|
Kleine Geschichte von der Sehnsucht oder besser: Frauen können ja so beknackt sein
Gestern morgen rief mich meine beste Freundin an.
- Du musst mal raus. Lass uns zusammen was unternehmen.
- Och nö, ich bin irgendwie nicht gut drauf.
- Ja, eben drum. Ich weiß, dass du ihn vermisst. Aber vom zuhause rumsitzen wird es auch nicht besser. Und wir beide unternehmen kaum noch was zusammen. Lass uns einfach in die Stadt fahren. Es wird dir total gut tun, wenn du mal ein paar Stunden nicht an ihn denkst.
- Na gut, hast ja recht. Hol mich in einer halben Stunde ab.
Hätte ich mich bloß nicht überreden lassen. Vielleicht ruft er ja an. Oder kommt womöglich doch spontan vorbei. Na ja, zu spät. Da kam sie auch schon und wir fuhren in die Stadt. Bin ja auch immer gerne mit ihr zusammen. Sie hat es echt drauf, einen abzulenken und zum Lachen zu bringen. Da es schon Mittag war, gingen wir als erstes eine Kleinigkeit essen. Wir entschieden uns für Fisch, die Beilagen konnte man sich aussuchen.
- Nimmst du auch wieder Reis? Der schmeckt dir doch immer so gut hier.
- Nein, heute ist mir eigentlich mehr nach Kartoffeln.
Ich weiß, dass du gerne Kartoffeln isst.
- Heute ist irgendwie so eine komische Luft. Ich glaube, ich muss eine Cola trinken. Du ja sowieso, wie immer, stimmt's?
Was für ein absurder Gedanke. Ich trank selbstverständlich Wasser, so wie du das auch tust.
Nach dem Essen gingen wir shoppen. Es gab süße Shirts im Angebot. Alle Farben waren noch da. Welches sollte ich nehmen?
- Nimm das schwarze, sieht super aus, jetzt wo du so schön braun bist.
Ich nahm natürlich das weiße. Du bist ja auch schön braun, von Natur aus. Und du trägst eigentlich immer weiße Oberteile.
Anschließend gingen wir noch in die große Parfümerie, die mit D... beginnt. Schon im Eingang kam uns eine junge Frau entgegen, die einen Promotion-Stand betreute. Sie sollte uns einen neuen Duft präsentieren. Ja, roch nicht schlecht.
- Darf ich Ihnen einen von unseren Puscheln damit einsprühen und mitgeben? Dann können Sie den Duft auch noch zuhause genießen.
Ich strahlte über das ganze Gesicht und hörte mich sagen:
- Ja gerne. Aber bitte nicht mit diesem Duft. Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ich mit meinem Puschel kurz zu den Herrendüften rüber gehe?
Meine Freundin und die junge Frau sahen sich vielsagend an...
Wir shoppten trotzdem weiter und hatten uns irgendwann eine Pause verdient. Ein kleines Café wurde angesteuert. Der Kellner kam und meine Freundin bestellte in alter Gewohnheit
- zwei Kännchen Tee, bitte.
- Äh, entschuldigen Sie, aber ich hätte doch lieber Kaffee.
Ja, wusste sie denn nicht, dass du keinen Tee magst?
Der Tag neigte sich dem Ende und wir fuhren nach Hause. Meine Freundin erzählte mir im Auto gerade von dem stressigen Auftrag, der ihr letzte Woche jeden Nerv geraubt hatte, als im Radio unser Lied kam.
- Du erlaubst doch?
Und schon drehte ich den Lautstärkeregler bis zum Anschlag hoch.
Als wir vor meiner Haustür ankamen, hatte ich es sehr eilig mich zu verabschieden. Nur noch 5 Minuten, dann sollte im Fernsehen eine Dokumentation über deine Heimat anfangen. Als ich in die Wohnung kam, erschlug mich die Stille geradezu. Ich fühlte mich plötzlich wieder so schrecklich einsam und allein. Da piepte plötzlich mein Handy. Ich stürmte in den Flur, um es aus meiner Tasche zu reißen. Bestimmt eine Nachricht von dir. Es war von meiner Freundin.
- Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag mit ihm...
Schäm!
__________________
Ihr lacht über mich, weil ich anders bin...ich lache über euch, weil ihr alle gleich seid.
|