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Alt 11.10.2008, 16:04
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sdost sdost ist offline
TT-Schreck
 
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AW: Willi - aus dem Leben eines Katers

Das Krankenhaus wurde sein absoluter Renner. dort ging er vorzugsweise in das Büro des Chefs der Handchirugie, um es sich auf dem Chefsessel bequem zu machen.
Dann stand die Hygienetante des Krankenhauses vor meiner Tür, weil er nun auch den Weg zur Intensivstation gefunden hatte und verlangte, dass ich den Kater einsperren solle, sonst würden sie dafür sorgen, dass er verschwindet.


Da will man helfen und Tipps geben und keinen interessiert es. Das sind typische Verhaltensweisen der so genannten Fachleute. Der Chefsessel zumindest könnte mir gefallen. Wenigstens hat keiner bemerkt, dass ich das Leder etwas eingeweicht habe.


Kurze Zeit ging es gut, dann wollte er raus und suchte sich ein neues Ziel aus und zwar das Schlafzimmer meiner Nachbarin. Dort schlich er sich immer durch den Keller und brachte ihr zur Begrüßung sehr gerne halbe Mäuse mit oder auch gerne ein paar Spinnen.


Höflichkeit ist nie falsch und ich wurde auch immer wie ein Popstar begrüßt. Wenn ich mit meinen Gastgeschenken kam, war das ein Gekreische wie bei den Fans von Tokio Hotel. Oft stieg die Dame auf einen Stuhl um mich besser sehen zu können. Es gibt eben Leute die wissen wie man mich ehrt.


Das benachbarte Hotel blieb auch nicht von Willis Besuchen verschont. Als er jedoch auf den Tisch eines Gastes sprang, um mal das Fleisch zu probieren war es vorbei.


Dabei habe ich es nur gut gemeint. Der arme Mann hatte schwer damit zu tun, dass ihm sein Gebiss nicht auf dem Teller sprang. Ich dachte mir, dass ich dem Gast etwas Arbeit abnehmen könnte. Leider war auch ihm die christliche Tugend des Teilens nicht bekannt.



Im Optikerladen ganz in der nähe liebte er das Schaufenster.
Ich wurde auch von dort angerufen um ihn zu holen.
Im Schaufenster kroch ich auf allen vieren rum, ohne das Willi Anstalten machte mit mir zu kommen.

Warum hätte ich das tun sollen? Ich hatte mit den Katerkumpels aus der Nachbarschaft um 20 Mäuse gewettet, dass es mir gelingen würde, meine Mitarbeiterin auf allen Vieren in der Öffentlichkeit kriechen zu lassen. Was tut man nicht alles um Wetten zu gewinnen und 20 Mäuse sind auch nicht zu verachten




Der türkische Nachbar machte mit Willi Bekanntschaft, als dieser es sich auf der Hutablage seines Autos bequem gemacht hatte und dieser es erst bemerkte, als er in den Rückspiegel sah.


Um ehrlich zu sein, das Auto hatte einen betörenden Duft. Es roch nach Fisch, immerhin war sein Besitzer Laze. Außerdem dachte ich zuerst ein paar andere Kater hatten sich im Auto zu einer Gesangsstunde getroffen. So klang es zumindest. Des Rätsels Lösung: Der gute Laze hatte eine Cassette mit Gleichlaufschwankungen mit Musik von Ibrahim Tatlisses in seinem Autoradio laufen. Das kann dann schon zu Verwechselungen führen. Ich habe mich da sehr wohl gefühlt und etwas mitgesungen



Da er mir auch gerne folgte, besuchte er mich auch öfter in der Schule. Er schlich durch das ganze Schulgebäude.


