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AW: Christentum und der Islam
teil 2
3) Die Genauigkeit der biblischen Überlieferung
Nun ist es aber so, daß von vielen klassischen antiken Texten nur wenige Abschriften erhalten geblieben sind, von manchen römischen Dichtern sogar nur eine oder zwei. Hier ist das Risiko, einen in einzelnen Passagen veränderten Text vor sich zu haben, recht hoch. Selbst von Caesars berühmtem "De bello Gallico", den jeder Lateinschüler aus (leidvoller) Erfahrung kennt, existieren keine dreißig Manuskripte. Noch dazu sind diese Abschriften zumeist nicht älter als das Jahr 1000 n.Chr., d.h. sie wurden Jahrhunderte nach dem Autor von einer anderen Schriftrolle abgeschrieben, die wahrscheinlich wiederum ihrerseits abgeschrieben worden war.
Einige Werke der Antike kennt man jedoch deutlich genauer als diese Klassiker, da man mehr und ältere Abschriften kennt und durch die Variantenhäufigkeit eventuelle Fehler einzelner Abschriften weitgehend rekonstruieren kann. Eines der am besten überlieferten antiken Bücher ist z.B. die "Ilias" von Homer mit 600 Abschriften, was schon eine enorme Genauigkeit der Kenntnis des Originaltextes bedeutet.
Von keinem anderen antiken Text sind aber auch nur annähernd so viele Abschriften überliefert wie vom Neuen Testament. Man kennt inzwischen über 24.000 alte Handschriften des NT und es tauchen durch archäologische Funde immer mehr auf.
Noch einmal die Zahlenverhältnisse zur Verdeutlichung:
Neues Testament: 24.000
Homers Ilias: 600
Römische Klassiker: in der Regel nicht mehr als 10
Viele der Handschriften des NT kennt man zudem aus antiken Grabbeigaben, d.h. Bodenfunden - die selbstverständlich nicht verfälscht worden sein können.
Einige der neueren Bodenfunde werden auf den Beginn des 2. Jahrhunderts datiert - sind also beispielsweise 200 Jahre älter als das Konzil von Nicäa (325 n.Chr.). Viele der Handschriften des NT stammen zudem aus entlegenen Teilen der Welt, die dem Zugriff der abendländischen Kirche nicht zugänglich waren: z.B. aus dem äthiopischen Hochland, aus Südwestindien etc.
Und obwohl wir 24.000 Handschriften des NT kennen, existieren Textvarianten gerade einmal für 2 % des Umfangs des NT. Die meisten dieser Varianten sind zudem bloße Rechtschreibfehler, synonyme Zusätze, Wortdreher und ähnliches. Die ernstzunehmenden Varianten - d.h. echte Sinnänderungen - haben oft sehr geringe Variantenhäufigkeiten. Also anders gesagt: Es existiert dann zwar eine Variante, doch ist völlig klar, welcher der unveränderte Text ist.
FAZIT:
Es zeigt sich, daß man bei anderen antiken Texten bekannter und nie bezweifelter Verfasser in der Regel mit weitaus weniger Material auskommen muß und der zeitliche Abstand um Größenordnungen über dem liegt, was man von den biblischen Texten gewohnt ist. Dennoch wird die Bibel gerne bezweifelt - es werden weitaus höhere Maßstäbe angesetzt als es nach fachlichen Gesichtspunkten nötig oder angemessen wäre.
Will man bei der Bibel von einer unzureichenden Quellenlage sprechen, müßte man im Gegenzug die gesamte Forschung an Texten aus der Antike ad acta legen. Und legt man die Maßstäbe solcher Forschung zugrunde, kann man die Bibel nur als exzellent überliefert bezeichnen
Es ist also nicht die Quellenlage, auf der Zweifel an der Genauigkeit der Überlieferung beruhen. Diese Zweifel sind vielmehr liebgewonnene Einwände, weil es im Grunde der Inhalt der Bibel ist, der unerwünscht ist und deshalb entkräftet werden soll.
Für diejenigen, die hier tiefer graben möchten, möchte ich zur Ergänzung meines Artikels ein gutes Buch empfehlen.
So entstand die Bibel
W.J.J.Glashouwer
CLV-Verlag
224 Seiten
9,80 DM
4) Kommentare zu typischen Behauptungen
Die folgenden Zitate stammen aus Mails, die ich im Laufe der Zeit erhielt. Ich zitiere sie zusammen mit meinen Antworten.
>>>>>>Die Bibel wurde oft überarbeitet und auch heute noch wird an ihren Texten herumgefeilt.<<<<<<<<<
Man kann dazu mit aller Autorität der Archäologie sagen: Nein. Die Texte, die man in jahrtausendealten Bodenfunden findet, sind mit unseren modernen Bibeln praktisch identisch und können in der Zwischenzeit gar nicht verändert worden sein. Auch heute wird nicht an den Texten "herumgefeilt", sondern es wird versucht, alte Bibelübersetzungen in modernes Deutsch zu bringen. Der griechische Originaltext ist heute besser bekannt als jemals zuvor.
>>>>>>>Offiziell nach dem Konzil zu Nicäa (325 n. Chr.), aber gewiß auch schon vorher, begann die Abänderung oder Ausmerzung mißliebiger oder unverstandener Bibelstellen in den neutestament- lichen Schriften.<<<<<<<<
Das ist völlig ausgeschlossen, weil auch Bodenfunde von Handschriften des NT, die 200 Jahre älter als Nicäa sind (z.B. aus einem ägyptischen Fellachenfriedhof aus der Zeit um 120), denselben Text wie unsere Bibeln haben. Im übrigen ist es gar nicht möglich, ein Buch wirksam zu verändern, das sich überall im Umlauf befindet.
>>>>>>>Die Berichte der Bibel wurden lange Zeit nur mündlich überliefert und veränderten sich währenddessen.<<<<<<<<<<<<
Dies ist eine Theorie des 19. Jahrhunderts, die längst widerlegt wurde. Die Berichte des Neuen Testaments wurden noch zur Zeit der Augenzeugen Jesu aufgeschrieben. Es gibt auch keinen vernünftigen Zweifel daran, daß die Berichte des Neuen Testaments von den Jüngern Jesu aufgeschrieben wurden. Selbst für die Texte des Alten Testaments ist es sehr unwahrscheinlich und jedenfalls unbewiesen, daß diese je über längere Zeit mündlich überliefert worden sind.
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