Identitas/Wesenseinheit Identität entsteht aus situativer Erfahrung. Wer/Was/Wie bin ich? |

21.03.2008, 10:48
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Mr. Turkish Talk 2008
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Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Mustafa Kemal Atatürk ("Vater der Türken") war erster Präsident der Republik Türkei, ohne ihm gäbe es die heutige Türkei mit seinen Staatsgrenzen nicht. Nach der türkischen Niederlage im 1. Weltkrieg als Verbündeter der Deutschen, wurde Ostthrakien und Teile der Ägäis den Griechen zugesprochen. Mittelmeergebiete den Italienern, Südosten an Frankreich. Istanbul stand unter britischer, französischer und russischer Kontrolle. Wie er große Teile des Landes gegen einen übermächtigen Gegner zurückerobern konnte, bleibt für mich ein Rätsel.
Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild der westlichen Zivilisation zu modernisieren
Die 6 Prinzipien des Kemalismus: - Nationalbewußtsein als Wendung gegen einen Vielvölkerstaat des osmanischen Zuschnitts.
- Laizismus: Klare Trennung zwischen Staat und Religion
- Republikanisches System: Abschaffung des Kalifats und Gründung der türkischen Republik
- Etatismus: Lenkung des Wirtschaftssystems durch den Staat
- Reformierung: Modernisierung des Staates
- Populismus: bei Atatürk nicht der Populismus im heute gebräuchlichen Sinne gemint, sondern das Konzept einer klassenübergreifenden gesellschaftlichen Kooperation, wie zum Besipiel die Übernahme des schweizerischen Zivilgesetzbuches. Dieser sollte dazu beitragen, das Volk für den Aufbau eines modernen Staates zu mobilisieren. Seinen Ausdruck fand er unter anderem in der rechtlichen Gleichstellung der Frau.
- Am 2. September 1925 wurde das Tragen religiöser Trachten wie Pluderhosen und Turbane verboten. Ausgenommen waren nur islamische Geistliche bei der Verrichtung ihres Amtes in der Moschee oder bei Beerdigungen.
- Mustafa Kemal ließ die arabische Schrift durch das lateinische Alphabet ersetzen, das der vokalreichen türkischen Sprache besser entspricht als das Arabische. Auch auf diesem Feld legte Mustafa Kemal persönlich Hand an, indem er mit Tafel und Kreide umherreisend Unterricht erteilte.
- Asyl Status für die aus dem Nazi Deutschland fliehenden jüdischen Flüchtlinge.
- Jedem Bürger der Türkei wurde ein Nachname zugeordnet.
- Verbot von Polygamie und Abschaffung des islamischen Rechts.
- Von grundlegender gesamtgesellschaftlicher Bedeutung war die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts (vor vielen anderen europäischen Ländern)
- Eine Umwälzung gesellschaftlicher Strukturen bedeuteten die von Mustafa Kemal eingeleiteten Schritte zur Frauenemanzipation, die in einer Neuordnung des ehelichen Scheidungsrechts, in der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau, in der Förderung einer höheren Schulbildung und im Universitätszugang auch für Mädchen und Frauen zum Ausdruck kam.
Islamische Parteien
Nach Gründung der türkischen Republik bis in die heutige Zeit ist das Spannungsverhältnis zwischen säkularem Staat und muslimischer Tradition ein Dauerthema und ein Dauerproblem. In den ersten Jahrzehnten der Republik gab es überhaupt keine islamische oder islamistische Partei.
Erst Ende der 60er Jahre entstand unter Erbakan die erste islamische Partei (Nationale Ordnungspartei), die nach dem Militärputsch 1971 verboten wurde. 1973 erreichte deren Nachfolgepartei, die Nationale Heilspartei (MSP), bei den Wahlen 11,8 % der Stimmen und war zweimal an der Regierung beteiligt. Die Nationale Heilspartei von Erbakan war zwar offiziell keine islamistische Partei, dennoch propagierte sie die Scharia.
Die Nachfolgepartei Refah wurde ebenfalls vom Verfassungsgericht verboten, obwohl sie in den Wahlen 1991 16,9% erreichte und 1995 21,4% erhielt.
