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Identitas/Wesenseinheit Identität entsteht aus situativer Erfahrung.
Wer/Was/Wie bin ich?

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  #11 (Permalink)  
Alt 15.12.2007, 19:03
icerimabi
 
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AW: Armut

jeder ist seines schicksals schmied.
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  #12 (Permalink)  
Alt 17.12.2007, 12:13
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AW: Armut in Deutschland

Zitat:
"jeder ist seines schicksals schmied."
Dann nicht mehr, wenn beispielsweise
Dein Partner erkrankt, arbeitslos wird und Du ganz schnell bei Harts IV landest, weil Dein eigenes Gehalt nicht zum Leben reicht
ODER
Dir gekündigt wird und Du schon 50 bist ...
da kannst Du nämlich nicht schmieden was Du willst!

Zitat:
"Die Arbeitgeber haben die Macht..."
ich würde es Kapitalismus nennen, denn das Ziel der Arbeitgeber ist es = mit so wenig Einsatz wie möglich soviel Gewinn wie möglich zu erwirtschaften. Und dies gilt für Frankreich als auch für Deutschland oder sonstwo. Die Ressourcen können im Zuge der Globalisierung immer weiter ausgeschöpft werden.

Somit brauchen Unternehmen nicht auf billige trotzdem teuere EU-Arbeitskräfte - egal woher sie kommen - zu warten. Denn trotz immenser Kosten scheuen Unternehmen nicht davor zurück, Standorte in andere Ländern zu verlegen, denn es lohnt sich.

Ist es ein typisch deutsches oder französisches Problem? Wurde es von Deutschland oder Frankreich verursacht?
Kann von einem Unternehmen in dieser Zeit Sozialverantwortung erwartet werden? NEIN!

Derzeit lebe ich in Deutschland und sehe die sogenannten "Minijobs" und "Personalvermittlungsunternehmen" und folglich Menschen, die dann so wenig verdienen, das sie vom Staat unterstützt und somit ihre Unternehmen subventioniert werden.
Menschen, die lieber arbeitslos sind als Freiberufler, weil sie sich vor Problemen scheuen, da sie ihren Status als Freiberufler bei nur einem Kunden verlieren könnten.
Menschen, die Arbeitsplätze schaffen könnten, jedoch als Kleinunternehmer erst mal die Steuerberaterkosten (vom u.U. mehrere Tausend EUR) erwirtschaften müßten (das Steuer-System ist nämlich nicht durchschaubar) und davor abschrecken.
Frauen, die als alleinerziehende Verkäuferin einen Verdienst unter dem Hartz IV-Satz in Kauf nehmen würden, jedoch ihre kleinen Kinder nicht unterbringen können.

Das System verführt doch immer mehr zur "Schwarzarbeit". Und immer mehr wird die Zahl an unqualifizierten Menschen - da keine Ausbildung; mehrjährige Berufsabstinenz wegen Arbeitslosigkeit oder wegen Jobs, die nichts mit dem erlenten Beruf zu tuen haben. Deutschland verliert das, was eigentlich seinen Weltruf begründete = qualifiziert Mitarbeiter, qualitativ hochwertige Produkte. Berufliche Qualifizierung kostet Geld, was man nicht investieren kann als Normalverdiener und schon gar nicht als Arbeitsloser. Der "Ehrliche Bürger" mutiert immer mehr zum "Dummen Bürger".

Derzeit noch blöken wir und tuen sonst nichts. Gibt es sowas ähnliches wie einen Verein für die Interessen des "Otto-Normalverbrauchers", der das Menschsein als Lobby unterstützen und für mehr Gehör sorgen kann?

Jedoch spätestens dann, wenn weltweit die Schere auseinander klafft, wird es kollabieren = keine Gewinne = kein Markt.

Geändert von ernamueller (17.12.2007 um 12:15 Uhr).
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sdost (17.12.2007), siksara (21.05.2008)
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  #13 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 08:14
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AW: Armut in Deutschland

Weil die Politik keine Erfolge in Sachen Armutsbekämpfung hat, werden sie mit Statistiken herbeigerechnet.
Arbeitsminister Scholz (SPD) präsentiert geschönte Statistiken:
http://www.ftd.de/politik/deutschland/358199.html?p=1
http://www.ftd.de/politik/deutschland/358199.html?p=2
Es geht um das Jahr 2005 (Regierungzeit SPD/Grüne)
Es gibt 2 Statistiken, eine des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die bei vorherigen Berichten Grundlage war und eine Statistik von der EU, die mit schöneren Zahlen einherkommt.

