Einzelnen Beitrag anzeigen
  #147 (Permalink)  
Alt 25.03.2008, 14:18
Adrian Adrian ist offline
TT-Tastaturschoner
 
Registriert seit: 25.01.2007
Beiträge: 175
Thanks: 4
Thanked 40 Times in 24 Posts
AW: Christentum und der Islam

Hier ein Kommentar aus einem anderen Forum zum thema FÄLSCHUNG DER BIBEL:

Ist der Wortlaut der Bibel glaubwürdig?


Die Bibel ist das Fundament des christlichen Glaubens - wäre sie nicht zuverlässig, hätte der christliche Glaube keine Grundlage und keine Substanz. Wer mit Menschen über die Bibel und den Glauben an Jesus spricht, macht allerdings die Erfahrung, daß viele Menschen die Bibel in ihrer Authenzität anzweifeln. Sie behaupten, der Text sei im Lauf der Jahrhunderte verändert und Dinge hinzugefügt worden.
Die meisten von ihnen kennen die Bibel natürlich nicht und sind auch nicht wirklich daran interessiert, ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Es ist ja sehr praktisch, die Bibel anzuzweifeln...... Man hat es irgendwo schon mal gehört und es rechtfertigt den eigenen Standpunkt so schön.

Der nachstehende Artikel beschäftigt sich mit der Frage, ob es einen objektiven Anlaß für derartige Zweifel an der Bibel gibt.


INHALT:
1) Allgemeines über alte Handschriften
2) Fehler in der Überlieferung
3) Die Genauigkeit der biblischen Überlieferung
4) Kommentare zu typischen Behauptungen



1) Allgemeines über alte Handschriften

Viele stellen sich die Überlieferung der Bibel über die Jahrhunderte als eine Art “stille Post” vor, bei der es immer wieder kleine Veränderungen gegeben habe. Die Bibel sei immer weiter verfremdet und immer wieder neu übersetzt worden; Machthaber und Kirchenfürsten im Mittelalter hätten sie nach Gutdünken manipuliert etc.

Doch liegen diesen Überlegungen eine ganze Reihe unzutreffender Vorstellungen zugrunde.

Denn betrachtet man das Material, das uns heute für die Übersetzung der Bibel zur Verfügung steht, so ergibt sich eine auf den ersten Blick paradoxe Situation: Man kann nämlich mit Gewißheit sagen, daß uns heute bessere Informationen über den biblischen Urtext zur Verfügung stehen als den Menschen früherer Jahrhunderte. Ja nochmehr: Über den Urtext keines anderen Buchs vor Erfindung des Buchdrucks haben wir derart exakte Kenntnisse wie über den der Bibel. Denn durch die moderne Archäologie wurden in den letzten beiden Jahrhunderten Tausende alter Bibelhandschriften aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gefunden. Da diese Texte mit unseren Bibeln übereinstimmen, kann man einen Anfangsverdacht von vornherein begraben: In der dazwischenliegenden Zeit - dem Mittelalter - können keine Veränderungen der Bibel stattgefunden haben. Überdies kann man schon aufgrund der Zahl dieser Funde mit großer Gewißheit feststellen, wie der Urtext der Bibel lautet.

Um dies erläutern zu können, möchte ich zunächst ein paar allgemeine Dinge über alte Handschriften feststellen:

Der Buchdruck fand erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts weite Verbreitung, nachdem Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfunden hatte. Vorher wurden alle Bücher von Hand geschrieben und vervielfältigt. Auch die Bibel existierte über 1400 Jahre nur in handschriftlicher Form.

Man besitzt natürlich von keinem Buch vor Erfindung des Buchdrucks eine Originalhandschrift des Verfassers - egal, ob es die Bibel ist oder ein anderes altes Buch. Denn die Verfasser aller alten Handschriften haben ihr Werk natürlich nur einmal selbst aufgeschrieben. Erst im Lauf der Zeit wurden diese Bücher dann durch Abschriften vervielfältigt. Auf die Originalschrift kamen auf diese Weise viele hundert oder tausend Abschriften. Einige dieser Abschriften sind erst Jahrhunderte nach dem Original entstanden - z.B. deshalb, weil das Papier der Vorlage zu zerfallen begann. Viele Bücher der Antike (z.B. Texte von Caesar oder Cicero) kennt man nur aus Abschriften, die später als das Jahr 1000 n.Chr. geschrieben wurden. Diese Abschriften wurden jeweils von älteren Abschriften gefertigt, so daß der Inhalt eines Buches im ergebnis über mehrere “Generationen” von Schriftrollen weitergegeben wurde.

Das Abschreiben von Büchern war eine der Hauptbeschäftigungen in den Klöstern des Mittelalters. Viele Klöster schrieben Bücher ab, um sie verkaufen zu können oder um die eigene Bibliothek aufzufüllen. Wenn eine bestimmte Anzahl von Kopien eines Buches gefertigt werden sollten, geschah das beispielsweise so, daß im Scriptorium eines Klosters der Text Satz für Satz diktiert wurde und gleichzeitig eine entsprechende Zahl von Schreibern jeweils diesen Satz niederschrieben. Das ganze geschah mit großer Ruhe und ohne Hektik - man hatte damals ja Zeit....

In gleicher Weise wurden auch die Texte der Bibel über Jahrhunderte vervielfältigt.