Erstmalig gründeten sich aber nach dem Verbot der Fazilet Partei in diesem Jahr als Nachfolgeparteien zwei neue islamische Parteien. Die islamische Bewegung spaltete sich also. Die eine ist die AK-Partei (Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei) unter Führung des früheren Oberbürgermeisters von Istanbul, Tayyip Erdogan, der Mitglied der Refah und Fazilet gewesen war.
Angesichts des geringen Ansehens der Regierungsparteien unter Ministerpräsident Bülent Ecevit erreicht die AK-Partei diese Position. Sehr viele Türken glauben nicht an den politischen Wandel Erdogans, der früher ein fundamentaler Islamvertreter war. Sie unterstellen ihm, dass er "Takiye" (Täuschung) betreibt, um seine wahren Ziele zu verdecken, die er dann wieder offen verfolge und werde, wenn er die Macht erobert hat.
Inwieweit Erdogan wirklich einen politischen Gesinnungswandel durchgemacht hat, ist sehr schwer zu beurteilen und sehr umstritten.
Das Militär und die politische Elite schätzen den islamischen Fundamentalismus nach wie vor als eine große Gefahr für die Republik ein.
Erdogans Ziehvater: Erbakan, ist davon überzeugt, dass der Islam die einzige Rettung für die Menschheit darstellt, was er für wissenschaftlich und historisch erwiesen hält.
Folgende Einschätzung Erbakans: „Wir werden ganz sicher an die Macht kommen, ob dies jedoch mit Blutvergießen oder ohne geschieht, ist eine offene Frage“, wertet ein Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung als Beleg für die „Radikalität seiner Bewegung“.
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21.03.2008, 10:53
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
IstanbulPost:
Anlässlich seines neuerlichen Deutschlandbesuchs verkündete der Ministerpräsident Erdogan, tausende von jungen Frauen seien aufgrund des Kopftuchverbots an türkischen Universitäten gezwungen, ins Ausland zu gehen und dort zu studieren. Es muss allerdings gefragt werden, was mit diesen jungen Frauen passiert, nachdem sie ihr Studium abgeschlossen haben. Die Töchter des Ministerpräsidenten selbst sowie des Staatspräsidenten Gül, die alle Kopftuchträgerinnen sind, geben ein erstes Vorbild ab. Die beiden Töchter des Ministerpräsidenten Erdogan studierten in den USA. Bald nach dem Abschluss ihres Studiums wurde eine verheiratet und ist jetzt Hausfrau. Die Tochter vom Staatspräsidenten Gül hat an der angesehenen Bilkent-Universität in Ankara studiert. Kaum hatte sie ihr Studium abgeschlossen, wurde sie mit einer spektakulären Hochzeitsfeier verehelicht und ist jetzt ebenfalls Hausfrau. Die Liste ließe sich in dieser Manier lange fortsetzten.
Spiegel:
Istanbul - Die Türkei geht auf eine offene gesellschaftliche Konfrontation zu. Zwei Lager haben sich herausgebildet.
Die AKP weiß die konservativen Wähler aus der großen Unterschicht, aber auch die neue islamische Bourgeoisie und das "grüne Kapital" hinter sich.
Demonstranten in Ankara: "Die Türkei ist ein laizistischer Staat und wird es bleiben"
Im Kabinett sitzt kein einziger Minister ohne eine verhüllte Ehefrau, in den AKP-regierten Kommunen ist keine unverhüllte Angestellte mehr zu finden. Die Kommunen schenken in städtischen Einrichtungen keinen Alkohol mehr aus und machen bei der Vergabe von Lizenzen an Lokale große Probleme. Die Weinindustrie der Türkei droht wegen horrender Alkoholsteuern einzugehen.
