Mustafa Kemal Atatürk ("Vater der Türken") war erster
Präsident der Republik Türkei, ohne ihm gäbe es die heutige Türkei mit seinen Staatsgrenzen nicht. Nach der türkischen Niederlage im 1. Weltkrieg als Verbündeter der Deutschen, wurde Ostthrakien und Teile der Ägäis den Griechen zugesprochen. Mittelmeergebiete den Italienern, Südosten an Frankreich. Istanbul stand unter britischer, französischer und russischer Kontrolle. Wie er große Teile des Landes gegen einen übermächtigen Gegner zurückerobern konnte, bleibt für mich ein Rätsel.
Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild der westlichen Zivilisation zu modernisieren
Die 6 Prinzipien des Kemalismus:
- Nationalbewußtsein als Wendung gegen einen Vielvölkerstaat des osmanischen Zuschnitts.
- Laizismus: Klare Trennung zwischen Staat und Religion
- Republikanisches System: Abschaffung des Kalifats und Gründung der türkischen Republik
- Etatismus: Lenkung des Wirtschaftssystems durch den Staat
- Reformierung: Modernisierung des Staates
- Populismus: bei Atatürk nicht der Populismus im heute gebräuchlichen Sinne gemint, sondern das Konzept einer klassenübergreifenden gesellschaftlichen Kooperation, wie zum Besipiel die Übernahme des schweizerischen Zivilgesetzbuches. Dieser sollte dazu beitragen, das Volk für den Aufbau eines modernen Staates zu mobilisieren. Seinen Ausdruck fand er unter anderem in der rechtlichen Gleichstellung der Frau.
- Am 2. September 1925 wurde das Tragen religiöser Trachten wie Pluderhosen und Turbane verboten. Ausgenommen waren nur islamische Geistliche bei der Verrichtung ihres Amtes in der Moschee oder bei Beerdigungen.
- Mustafa Kemal ließ die arabische Schrift durch das lateinische Alphabet ersetzen, das der vokalreichen türkischen Sprache besser entspricht als das Arabische. Auch auf diesem Feld legte Mustafa Kemal persönlich Hand an, indem er mit Tafel und Kreide umherreisend Unterricht erteilte.
- Asyl Status für die aus dem Nazi Deutschland fliehenden jüdischen Flüchtlinge.
- Jedem Bürger der Türkei wurde ein Nachname zugeordnet.
- Verbot von Polygamie und Abschaffung des islamischen Rechts.
- Von grundlegender gesamtgesellschaftlicher Bedeutung war die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts (vor vielen anderen europäischen Ländern)
- Eine Umwälzung gesellschaftlicher Strukturen bedeuteten die von Mustafa Kemal eingeleiteten Schritte zur Frauenemanzipation, die in einer Neuordnung des ehelichen Scheidungsrechts, in der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau, in der Förderung einer höheren Schulbildung und im Universitätszugang auch für Mädchen und Frauen zum Ausdruck kam.