|
AW: Freiheit
ok. an diesem punkt bin ich so frei zu behaupten: die gedanken sind frei! denn das sind sie wirklich. schliesst man die augen und blickt tief in sich hinein, wird jeder mensch einen einzigartigen und wunderbaren juwel entdecken und bei etwas näherer untersuchung wird sich zeigen, dass dieser juwel an einem zauberstab hängt. einem zauberstab, der zwar nicht die ganze welt, wohl aber unser bild und unsere wahrnehmung von welt in jeder gewünschten form zu verzaubern vermag.
falls er es denn vermag. denn wenn er nicht dazu fähig ist, wird man ihn gar nicht erst entdecken und auch nicht den juwel, der daran hängt. aber ohne juwel schaut man auch nicht tief in sich hinein, sondern vielmehr durch sich durch, wie durch luft. und weil man wie luft für sich selbst ist, sind die augen dann auch nicht sanft geschlossen, sondern wie nach einem liter schwarzen kaffee innerhalb einer stunde zu weit aufgerissenen stielaugen verkrampft.
ich kann mein leben als mittel zum zweck missbrauchen in dem sinne, dass ich ein leben führe, das einen bestimmten zielzustand herbeiführen soll, quasi diesem gewidmet ist und als leben sich letztlich erst dann rechnet, wenn dieser zielzustand erreicht oder zumindest angenähert ist, im nachhinein also, sozusagen, wenn es schon zu spät ist, auf einen möglichen irrtum zu reagieren.
ich kann aber auch den ist-zustand als ziel ansehen und definieren und mein leben danach ausrichten. diese ausrichtung kann jederzeit dem sich ändernden ist-zustand, also rechtzeitig, angepasst werden. ich ordne damit den noch nicht realisierten teil und den nicht mehr beeinflussbaren teil meines lebens meinem eigentlichem leben unter, der ebene also, die ich als einzige direkt wahrnehme und auf die ich als einzige direkt wirken kann. und ich werte damit diese ungemein auf, ich werte mein leben, ich werte mich auf.
verhindert das ängste und schmerzen und trauer? nein, keineswegs. aber diese durchaus sinnvollen und angebrachten und wertvollen emotionen werden zum bestandteil eines von vornherein bereits akzeptierten und gewollten und geehrten ganzen. und das wiederum wertet sie auch auf, lässt sie zu konstruktiven impulsen und energien werden, die dann auch direkt angewendet und zu wirkung verwandelt werden können.
anders ausgedrückt: ich soll nicht irgendetwas tun müssen, um irgendwie sein zu dürfen, sondern tun, weil ich bin. die freiheit bleibt von diesem ganzen unberührt, denn wer kann schon mit sicherheit sagen, ob ich überhaupt die möglichkeit gehabt habe, zu diesem zeitpunkt etwas anderes zu behaupten als gerade das, oder ob irgendein leser die möglichkeit hätte, anders auf diese zeilen zu reagieren, als er es gerade tut.
|