beamtentum, die Mehrheit der Akademiker, der urbane Mittelstand mit seinen Berufsorganisationen, die linken Gewerkschaften, aber auch der Arbeitgeberverband Tüsiad dazu.

"Kein einziges unverhülltes Mädchen" in den Vorstädten

Diese Opposition wirft Erdogan vor, seine Reformen nicht in ein allgemeines Paket der bürgerlichen Freiheiten einzubetten. Dazu gehörten nicht nur das Kopftuch, sondern die längst fälligen Rechte der Minderheiten oder eine Reform des Strafrechts für eine größere Meinungsfreiheit – Reformen, die die EU seit Jahren anmahnt. Stattdessen plant Erdogan einen zweiten umstrittenen Schritt: Die Absolventen der sogenannten Imam- und Predigerschulen sollen beim Zugang zum Studium mit den säkular erzogenen Gymnasiasten gleichgestellt werden.

Die linksliberale "Birgün" kommentiert: "Damit wird ein religiöser Bildungsstrang geschaffen, der später die säkulare Schule übernehmen soll." Die Zahlen geben Erdogans Gegnern recht: Obwohl der Bedarf an Imamen minimal ist, besuchen heute 58.000 männliche und 62.000 weibliche Schüler diese Schulen.

"Verhüllte Mädchen, die ihr Kopftuch von der Grundschule bis zum Universitätsabschluss nicht ablegen, werden später auch damit arbeiten wollen", sagt die Opposition weiter. Die Journalistin Sükran Soner weist darauf hin, dass es in den Vororten der Großstädte "kein einziges unverhülltes Mädchen mehr" gibt. Der renommierte Sozialwissenschaftler Ersin Kalaycioglu sieht die Gefahr woanders: "Im Hörsaal verbringt eine Studentin gar nicht so viel Zeit", sagt er, "aber in den Studentenheimen gibt es Tausende von Mädchen. Ich fürchte, in wenigen Jahren werden wir dort keine unverhüllte Studentin mehr antreffen."

"Die Regierung hat aus dem Kopftuch die Fahne einer politischen Bewegung gemacht", fasst der Soziologe Yilmaz Esmer zusammen. "Wenn das Tragen religiöser Symbole im Hörsaal als eine normale, bürgerliche Freiheit angesehen würde, hätte niemand etwas dagegen." So sei das schließlich in Deutschland oder Frankreich. "Aber es geht hier um mehr: Um die Durchsetzung einer bestimmten Moral, einer politischen Linie in der Gesellschaft."

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Der Verfassungsschutzbericht zitiert Erbakan mit den Worten: „Die Europäer glauben, dass die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan.“

Erdogan: Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.

Bleibt für die Zukunft der Türkei zu hoffen, dass sie nicht vom Weg Atatürks abkommt.


Quellen: 1 2 3
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Friede zu Hause, Friede in der Welt - Mustafa Kemal Atatürk
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