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Alt 11.11.2007, 22:06
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Überleben als Schandtat

In einem anderen Land hätte man sie gefeiert: Acht türkische Soldaten, die am 21. Oktober im Südosten des Landes bei einem Gefecht mit der PKK in Gefangenschaft geraten waren, wurden vor einer Woche von den Kurdenrebellen freigelassen. Doch sie kommen vor Gericht.

In der Türkei warteten auf die Befreiten keine Blumensträuße, sondern Vorwürfe und Verdächtigungen. „Das sind doch Soldaten, warum haben die denn nichts gemacht? Die sind einfach mit denen mitgegangen. Wozu haben die denn Gewehre?“ So entrüstet sich der 40-jährige Istanbuler Selahattin Aydin, und er sieht den Grund für das angeblich feige Verhalten der Soldaten im Verrat: „Mindestens sechs von denen gehören doch zur PKK.“

Nicht nur auf den Straßen wird so über die jungen Männer geredet, die in einem der schwersten Gefechte mit der PKK in den letzten Jahren in Gefangenschaft geraten waren – zwölf ihrer Kameraden starben bei dem Überfall der Rebellen auf einen Militärkonvoi, weitere 16 wurden verletzt. Statt zu ihren Familien heimkehren zu dürfen, wurden die acht Soldaten vom Militärstaatsanwalt festgehalten und schließlich inhaftiert: Ein Militärgericht in Van erließ am Sonntagabend Haftbefehl gegen alle acht Rückkehrer, die sich nun wegen Diszipinlosigkeit, Befehlsverweigerung und unerlaubter Ausreise aus der Türkei vor dem Militärrichter verantworten sollen.

Eine neue Dimension hat die Debatte bereits, seit Justizminister Mehmet Ali Sahin zu Protokoll gab, er könne sich nicht recht über die Freilassung freuen: Kein türkischer Soldat dürfe seiner Meinung nach in die Lage kommen, von der PKK gefangengenommen zu werden. Dass ein Minister der Regierung öffentlich andeutet, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn die acht Soldaten getötet worden wären, verschlug selbst in der wegen der Nordirakkrise nationalistisch aufgeheizten Stimmung in der Türkei vielen die Sprache.

Die Mutter eines der acht Soldaten kritisierte Sahin mit den Worten, sie ertrage es nicht, dass der Minister die Ehre ihrer Familie beschmutze, nur weil ihr Sohn noch am Leben sei. Zudem erinnerte die Frau daran, dass alle Türken für das Wohl der Gefangenen gebetet hätten – „alle, bis auf einen“: den Minister.

Sahins provozierender Kommentar rief sogar die Vertreter des türkischen Reformlagers auf den Plan, von denen in der Debatte für und gegen einen Einmarsch der türkischen Armee in den Nordirak in jüngster Zeit nur wenig zu hören gewesen war. Die „Jungen Zivilisten“, eine Gruppe reformorientierter Intellektueller mit einem Hang zur politischen Satire, warfen in einer öffentlichen Anfrage an Sahins Ministerium die Frage auf, ob der Justizminister an einem pathologischen Krankheitsbild der Todessehnsucht leide. Und die Kolumnistin Nazli Ilicak schrieb: „Bei aller Wut auf die PKK sollten wir unsere Menschlichkeit nicht vergessen.“
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  #2 (Permalink)  
Alt 11.11.2007, 22:11
Anouk
 
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AW: Überleben als Schandtat

Hi,

man liest's, wundert sich und kann nur den Kopf schütteln.

Trotzdem: kannst Du bitte mal dazu posten, aus welcher Quelle der Text stammt? Oder ist er von Dir?, fragt sich und Dich

Anouk
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  #3 (Permalink)  
Alt 11.11.2007, 22:24
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AW: Überleben als Schandtat

Ich will mich gar nicht großartig in politische Diskussionen verwickeln, aber das Thema "türkisches Militär" ist für mich einfach nur unbegreiflich, schockierend und nicht nachvollziehbar!!
__________________
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  #4 (Permalink)  
Alt 11.11.2007, 23:11
Hediye
 