Die säkularen Kreise des gegnerischen Lagers sehen in der "konservativen Welle" der türkischen Gesellschaft eine wachsende Bedrohung ihrer freien, europäischen Lebensweise. Zehntausende Gegner des Gesetzes protestierten in Ankara gegen eine schleichende Islamisierung der Türkei. Sie schwenkten türkische Flaggen und Bilder des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. "Die Türkei ist ein laizistischer Staat und wird es bleiben", riefen sie. Rund 70 unterschiedliche Organisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen. Es protestierten über 100.000 Menschen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbots.
Die Opposition besteht nicht nur aus den kemalistischen Generälen, die bis jetzt schweigen. Neben den Linken, Sozialdemokraten und Kurden im Parlament gehören einflussreiche Kreise wie das hohe, kemalistische Beamtentum, die Mehrheit der Akademiker, der urbane Mittelstand mit seinen Berufsorganisationen, die linken Gewerkschaften, aber auch der Arbeitgeberverband Tüsiad dazu.
"Kein einziges unverhülltes Mädchen" in den Vorstädten
Diese Opposition wirft Erdogan vor, seine Reformen nicht in ein allgemeines Paket der bürgerlichen Freiheiten einzubetten. Dazu gehörten nicht nur das Kopftuch, sondern die längst fälligen Rechte der Minderheiten oder eine Reform des Strafrechts für eine größere Meinungsfreiheit – Reformen, die die EU seit Jahren anmahnt. Stattdessen plant Erdogan einen zweiten umstrittenen Schritt: Die Absolventen der sogenannten Imam- und Predigerschulen sollen beim Zugang zum Studium mit den säkular erzogenen Gymnasiasten gleichgestellt werden.
Die linksliberale "Birgün" kommentiert: "Damit wird ein religiöser Bildungsstrang geschaffen, der später die säkulare Schule übernehmen soll." Die Zahlen geben Erdogans Gegnern recht: Obwohl der Bedarf an Imamen minimal ist, besuchen heute 58.000 männliche und 62.000 weibliche Schüler diese Schulen.
"Verhüllte Mädchen, die ihr Kopftuch von der Grundschule bis zum Universitätsabschluss nicht ablegen, werden später auch damit arbeiten wollen", sagt die Opposition weiter. Die Journalistin Sükran Soner weist darauf hin, dass es in den Vororten der Großstädte "kein einziges unverhülltes Mädchen mehr" gibt. Der renommierte Sozialwissenschaftler Ersin Kalaycioglu sieht die Gefahr woanders: "Im Hörsaal verbringt eine Studentin gar nicht so viel Zeit", sagt er, "aber in den Studentenheimen gibt es Tausende von Mädchen. Ich fürchte, in wenigen Jahren werden wir dort keine unverhüllte Studentin mehr antreffen."
"Die Regierung hat aus dem Kopftuch die Fahne einer politischen Bewegung gemacht", fasst der Soziologe Yilmaz Esmer zusammen. "Wenn das Tragen religiöser Symbole im Hörsaal als eine normale, bürgerliche Freiheit angesehen würde, hätte niemand etwas dagegen." So sei das schließlich in Deutschland oder Frankreich. "Aber es geht hier um mehr: Um die Durchsetzung einer bestimmten Moral, einer politischen Linie in der Gesellschaft."
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Der Verfassungsschutzbericht zitiert Erbakan mit den Worten: „Die Europäer glauben, dass die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan.“
Erdogan: Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.
Bleibt für die Zukunft der Türkei zu hoffen, dass sie nicht vom Weg Atatürks abkommt.
Quellen: 1 2 3
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21.03.2008, 18:01
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Sehr schön geschrieben - danke !
Es gab auch einen sehr interessanten Artikel über Atatürk in der Berliner Illustrierten.
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22.03.2008, 11:19
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
merhaba Ottoman
Zitat:
Zitat von Ottoman
Mustafa Kemal Atatürk ("Vater der Türken") war erster Präsident der Republik Türkei, ohne ihm gäbe es die heutige Türkei mit seinen Staatsgrenzen nicht. Nach der türkischen Niederlage im 1. Weltkrieg als Verbündeter der Deutschen, wurde Ostthrakien und Teile der Ägäis den Griechen zugesprochen. Mittelmeergebiete den Italienern, Südosten an Frankreich. Istanbul stand unter britischer, französischer und russischer Kontrolle. Wie er große Teile des Landes gegen einen übermächtigen Gegner zurückerobern konnte, bleibt für mich ein Rätsel.
Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild der westlichen Zivilisation zu modernisieren
Die 6 Prinzipien des Kemalismus: - Nationalbewußtsein als Wendung gegen einen Vielvölkerstaat des osmanischen Zuschnitts.
- Laizismus: Klare Trennung zwischen Staat und Religion
- Republikanisches System: Abschaffung des Kalifats und Gründung der türkischen Republik
- Etatismus: Lenkung des Wirtschaftssystems durch den Staat
- Reformierung: Modernisierung des Staates
- Populismus: bei Atatürk nicht der Populismus im heute gebräuchlichen Sinne gemint, sondern das Konzept einer klassenübergreifenden gesellschaftlichen Kooperation, wie zum Besipiel die Übernahme des schweizerischen Zivilgesetzbuches. Dieser sollte dazu beitragen, das Volk für den Aufbau eines modernen Staates zu mobilisieren. Seinen Ausdruck fand er unter anderem in der rechtlichen Gleichstellung der Frau.
- Am 2. September 1925 wurde das Tragen religiöser Trachten wie Pluderhosen und Turbane verboten. Ausgenommen waren nur islamische Geistliche bei der Verrichtung ihres Amtes in der Moschee oder bei Beerdigungen.
- Mustafa Kemal ließ die arabische Schrift durch das lateinische Alphabet ersetzen, das der vokalreichen türkischen Sprache besser entspricht als das Arabische. Auch auf diesem Feld legte Mustafa Kemal persönlich Hand an, indem er mit Tafel und Kreide umherreisend Unterricht erteilte.
- Asyl Status für die aus dem Nazi Deutschland fliehenden jüdischen Flüchtlinge.
- Jedem Bürger der Türkei wurde ein Nachname zugeordnet.
- Verbot von Polygamie und Abschaffung des islamischen Rechts.
- Von grundlegender gesamtgesellschaftlicher Bedeutung war die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts (vor vielen anderen europäischen Ländern)
- Eine Umwälzung gesellschaftlicher Strukturen bedeuteten die von Mustafa Kemal eingeleiteten Schritte zur Frauenemanzipation, die in einer Neuordnung des ehelichen Scheidungsrechts, in der rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau, in der Förderung einer höheren Schulbildung und im Universitätszugang auch für Mädchen und Frauen zum Ausdruck kam.
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so wünschen wir uns ganz Europa, denn es ist heute immer noch nicht selbstvertändlich und was gestern schon vorübergehend selbstverständlich war, wird es morgen womöglich nicht mehr sein:
auch in Europa ist der Zug der fortschrittlichen Vernunft jäh und verantwortungslos teilweise von seinen Verteidigerns selbst (SPD, franz. Sozialisten) aufgehalten worden und nicht von heute! man kann befürchten, dass er sogar nicht mehr auf den richtigen Schienen steht.
Ottoman, bist Du der Urheber dieser hochinteressanten Zeilen und, falls ja, darf man sie kopieren und übersetzen?
selâm
PS: ich empfehle sehr "Atlas der Globalisierung" 2006/2007 ISBN: 3-937683-13-3 (gebunden oder broschiert)
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22.03.2008, 12:44
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Zitat:
Zitat von solresol
Ottoman, bist Du der Urheber dieser hochinteressanten Zeilen und, falls ja, darf man sie kopieren und übersetzen?
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Ein großer Teil stammt aus den angegebenen Quellen. Einiges habe ich verändert oder ergänst. Du kannst es gerne kopieren.
