Nürnberg: Gefährliche H5N1-Variante
Institut testet
tote Tiere positiv
Bei mindestens sechs der 14 in Nürnberg gefundenen toten Wildvögel ist die auch für Menschen gefährliche Variante des Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen worden. Das hat das nationale Referenzlabor des Friedrich-Löffler-Instituts herausgefunden.
Bei den betroffenen Tieren handelte es sich um fünf Schwäne und eine Gans. Bei drei weiteren verendeten Wildvögeln habe sich der Verdacht nicht bestätigt.
Die Stadt Nürnberg hatte bereits nach Bekanntwerden der ersten Verdachtsfälle am Samstag einen Sperrbezirk von vier Kilometern Radius um die betroffenen Gebiete eingerichtet. Dort dürfen zunächst in den kommenden 21 Tagen kein Geflügel oder andere Vögel mitgeführt werden, außerdem gilt in dem Gebiet Stallpflicht für Geflügel. Hunde- und Katzen dürfen im Sperrbezirk nicht frei umherlaufen. Darüber hinaus gilt eine Beobachtungszone mit einem Radius von zehn Kilometern.
Geldbußen drohen
Verstöße gegen diese Regelungen könnten mit Geldbußen geahndet werden, erklärte das Nürnberger Ordnungsamt. Die Ursache für die Virusinfizierung bei den Tieren war zunächst unklar. Der letzten Vogelgrippe-Fälle in Bayern wurden im April 2006 bekannt.
MEDIATHEK
Zunächst hatte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen bei sieben Tieren eine Infektion mit dem H5N1-Virus festgestellt. Dabei handelte es sich neben den Schwänen und der Wildente auch um eine Wildgans. Später wurden noch weitere infizierte Schwäne entdeckt.
Seehofer: Kinder aufklären
Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hat die Bürger aufgefordert, wegen der Rückkehr der Vogelgrippe nach Deutschland wachsam zu sein. "Das Virus ist nicht verschwunden, sondern in der Umwelt immer noch
präsent. Deshalb ist weiterhin Vorsicht geboten", sagte Seehofer in einem Interview des "Münchner Merkurs". Zu Panik oder Hysterie bestehe aber kein Anlass.
Der erneute Ausbruch der Vogelgrippe komme vom Zeitpunkt her überraschend, erklärte er. "Unsere Wissenschaftler haben immer darauf hingewiesen, dass das Virus unter Wildvögeln in Europa noch verbreitet sein könnte. Wie es nach Nürnberg kam, kann derzeit aber noch niemand erklären." Seehofer appellierte an die Bürger, sich von toten Vögeln fern zu halten. "Wichtig ist vor diesem Hintergrund auch die Aufklärung der Kinder", sagte er. Hunde müssen an der Leine geführt werden, Katzen sollten die Wohnungen beziehungsweise die eigenen Grundstücke nicht verlassen.
Erste Fälle Anfang 2006
In Bayern werden nach Angaben des Umweltministeriums regelmäßig verendete Vögel untersucht. Allein in diesem Jahr seien Proben von 544 Wildvögeln und 182 Hausgeflügeltieren genommen worden, im vergangenen Jahr seien es fast 10.000 Proben von Wildvögeln und knapp 1000 Stück Hausgeflügel gewesen.
Infobox
Stichwort: Vogelgrippe
Die Vogelgrippe (Aviäre Influenza) ist eine schwere und hoch ansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Für die meisten Tiere führt die Krankheit innerhalb weniger Tage zum Tod. Der besonders aggressive Virenstamm H5N1 ist auch von infizierten Vögeln auf den Menschen übertragbar.
Übertragen wird die Seuche durch direkten Kontakt mit infizierten Vögeln beziehungsweise deren Kot, Speichel und Augenflüssigkeit. Gefährlich ist auch der Kontakt mit infiziertem Material. Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist drei bis 14 Tage.
Menschen können sich bislang nur schwer mit der Vogelgrippe infizieren. Der H5N1-Virus gilt jedoch als schnell veränderbar. Mediziner sind besorgt, dass der Erreger so stark mutieren könnte, dass sich Menschen untereinander auch massenhaft anstecken könnten.
In Deutschland war erstmals Mitte Februar 2006 das Vogelgrippe-Virus festgestellt worden: bei zwei Schwänen auf der Insel Rügen. Bundesweit wurden vergangenes Jahr 344 Wildvögel sowie drei Katzen und ein Steinmarder als Träger von H5N1-Viren ausgemacht. Die Entdeckung hatte für Unruhe in Teilen der Bevölkerung gesorgt. Dabei betonen aber sowohl das Friedrich-Loeffler-Institut als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass es sich bei der Vogelgrippe um eine Tierseuche handele, die nur unter ganz besonderen Umständen auf den Menschen überspringen könne. Und diese Voraussetzungen, unter anderem der enge alltägliche Kontakt zwischen Mensch und infizierten Tieren, seien in Deutschland nicht gegeben.
Quelle: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/31/0,3672,5558047,00.html