So gibt es nach der EU nur 13 % nicht 18 % Armut
und 12% statt 26% Kinderarmut.

Im Grunde hätte der Arbeitsminister auf die hohen Unterschiede eingehen müssen, warum die Zahlen so unterschiedlich sind.

So ist das ganze Pipifax!
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  #14 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 10:07
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AW: Armut in Deutschland

Es gibt mehr Armut, das stimmt schon, aber es gibt auch immer mehr Reiche. Den Mittelstand gibt es fast nicht mehr.......das ist das schlimme.

Ich kenne auch genug Familien, die 3 mal im Jahr in Urlaub fahren, trotz der Benzinpreise, und obwohl sie ständig jammern, wie wenig Geld sie haben.
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  #15 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 17:49
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AW: Armut in Deutschland

Sind wir nicht auch selber ein wenig Schuld an dieser Lage? Wir wollen doch selbst immer alles so billig wie möglich einkaufen. T-Shirts für 5€ bei H&M, ein Brot für 0,20€ und am liebsten ein Auto für 1000€ oder das neueste Handy für einen Zehner.
So billig kann man nun mal nur im Ausland produzieren und solange die Kunden nicht bereit sind mehr zu bezahlen wird das auch so bleiben. Wir schmeissen doch andauernd alles weg und kaufen was neues. Wer lässt heute schon seine Schuhe noch flicken? Diese Wegwerfgesellschaft in der wir leben leistet auch einen Beitrag.

So wie ich die Entwicklung in Deutschland verfolge denke ich das es in Zukunft immer öfter passieren wird, das Menschen zwar arbeiten aber nicht davon leben können.
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  #16 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 18:59
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AW: Armut in Deutschland

Zitat:
Zitat von siduri Beitrag anzeigen
Sind wir nicht auch selber ein wenig Schuld an dieser Lage? Wir wollen doch selbst immer alles so billig wie möglich einkaufen. T-Shirts für 5€ bei H&M, ein Brot für 0,20€ und am liebsten ein Auto für 1000€ oder das neueste Handy für einen Zehner.
Auf der anderen Seite gibt es den Boom bei Bio-Lebensmitteln. Die Leute sind bereit dafür mehr zu zahlen und möglichst Produkte aus der Region vorzufinden.
Und was ist mit den ganzen Luxusschlitten, Geländewagen für die Stadt, aufgemotzte und tiefergelegte Kisten, dafür geben viele ne Menge Geld her.

Und die Telefone aus deutscher Produktion sind eben nicht nur besonders teuer, sondern auch veraltet. Siemens versucht diese Sparte los zu werden. Die habens echt verschlafen. Und Hagenuk aus Norddeutschland, das war nach 2 Jahren im Eimer, erst eins, dann zwei, dann alle drei.
Das Model gabs nicht mehr. Dann hab ich mir wieder Siemens Gigaset gekauft und hab richtig Geld bezahlt.
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  #17 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 19:51
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AW: Armut in Deutschland

Mir kommt es vor, als habe sich das Problem besonders verschärft, nachdem in den 90er Jahren viele Firmen an die Börse gegangen sind.
Da muss der Gewinn für den Aktionär erwirtschaftet werden, nicht nur für die Firma, also noch viel höher ausfallen. Klar werden dann alle entlassen, die man nur irgendwie streichen kann. (Z.B. beim Service für den Kunden, der jetzt alles im Internet selber machen darf/muss)
Seitdem ist besonders auffällig, dass man nur mit Arbeit finanziell nicht mehr gut auskommt, sondern Vermögen (und sei es nur kleines) nur erwerben kann, wenn Geld schon da ist.
Und wer genug hat, kann es in die Schweiz schaffen, wo dann auch keine Steuern mehr anfallen. Sozialversicherungbeiträge schon gar nicht.
Das ist zwar trivial, aber: wer schon mal Monopoly gespielt hat, hat den Mechanismus gesehen. Geld kommt zu Geld.
Seit ungefähr 10-15 Jahren gilt auch nicht mehr die alte Regel "geht´s der Wirtschaft gut, geht´s den Leuten auch gut", deswegen verstehe ich auch die Zugeständnisse der Regierung der Industrie gegenüber nicht.
Angeblich hat die Politik ja einen Linksruck vollzogen, aber was heute als links gilt, da kann ich echt nur lachen.
Reich und arm ohne was dazwischen, das gibt´s in Lateinamerika. Da entwickeln wir uns gerade hin.
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  #18 (Permalink)  
Alt 21.05.2008, 22:04
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AW: Armut in Deutschland

Ein Abwärtstrend und die Polarisierung der Wohlstandsverhältnisse sind zweifellos belegbare Entwicklungen. Die Frage ist nur, wie man sie erklärt und wie man zu ihnen steht.