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Friede zu Hause, Friede in der Welt - Mustafa Kemal Atatürk
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22.03.2008, 13:08
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
„Sollte ich eines Tages großen Einfluss oder Macht besitzen, halte ich es für das Beste, unsere Gesellschaft schlagartig – sofort und in kürzester Zeit – zu verändern. Denn im Gegensatz zu anderen glaube ich nicht, dass sich diese Veränderung erreichen lässt, indem die Ungebildeten nur schrittweise auf ein höheres Niveau geführt werden. Mein Innerstes sträubt sich gegen eine solche Auffassung. Aus welchem Grund sollte ich mich auf den niedrigeren Stand der allgemeinen Bevölkerung zurückbegeben, nachdem ich viele Jahre lang ausgebildet worden bin, Zivilisations- und Sozialgeschichte studiert und in allen Phasen meines Lebens Befriedigung durch Freiheit erfahren habe? Ich werde dafür sorgen, dass sie auch dahin kommen. Nicht ich darf mich ihnen, sondern sie müssen sich mir annähern.“
dieser tagebucheintrag atatürks aus dem jahre 1918 fasst für mich seine motivation und vision äusserst prägnant zusammen- sozusagen ein schlüssel, um diese grosse und vielseitige persönlichkeit zu verstehen...
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22.03.2008, 14:07
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Zitat:
Zitat von Ottoman
Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild der westlichen Zivilisation zu modernisieren
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zu dem zeitpunkt, als atatürk auf den plan trat, war der westen von der real existierenden modernen zivilisation im grunde noch deutlich entfernt ( siehe die an kinderkrankheiten leidende weimarer republik, siehe immer noch herrschender kolonialismus in frankreich und england). atatürk hat im prinzip vorgemacht, wie ein moderner staat zu funktionieren hat: nämlich indem er aus modernen und demokratischen errungenschaften anderer nationen und eigenen idealen und visionen ein stimmiges gesamtkonzept geschaffen hat.
allein durch seine (geographische) herkunft ist atatürk zweifelsohne ein europäer. seine türkei ist demnach in meinen augen komplett als eine europäische errungenschaft zu verstehen und führt somit die diskussion, dass die türkei keinen platz in der eu habe, ad absurdum.
und damit verlagere ich die diskussion nur auf die ebene der jünsten geschichte...
oder lehne ich mich mit dieser ansicht zu weit aus dem fenster?
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22.03.2008, 14:54
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
 Danke Ottoman,
du hast dir echt muehe gegeben. Valla ellerine saglik.
Gruss
Elvin
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22.03.2008, 16:08
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
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22.03.2008, 16:20
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Mr. Turkish Talk 2008
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AW: Türkei: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Zitat:
Zitat von Genevieve
zu dem zeitpunkt, als atatürk auf den plan trat, war der westen von der real existierenden modernen zivilisation im grunde noch deutlich entfernt ( siehe die an kinderkrankheiten leidende weimarer republik, siehe immer noch herrschender kolonialismus in frankreich und england). atatürk hat im prinzip vorgemacht, wie ein moderner staat zu funktionieren hat: nämlich indem er aus modernen und demokratischen errungenschaften anderer nationen und eigenen idealen und visionen ein stimmiges gesamtkonzept geschaffen hat.
allein durch seine (geographische) herkunft ist atatürk zweifelsohne ein europäer. seine türkei ist demnach in meinen augen komplett als eine europäische errungenschaft zu verstehen und führt somit die diskussion, dass die türkei keinen platz in der eu habe, ad absurdum.
und damit verlagere ich die diskussion nur auf die ebene der jünsten geschichte...
oder lehne ich mich mit dieser ansicht zu weit aus dem fenster?
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Danke Genevieve. Es ist nur beschämend und traurig, dass seine Erben die damaligen Errungenschaften nicht zu würdigen wissen. Dabei vergessen offensichtlich viele, dass sie viele Freiheiten die nun selbstverständlich gesehen werden, vermutlich nie ohne ihn gehabt hätten.
" Das türkische Zivilrecht von 1926 und die Gewährung sowohl des aktiven als auch des passiven Wahlrechts im Jahre 1934 gab den türkischen Frauen eine Stellung, die Frauen in vielen westlichen Ländern zu dieser Zeit noch nicht hatten. Die Türkei war damit ihrer Zeit voraus." Quelle
Die Ratio hat vermutlich einige Menschen verlassen. Seinen Platz hat ein religiöser Wahn eingenommen.
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