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Gedichte und Geschichten - siir ve hikaye Gedichte und Geschichten. Wer liest sie nicht gerne.
siir ve hikaye

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  #11 (Permalink)  
Alt 26.03.2007, 12:58
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frei sein


meine seele ist
wie eine zwiebel,
gemacht aus
unzähligen schichten
im wechsel
von liebe und hass
von vertrauen und verrat
von licht und dunkel...

lange redete ich mir ein,
dass die eine seite gut sei
und die andere schlecht
und prompt sah ich mich
selbst mir widersprechen
und hielt die andere seite
für wahrer und echter...

aus liebe machte ich hass,
aus vertrauen ein scherbenhaufen
aus wissen unwissbarkeit
aus wahrheit eine lüge..

dann erhob ich die lüge
zu der wahrheit,
das wissen über gefühle
das leid war nun mein begleiter
und freunde definierte ich als feinde...

eine weile lebte ich dies,
dann das gegenteil,
und wieder das gegenteil
und das gegenteil erschlug mich,
zerriss mich in tausend stücke...
bis ich nicht mehr wusste,
wer ich wirklich war...

nun ist mir beides einerlei,
der freund ist meine feind
und der feind ist mein freund...
die ausgedrückte liebe
kommt dem hasse gleich
und der hass ist ein ausdruck
von tiefer liebe...
vertrauen baue ich nun auf
aus verrat
und meine lüge enthält
die gleiche menge wahrheit,
wie sie wahrheit eine lüge ist...

wenn ich schlage, schlage ich.
wenn ich schreie, schreie ich.
wenn ich liebe, liebe ich.
wenn ich spreche, spreche ich
wenn ich lüge, lüge ich.
...
und nichts davon ist
weder "gut" noch "schlecht",
weder "besser" noch "schlechter",
weder "vernünftig" noch "verrückt"...

es ist, wie es ist.
ich bin, wie ich bin.

ich bin der,
der ich bin!
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  #12 (Permalink)  
Alt 27.03.2007, 22:44
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AW: Lyrik -Theta

ein brief

von einer schweigenden seele,
innerlich aufgewühlt...

nichts mehr findet in dieser welt
als nur monotonie gepaart mit apathie...

kein ziel, kein wunsch,
bar jegliches ich-selbst-seins

normale worte mich erdrücken,
höffliches geschwätz mich erstickt,
verschleimte freundlichkeit
mein lebenselexier nimmt....

in zarten und rauhen worthülsen
möchte ich mich verlieren...
möchte sein ein dichter,
ein poet, ein könig...
ein gott meiner eigenen wirklichkeit...
möchte jene in die schranken weisen,
die meine lebenskraft mir nehmen...
möchte in mir die liebe wieder spüren,
die ich doch in wirklichkeit bin...

wo habe ich sie nur verloren,
wo ist meine jugend hin?

dornen! aus dornen besteht
mein lebensweg, sie mir
tiefe wunden in fleisch
und knochen hinterlassen....

zu viel leid, zu viel seelosigkeit,
zu oft in falsche ziele verfangen,
zu feige, um dies mir einzugestehen....

glaube weder an das leben nun,
noch an den tod, weder an gott
noch an den teufel....

jede illussion ich mir selber nehme,
keine hoffnung mehr spüre,
insgeheim doch einen wink
von veränderung erwarte...
dass die dinge nicht mehr so sind,
wie sie sind... oder sie mir
anders erscheinen mögen...

möchte meine ketten sprengen,
möchte aus meinem eigenen kerker entfliehen...
möchte hinaus in die weite,


möchte möchte möchte...


und da ist sie wieder das worte,
das mich in die nächste umzäunung führt...

nichts bin ich und doch alles...
alles ist in mir,
alles weiß ich
und tue nur so,
als ob mir was fehle...

ich träume mir eine welt voll lügen,
sie mir nun fad und trocken schmeckt...

müde bin ich geworden,
müde und alt
vom suchen nach mir selbst...

im kreise bin ich gelaufen,
meinem eigenen schatten hinterher...

reden... menschen wollen reden,
worüber reden sie denn so wichtiges?

vom wetter reden sie,
von sport und vom essen,
von liebe und hass
von ihren selbst erfundenen
problemchen reden sie
ach so gern...

ich bin es leid
mir dies noch länger anzutun...
möchte drum schweigen
und nur mit meinen
eigenen gedanken
alleine sein...

und in frieden in mir ruhen
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  #13 (Permalink)  
Alt 28.03.2007, 12:52
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AW: Lyrik -Theta

angst



da steht sie

im raum:

die angst,

nackt und allein...

schämt sich

ihrer eigenart...

schweigt still

in sich hinein

jede annäherung

ihr ein gräul

jammert nur

und windet sich

am liebsten

versteckt hät sie sich...

vor jedermann


ich bleibe dran,

red' auf sie ein...

bedränge sie

langsam gegen

die eigenen schranken

heran....


und ach, siehe da,

aus angst

wird traurigkeit

nun heult die angst!


was für ein phänomen!


bleibe weiter

in vollkontakt

rede weiter

auf sie ein...


nun verschwindet

wie ein wunder

ihre trauer

und wandelt sich

in brausende wut

und schlägt auf mich ein...


was mich nicht berührt...

quassle weiter auf sie ein

sie nun nicht mehr wütend ist!

wie kann das nur sein,

jetzt spürt sie langeweile

mir entgegen...

wendet sich von mir

desinteressiert ab....



was mich nicht weiter stört,

laufe eifrig hinter ihr her

und ströme weiter

in ihre richtung


sie nun meiner

sturrheit

nun lachen muss!


jetzt nun entdlich

können wir die enge

verlassen

und laufen hand in hand

über berg und tal

an den weisen knospen

des frühlings,

sommers,

des bunten herbsteslaub

in die weissen flitterwochen

hinein.....
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  #14 (Permalink)  
Alt 01.04.2007, 11:38
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AW: Lyrik -Theta

ein menü für dich
passend zur jahreszeit


glockenblütensalat,
sanft überbedeckt
mit warmer himbeersosse
und einer grossen kugel vanilleneis
das wartet geduldig am rande des tellers
auf deine sinnlichen lippen nur

als erquiqung dazu:
das frisch gepresste saft
lebendiger blutorgangen
mit einem schuss votka,
und das hohe glas
in mehreren schichten aufgefüllt
mit bananensaft und waldmeister

die orangenschalen meisterlich
arrangiert zu tanzend,
duftendem altar,
die deine gefühle emporwalen suchen
und verlocken
dich dem mahl hinzugeben

rosenblätter führen deine hände
wie zauberei
beidseitig zu speisse und getränk

als hauptgang
gesellt dich dir eine hummel,
die sich dir mit freuden aufopfert


als begleitung
ein zurückhaltender charmeur
mit excellent englischem Benimm

eine dezentes trio
mit klavier, kontrabass und geige
spielen sanfte klänge nur


als nachtisch
ein kuss von mir
oder mouse au chocolat



bon appetit
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