Ich glaube nicht, dass sich die gegenwärtigen Verhältnissen mit der Eigenschaft von Aktiengesellschaften hinreichend erklären lassen. Was nun bei den Bürgern in Deutschland ankommt, ist die Tatsache, dass wir weltweit mit Menschen in unmittelbarer Konkurrenz stehen, deren Ansprüche und persönlichen Bedürfnisse verglichen mit unseren gleich null sind. Die Finanz- und vor allem die Logistikbranche haben sich massiv verändert, und natürliche Barrieren zwischen den Märkten nahezu aufgehoben.
Paradox ist, dass hierfür beträchtliche Investitionen aus den reichen Staaten getätigt wurden. Unter dem Druck der Konsumgesellschaften und in dem Streben, Güter möglichst billig aus dem Ausland einzuführen, hat man sich das Problem selbst geschaffen. Man hat nicht bedacht - bzw. der eigendynamische Markt konnte nicht bedenken, dass es auch dort wächst, wo man gießt, und man steht nun einer selbst subventionierten Konkurrenz gegenüber.

Wenn man nach Asien blickt und sich bewusst macht, dass 2 Milliarden Menschen durch ihre bloße Zahl praktisch den globalen Durchschnitt an Produktivität und Genügsamkeit definieren, wird deutlich, dass eine Stagnation oder gar ein Schrumpfen des heimischen Wohlstandes keineswegs unnatürlich ist.
Und hier, finde ich, ist die Wahrnehmung hierzulande auch noch deutlich verzerrt.
Die Deutschen haben über viele Jahre den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit fortentwickelt zu der Vorstellung, Wachstum müsste in dem geringst möglichen Spektrum stattfinden. Keine Frage, es gibt Bereiche, wo das für den sozialen Frieden erforderlich ist. Jedoch wird es auch auf andere Bereiche ungerechtfertigt angewandt. Ein Beispiel ist der Usus, die finanziellen Möglichkeiten aus staatlicher Unterstützung wie dem ALG 2 mit denen aus Erwerbstätigkeit zu vergleichen. Das dokumentiert die fehlende Einsicht über den Sinn und Grenzen eines sozialen Ausgleichs, die in der Sicherung des Existenzminimums liegen.
Darüber hinaus wird nur noch Individualwohlstand, der eigene Konsum, als Wohlstand überhaupt wahrgenommen. Dass dieser jedoch zu einem guten Teil auch in gemeinschaftlich finanzierter Infrastruktur steckt, wird ignoriert oder als selbstverständlich betrachtet.
Dann könnte man noch einige sehr subjektive Eindrücke anführen. Beobachtungen, die nahe legen, dass die tatsächliche "Armut" in Deutschland weit geringer ist als die statistisch ermittelten Werte. Es gibt sonst nicht viele Länder, in denen E-Klasse und 5er-BMW das Straßenbild beherrschen. Viele Jugendliche sind von ihren Konsummöglichkeiten schon so gelangweilt, dass kein Reiz mehr besteht, zu lernen um sich eines Tages etwas leisten zu können.

Ich sehe das Problem nicht in erster Linie im objektiven Grad des Abschwunges sondern darin, dass wir aus einer im globalen Vergleich unglaublichen Saturiertheit heraus ins kalte Wasser geworfen werden.
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  #19 (Permalink)  
Alt 23.05.2008, 11:57
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AW: Armut in Deutschland

Das Thema wurde gestern um eine äußerst harmonische Diskussion bei Maybrit Illner bereichert: http://www.spiegel.de/kultur/gesells...554939,00.html
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  #20 (Permalink)  
Alt 23.05.2008, 16:07
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Cool AW: Armut in Deutschland

Also, Abgeordnete sollten ja nicht unbedingt ehrenamtlich (d.h. ohne Bezahlung) arbeiten, und wie jeder Facharbeiter, sollten sie auch ihre Spesen abrechnen dürfen.
Aber Spenden an die eigene Partei gehören verboten und Nebentätigkeiten stark eingeschränkt.
Ansonsten Hartz IV für alle.
Dann käme die Entbürokratisierung endlich voran.
Und keine hohen Pensionen, wenn sie nach 2 Legislaturprioden aufhören, können sie ruhig einen Job bei der Müllabfuhr annehmen, natürlich nicht als Vorstand, sondern auf dem Bock.
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Geändert von alterali (23.05.2008 um 16:10 Uhr).
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