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hinter geschlossenen türen
Wortdurchgangszimmer. Ja , wortwörtlich sind die Worte hindurchgehuscht. So schnell, das von ihnen nur noch ein Schweif übrigblieb, ein helle Spur, die wie in einem Nachthimmel die Kondensstreifen der Flugzeuge ins Dunkelblau abzeichnen... Langsam verblassen die Spuren ganz da oben, sie lösen sich auf, zerfransen und verlaufen und werden ein Teil von den Wolken, die man nie berühren kann.
Die Worte, die Phrasen, die ganzen Sätze oder die dahingeworfenen Abkürzungen, Links oder Smileys zerfransen ebenso in meinem Gedächtnis , denn sie laufen so schnell durchs Bild, sie sind so schnell widerrufbar und so schnell nicht mehr wahr- wie können sich da die Worte in mir verfangen, wie heimisch werden? Ich gebe zu, das mich manche Themen des Lebens irritieren, das sind so Situationen, die getrost an mir vorüber gehen könnten ...denn obwohl in wunderschöne Worte gefasst, können sie in ihrem Inhalt an mir wie die Flugzeuge vorbeifliegen, mit einem lauten Motorengebrumm, mit viel Staub, der von den Düsen aufgewirbelt wird und für einen Moment ganz sichtbar ist- aber zum anderen mir der Staub auch die Sicht vernebelt...Was kann ich da wohl am besten tun?
Prustend mir den Staub aus dem Gesicht wischen, mit den Händen um ich herumwirbeln, um die Nebelschwaden aus Staub besser zu verteilen?
Es ist gleichgültig, was ich mache, es ist egal, wie sehr ich mit den Händen durch die staubgeschwängerte Luft fahre - sie sind trotzdem da, diese Themen, diese Probleme, diese Flüchtigkeit von schnell Dahingesagten, was aber sich Wurzeln sucht, Luftwurzeln vielleicht , die sich festkrallen in mir und sei es nur für einen Moment...
Ich lese und schaue und sehe und höre , wie sich das Wort , das geschriebene, das gesprochene , so sehr verfremden lässt hinter Phrasen und Polemik, sogar hinter den Wiederholungen, das man hilflos und mit staunendem Blick sich selbst fragen muss: ist Schweigen tatsächlich Gold?
Da ich eher ein Mensch der Sprache bin, ein Mensch des Wortes , welches mir „versilbert“ ( Reden ist Silber) recht angenehm erscheint, ist es mir wichtig, das die Worte ein schönes Zuhause finden. Aber wo können solche Worte ein Zuhause finden, mit denen ich mich nicht behaglich fühle, die mich manchmal unvorbereitet treffen, das es mir vor Staunen den Mund offen stehen lässt...
Ich mag diese Worte nicht an mir, ich mag sie nicht mit mir in Verbindung gebracht wissen, und ich suche mir eine kleine Ecke im Zimmer meines Gedächtnisses, in der Hoffnung, das sie dort in Vergessenheit geraten.
Leider , leider ist das ein Trugschluss. Da fällt mir doch die Diskussion über die „Schubladen“ ein. Auch dort wurde verstaut und weggepackt.
Der Trugschluss ist der, das zwar im Moment alles aus den Augen und demzufolge aus dem Sinn ist- aber es ist eben ein Trugschluss. Bei der nächsten Gelegenheit guckt da so ein Zipfelchen ROT aus der Schublade und ich werde sie garantiert aufziehen ( menschliche Neugier) - und schon habe ich den Schlamassel... Alles ist wieder da! Ich sehe ROT und zwar überall!
Na ja, was will sie denn schon wieder sagen, diese Mar, das fragen sich sicher einige ...
Rot ist doch eine wundervolle Farbe zur Weihnachtszeit!
Jeder von uns hat Engelchen und Weihnachtsmänner, rot-grüne Gestecke und rote Bänder, Schleifen und Glaskugeln, rote Schlitten und rote, fellverbrämte Nikolausmäntel samt Nikolaus und Weihnachtselfen als Profilbild oder als kleine, durch Bild flitzende Überraschungen herzuzeigen.
Sogar Turgay scheint vom Rot angesteckt , hat er uns doch über viele Tage hinweg zwischen Rot und Blau wählen bzw., darüber diskutieren lassen. Esoterische Farbtheorien und psychologisch angehauchte Belehrungen über die wunderbare Kühle von Blau und die irritierende Wirkung von Lila wurden da gepostet...NEIN! Auf keinen Fall Rot bitte...! Fast jeder meinte die verheerende und subtile aufregende Wirkung von Rot auf das Gemüt...
Und nun?
Nun tanzt so mancher auf einem glühendroten Lavastrom aus Worten...
Auch Worte färben unser Leben. Auch die Asche, die übrigbleibt, hat eine Farbe.
So weit zum Rot. So weit zu den glühenden Wortdebatten .
Es ist morgen Advent . Ein rotes Kerzenlicht wird angezündet. Die Dämmerung verleitet uns zu flüstern. Die Worte werden leise und besinnlich.
Im flackernden Kerzenschein wird fast jeder zum Poet, das wissen wir ja ,
das man schöne Worte für besondere Situationen fast auf der Strasse findet...und man sie bewahren und hüten möchte und nur zu einem besonderen Anlass oder zu einer besonderen Person sagen mag.
Sie sind sie kleine Schätze, die golden-silber-rot verpackt einem geliebten Menschen überreicht werden. Geheimnisvoll und in aller Stille werden in den nächsten Tagen Weihnachtsgeschenke verpackt. Kinder lernen Gedichte über den Weihnachtsmann , es gibt erwartungsfrohe Gesichter und manche Ohren, die sich an geschlossenen Zimmertüren plattdrücken, weil man doch wenigstens etwas vom Geheimnis dahinter erhaschen möchte – wenigstens ein, zwei Bruchstücke von den Worten ,die da geflüstert werden...
Nur ein Tag im Jahr, an dem Vieles ganz bewusst und geheimnisvoll versteckt und gehütet wird.
Der Kondensstreifen des Flugzeuges am Himmel wird zum Schweif des Sternes von Betlehem und der Staub des Jahres, der sich auf dieses oder jenes Wort gelegt hat, flittert und glänzt plötzlich wie Goldstaub auf einer Weihnachtstanne...
Ich habe die Tür zum Wortzimmer geschlossen und das Schlüsselloch gut verklebt. Niemand kann durchs Schlüsselloch schauen, um herauszufinden , was sich dahinter verbirgt.
Wenn ich jetzt die Tür öffnen würde, dann würden die Worte aufwirbeln wie Staub. Diese Worte am Ende des Jahres würden sich eben genau diese erwähnten Luftwurzeln suchen, , und für flüchtige Momente den Anschein eines Haltes vorgaukeln.
Ich denke, ab und zu ist es gut, wenn die Türen mal verschlossen bleiben; wenn dahinter in aller Ruhe etwas anders als Staub „aufgewirbelt“ wird. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
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Zwischen thir un angel sol men kejn finger nit arajnschteken jidd. sprichwort
homemar und die TIPPS für Neueinsteiger
Geändert von mar (16.12.2006 um 08:34 Uhr).
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