Natürlich hatte ich mitbekommen, dass meine Mitarbeiterin fast jeden Tag das Haus verließ und erst spät zurückkam. Wen konnte ich in der Zwischenzeit ärgern? Also ging ich dann mit ihr um zu sehen ob sie nicht noch andere Kater bemutterte. Ich habe aber nicht schlecht gestaunt als ich sag wohin sie ging. Wir Katzen haben ja schon eine sehr hohe Reproduktionsrate aber meine Futtermittelbehälteraufmacherin toppte alle. So viele Kinder, Respekt sage ich nur. Kein Wunder, dass sie alle auslagern musste, zu Hause wäre gar kein Platz gewesen. Ich brauche ja auch meine Ruhe


Es verging kein Tag wo ich nicht angerufen wurde, um Willi von irgendwoher abzuholen. Er liebte es Auto zu fahren und es schien ihm auch nichts auszumachen dass ich jedes Mal richtig sauer wurde. Wenn sie aus dem Krankenhaus anriefen sagten sie immer, Holen sie bitte Herrn Willi ab.



Das Leben besteht nicht nur aus Mäusefangen und andere Leute kratzen, sondern ein Kater von Welt will auch etwas erleben. Autofahren, das ist mein Hobby. Leider habe ich selbst zu kurze Beine, also muss ich andere Leute bitten mich da etwas zu unterstützen




Willi schlief selten zu Hause. Er hatte sich ein paar Familien in der Nachbarschaft ausgesucht, wo er ein - und ausging. Eines Tages stand ein Nachbar mit seiner weinenden Tochter vor meiner Haustür. Willi war in seinem Garten aufgetaucht und hatte den Hasen des kleinen Mädchens so gejagt, dass dieser vor Verzweiflung von der Terrasse gesprungen war und es nicht überlebt hatte.



Ja, ein schwarzer Tag in meinem Leben. Ein bedauerlicher Unfall, der Hase hatte behauptet, dass er es schafft da runter zu springen. Für Menschen stellt sich so etwas natürlich immer etwas anders dar.



Ab und zu koche ich abends vor. so auch an einem Abend , bevor sich Besuch angekündigt hatte. ich ließ das Geflügelgulasch auf dem Herd abkühlen und vergaß es wegzustellen. Am nächsten morgen kam ich in die Küche. Willi hatte den Deckel vom Topf genommen und hatte sich über das komplette Gulasch hergemacht. Ich lud die Gäste zum Essen ins Restaurant ein, weil ich auch nichts mehr kaufen konnte, da es Sonntag war.


Einer musste den Vorkoster machen und ich habe mich dieser verantwortungsvollen Aufgabe gestellt. Nicht auszudenken, wenn den Gästen schlecht geworden wäre. Das Zeug lag aber auch verdammt schwer im Magen.

Als er geimpft werden musste, packte ich ihn in einen Katzenkorb und fuhr mit ihm zum Tierarzt. Dort entwischte er mir aus der Box und ich machte mich mit der Arzthelferin auf die suche nach ihm. Da das nicht bei uns in der nähe ist, konnte ich davon ausgehen, dass er den weg nach Hause nicht finden würde. wir suchten stundenlang und fanden ihn schließlich in einem Altenheim, wo er es sich im Zimmer einer Bewohnerin bereits gemütlich gemacht hatte.



An dieser Stelle möchte ich einmal die Ausdauer meiner Mitarbeiterin lobend erwähnen. Mir wurde es schon etwas langweilig, da im Altenheim. Ich bin aber auch der Meinung, das jemand, der sich in den Dienst einer Katze stellt, auch etwas aushalten muss.



Willi fing alles was sich bewegte. Fette Spinnen, Tauben ,Ratten ,Vögel und natürlich Mäuse. Diese brachte er mehr oder weniger vollständig mit nach Hause oder dorthin, wo er sich gerade Zuhause fühlte. das Nachbarmädchen trat ein es morgens barfuss in die Überreste einer Maus, die Willi ihr vors Bett gelegt hatte. Deren Mutter rief mich ganz erbost an und meinte, dass ich dafür verantwortlich wäre, wenn ihre Tochter psychische Schäden erleiden würde.


Selber Schuld kann ich nur sagen. Ich teile gerne mit den Menschen. Die Tochter sollte die Maus auch nicht roh essen sondern hätte sie auch braten oder frittieren können. Was kann ich dafür, dass die Menschen so ideenlos sind?
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Gestern ein Zyniker und heute ein Philanthrop. Da sage doch jemand die Menschen seien nicht wandlungsfähig
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