2) Fehler in der Überlieferung

Trotz aller darauf verwandten Sorgfalt ist es beim Fertigen einer Abschrift natürlich nie völlig auszuschließen, daß sich ab und zu auch Fehler in den Text einschlichen - in aller Regel sind dies Rechtschreibfehler, die den Sinn nicht berühren. Natürlich läßt es sich auch nicht ausschließen, daß ein Abschreiber eine bewußte Veränderung am Text vornahm - etwa um den Sinn zu verdeutlichen oder auch, um eigene Ideen in den Text hineinzutragen. In allen alten Handschriften können daher theoretisch Fehler auftreten. Man muß dabei allerdings beachten (dies wird häufig übersehen), daß eine versehentliche oder bewußte Textänderung natürlich immer nur diejenige Schriftrolle betrifft, die der Schreiber gerade abschreibt.

Wie sollte ein Mensch - egal wie mächtig - ein Buch, welches sich überall im Umlauf befindet, überall gleichlautend verfälschen?

Leider überlegen sich diejenigen, die leichthin behaupten, die Bibel sei im Lauf der Zeit verändert worden, in aller Regel nicht, wie das denn praktisch ablaufen soll. Würden sie dies tun, wäre klar, daß die Behauptung nicht stimmen kann: Denn man kann ein Buch, welches sich überall im Umlauf befindet, gar nicht wirksam verfälschen.

Die Schriften des Neuen Testaments waren schon früh sehr weit verbreitet. So zitieren zum Beispiel mehrere Kirchenväter schon um das Jahr 100 herum viele Schriften des NT als Heilige Schrift, setzen es also als bekannt voraus. Man hat Fragmente des Johannes-Evangeliums in den Grabbeigaben eines Fellachen-Friedhofs in Oberägypten gefunden, die ungefähr auf das Jahr 120 datiert werden (Egerton-Papyrus Nr.2 und der “Papyrus 52”). Das Johannes-Evangelium ist jedoch erst um 90 n.Chr. entstanden. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten war es also bereits so weit verbreitet, daß es schon einfache Bauern auf dem Land leisten konnten, eine Schriftrolle als Grabbeigabe in ein Grab zu legen. Das tut aber nur jemand, der weitere Exemplare des Textes hat.

Selbst wenn es jemand darauf angelegt hätte, den Text der Bibel bewußt zu verfälschen, hätte derjenige sozusagen von Spanien bis nach Indien von einer christlichen Gemeinde zur anderen reisen müssen, überall Einsicht in deren Schriften verlangen müssen und dann die alte Schriftrolle durch eine neue, verfälschte ersetzen müssen. Denn es ist natürlich nicht möglich, einen handschriftlichen Text wirksam zu verändern, ohne diesen neu abzuschreiben. Andernfalls wäre eine Einfügung oder Streichung durch die Störung des Textflusses ohne weiteres optisch zu erkennen.

Letztlich kann das jeder selbst ausprobieren. Wenn mir jemand erzählt, die Bibel sei im Lauf der Zeit verändert worden, frage ich ihn, wie er denn vorgehen würde, gesetzt den Fall, er wollte ein Buch verfälschen. Eine Antwort auf diese Frage konnte mir noch nie jemand geben.

Fassen wir also zusammen: In jedem handschriftlich überlieferten Text können beim Abschreiben Fehler vorkommen, aber es ist völlig ausgeschlossen, daß jede Abschrift den gleichen Fehler enthält. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob die Veränderung des Textes beabsichtigt war oder ob sie versehentlich vorgekommen ist. Vielmehr enthält die eine Abschrift Veränderungen an der Stelle A, in der anderen sind Änderungen an der Stelle C vorgekommen und in einer dritten an der Stelle E.

Legt man diese Abschriften nebeneinander, ist jedoch bei einiger Überlegung klar, wie der Originaltext lautet. Ich möchte dies kurz anhand eines Modells verdeutlichen: Stellen wir uns die drei genannten Abschriften vor, die die Textstellen A, B, C, D und E enthalten. Ich habe die falsch abgeschriebenen Textstellen rot markiert:

1.Handschrift A B C D E
2.Handschrift A B C D E
3.Handschrift A B C D E

Obwohl in diesem Modell keine der drei Abschriften fehlerfrei ist, ist trotzdem deutlich rekonstruierbar, wie der ursprüngliche Text lautet. Denn bei den Textstellen, von denen verschiedene Varianten kursieren (also A, C und E), läßt sich durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Schriften rekonstruieren, welche Variante die ursprüngliche ist - nämlich stets die häufigere.

Im vorstehenden Modell gibt es lediglich drei Handschriften. Jedoch läßt sich der Originaltext umso sicherer feststellen, je mehr Abschriften eines Textes zur Verfügung stehen. Denn das Verhältnis 2:1 kann noch zufällig sein. Es ist nicht auszuschließen, daß die fehlerhafte Variante sich häufiger verbreitet hat. Je mehr Abschriften eines Textes ich jedoch habe, desto geringer wird diese Möglichkeit. Ein Varianten-Verhältnis 100:1 oder 687:14 ist schon völlig eindeutig. In diesen Fällen ist nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit klar, welche Textvariante einer strittigen Stelle die korrekte ist - nämlich die deutlich häufigere. Ich halte also fest:

1.) Alle handschriftlich überlieferten Texte sind nicht völlig frei von Abschreibfehlern
2.) Ein Abschreibfehler (genauso eine bewußte Fälschung) geschieht jedoch stets nur in
einem Exemplar - nämlich dem, welches gerade abgeschrieben wird - und nicht überall
gleichlautend.
3.) Je mehr Abschriften man hat, desto sicherer läßt sich bei Unterschieden zwischen den
Abschriften feststellen, welcher Text der unveränderte ist.
Mit Zitat antworten