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AW: Überleben als Schandtat

Zitat:
Zitat von Lady Yumus Beitrag anzeigen
Ich will mich gar nicht großartig in politische Diskussionen verwickeln, aber das Thema "türkisches Militär" ist für mich einfach nur unbegreiflich, schockierend und nicht nachvollziehbar!!
Natürlich ist das Ganze nachvollziehbar...Allerdings von beiden Seiten, jedoch sitzt das türkische Militär am längeren Hebel und nicht die Menschlichkeit...Wenn die Jungs wirklich Befehle nicht ausgeführt haben sollten und man ihnen das nachweisen kann oder dergleichen, dann werden sie auch vor ein Militärgericht kommen...Das ist kein unübliches Verfahren beim Militär, dass man dem Ganzen nachgeht usw...
Für uns erscheint dies jedoch herzlos, was ich auch wiederum verstehen kann und im Grunde tun sie mir auch Leid...erst werden sie gekidnappt und dann müssen sie auch danach noch so viel mitmachen..
Und auch die Familien der Soldaten erhalten da mein Mitgefühl
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  #5 (Permalink)  
Alt 11.11.2007, 23:53
--Han
 
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AW: Überleben als Schandtat

ja sehr einseitiger beitrag, danke ;)

die 12 Kamaraden die starben und die 16 Verletzten waren jeden tag im TV zu sehen. ich habe mich selber auch gefragt wieso NIEMAND über die 8 vermissten was sagt. anscheinend jedem das was er verdient.

die wahrheit ist, sie wurden wahrscheinlich "gekidnappt" und das gehört vor gericht! erst dann fällt das urteil, was du in deinem beitrag auch gerne berücksichtigen darfst.

einfach nur ganz UNTERSTES Niveau, was ich gesehen habe in welchen kreisen diese 8 Verräter in ihrer Vergangenheit verkehrt haben, aber wie gesagt erst das urteil abwarten.

Geändert von --Han (12.11.2007 um 00:10 Uhr).
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  #6 (Permalink)  
Alt 12.11.2007, 00:03
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AW: Überleben als Schandtat

Der Tagesspiegel lässt grüßen, eine Quellenangabe wäre manchmal sinnvoll.
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  #7 (Permalink)  
Alt 12.11.2007, 00:21
--Han
 
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AW: Überleben als Schandtat

Zitat:
Zitat von -ICH- Beitrag anzeigen
In einem anderen Land hätte man sie gefeiert....
Du willst uns doch nicht erklären wollen, dass gerade die Türkei seine Soldaten zu wenig feiert.

Zitat:
Zitat von Lalezar2006 Beitrag anzeigen
Der Tagesspiegel lässt grüßen, eine Quellenangabe wäre manchmal sinnvoll.
das ist halt manchmal unangenehm, roj und andere agenturen nimmt man nicht gerne in den mund.
zudem, nicht jede quelle ist kompetent genug.
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  #8 (Permalink)  
Alt 12.11.2007, 11:40
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AW: Überleben als Schandtat

man hätte sich eher gewünscht, das diese 8 soldaten tod wären....das ist wirklich das dümmste, was ich je in meinem leben von der türkei gehört habe.

übrigens man hat diese 8 verschleppten geiseln im türkischen fernsehen nicht gezeigt, weil man wusste, das es ihnen gut geht und genau das wollte die türkei nicht. der türkische staat hätte lieber gesehen, das die pkk diese soldaten misshandelt und umbringt. das ist jedoch nicht so gelaufen, man hat sie gut behandelt und das hat die türkei zum austicken gebracht.
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  #9 (Permalink)  
Alt 12.11.2007, 12:42
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AW: Überleben als Schandtat

Nach dieser Quelle sagte Justice Minister Mehmet Ali Şahin, er sei nicht sehr erfreut über die Freilassung der Soldaten, er könne nicht verstehen, dass sie mit den Terroristen mitgegangen seien.
http://www.turkishdailynews.com.tr/a...?enewsid=88383

Ich bin der Meinung, so etwas könnte die Truppe demoralisieren. Solch ein Minister sollte sich entschuldigen und seinen Hut nehmen.

Weiter wird angesprochen, dass 2 Soltaten in den Medien verdächtigt wurden, Maulwürfe zu sein und mit den Terroristen collboriert hätten. General Yaşar Büyükanıt wies solche Behauptungen als unangebracht zurück.
__________________
Im Osten geht der (Halb)mond auf.
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