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Alt 12.04.2008, 11:33
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AW: was würde ohne islam fehlen?

merhaba julchen

Das stimmt, aber, ich bin nicht Kenner von so intimen Details, sind sie so viel von den jüdischen abweichend?

Ich stelle mir vor, dass Mohamed die Spielregel bei den Juden als eindeutig besser als unter den arabischen Zelten erkannt hat, das ergibt einen Sinn, unter dem Zelt hygienisch zu leben ist nicht ganz leicht (ich habe wirklich viel mit Touaregs bei Ihnen am Zelt und bei Bantu's in der ein-Zimmer-Hütte zu tun gehabt: man kann sich in der modernen Welt einfach gar nicht vorstellen, welche praktische Probleme man sofort, wirklich sofort, antrifft! Der moderne Mensch ist da nicht mehr lebensfähig. In Yamoussoukro, da wo diese gigantischen Basilika und Moschee stehen, direkt, ein paar hundert Meter weg davon, übernachtete ich mit meinen Angehörigen in einem ausreichend guten Hotel. Wasserpanne und keinerlei Aussicht auf Besserung! Wenn Du stundenlang im staubigen Fahrwind der afrikanischen Strasse gefahren bist, und der Rücken klebte am Kunstledersitz, der in Afrika für gewöhnlich früher die Standardausstattung war bei Tagestemperaturen bis 50°C im Schatten, freuest Du Dich natürlich riesig, wenn die Dusche nicht tut. Und das zu Dritt. Ein Duschboiler bittet Dir, zum Verständnis, 30 l Warmwasser an, und Du mischst Kaltwasser zu, sagen wir du kommst also mit 35 l pro Person aus, weil Du nicht wartest, bis das ganze Boilerwasser aufgebraucht wird, um mit dem Duschen aufzuhören. Dann kommst Du Dir an der Hotelrezeption blöd vor, um etwas zu organisieren: 3 x 35 l grob 100 l ! Und es gibt kein Wasser in der ganzen Stadt wegen den Bauarbeiten an der Basilika, nur 1 Std pro Tag zur gegebenen Zeit! Oder nur eine Sorte: teueres Mineral-Wasser von Evian... Dann kaufst du 10 l davon zuerst, trägst sie hoch und der Erste, das Kind, wäscht sich oder vielmehr wird gewaschen, so, zum sehen wieviel man braucht. Und ausnahmsweise passt man da extrem auf, jeden Tropfen zu verwerten. Dann merkst Du bald, dass je nach Haarpracht, ich habe schon lang eine Glatze bzw. einen feinen hocheleganten Kranz zur Kühlung in Afrika, Frau und Tochter aber nicht, Du im Grunde genommen den ganzen mit Lateriterde vermischten Schweiss doch mit einer extrem kleinen Wassermenge runterholen kannst und das Haar auch seifenfrei bekommst! In Niamey ging ich mal ins Kino. Wenn Du ankommst, siehst Du einen Kino. Gehst Du rein, da fällt sofort etwas auf: Offentlich regnet's nicht - Dein das Kino hat nur Stehwände und kein Dach. Kannst Dich aber beruhigen! In Niamey regnet's so oft, wie im Rheinland es in Mai-Juni schneit... Es ist Mitte in der Sahara, und gäbe es den Niger nicht, wäre es auch die totale Wüste, heute zumindest, denn die Grösse der Wüste schreitet auf schrecklicher Art und Weise unerbittlich fort... Dann gibt es die Filmpause, wie überall in der Welt! Du gehst mit dem Volk zu den Komoditäten. Und da merken die Männer erst, dass sie in der Sahara wirklich sind! Da haben die Porzellanfabriken rücksicht darauf genommen, und da es da gar keine Vegetation und wenig Felsenwände gibt, die Häuser sind aus getrockneter Erde, auch grosse Gebäude wie Moschee, die darf man nicht "anregnen", auch würde es in die Erde dringen und Ablagerungen verursachen, also geht man, auch die Männer, immer in die Knien dazu... Und so gab es dort eine spezielle Porzellan für Herrenansprüche, die ein westlicher Mann vollkommen aus dem Konzept bringen kann, obwohl in Frankreich auch ähnliche Lösungen in öffentlichen Gebäuden bekannt sind; jedenfalls dachte ich mir "nächstmal gehst Du vor dem Kino, und nach dem Kino aber nicht mehr während des Kinos hin" . Leben in Sand und Wüste ist vollkommen anders und stellt extrem hohe Ansprüche an Organisation, damit keine Unannehmlichkeiten auftreten. In Niamey gibt es Wasser vom Niger. Im Tenere, wo der letzte Sahara-Baum vor wenigen Jahren endgültig verstarb, gibt es auch Wasser, aber das müssen die Frauen, das ist eindeutige Frauenarbeit, zig Meter tief aus dem Bauch der Erde schöpfen, und oft 15 km zu Fuss dorthin zurücklegen (man wird nicht so leicht überfallen, wenn man nicht direkt beim Wasser lebt: man lässt das Wasser bewachen, und verliert im Notfall die tapferen Wächter, aber nicht die ganze Sippe gleich) und mit dem vollen Topf auf dem Kopf, hast bestimmt schon Bilder davon gesehen, barfuss im gemütlich warmen Sand zurücklegen. Daher war Hygiene damals ein Muss aber aber auch knochenharte Arbeit, ...
... speziell für die Frauen, und Du kannst sicher sein, dass sie sich nicht um den ersten Platz streiteten!

Und das Zelt- oder Lehmbautenleben war zur Zeit von Mohammed bestimmt nicht leichter! Eher schwierigen...

Ich würde daher das Ganze nicht überbewerten.

Aber zugegeben: Die westeuropäische Schlösser waren nach dem verschwinden der Römer richtige Ferkeleien... Also, im grossartigen Schloss Chambord an der Loire, eine Riesenanlage, allein die Kaminlandschaft sieht wie eine Stadt aus, suchst Du vergeblich nach einer Toilette... Da war die muslimische Welt zur gleichen Zeit die zivilisierte Welt!

Selâm

Geändert von solresol (12.04.2008 um 11:37 Uhr).
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