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Identitas/Wesenseinheit Identität entsteht aus situativer Erfahrung.
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Alt 30.03.2008, 13:21
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Verschiedene Einwanderergüten?

Merhaba Surulere

Zitat:
Zitat von surulere Beitrag anzeigen
Wen meinst Du denn jetzt? Türken? Ausländer? Nun, ich kam mit 10 Jahren nach Deutschland musste deutsch lernen und habe es auch geschafft. So schwierig ist es gar nicht, wenn man sich integriert. Wir spielten mit anderen Kindern, lernten schnell die Sprache und konnten in der Schule schnell folgen. (Die deutsche Sprache zu lernen war auch notwendig, weil man mir so tolle Sachen lernte, wie: du Depp = Grüss Gott, oder A....loch = Auf Wiedersehen)
Also Surulere, ich kann Dich nur für Deinen Erfolg gratulieren, wirklich, ganz ernst gemeint. Deine exakte Herkunft hast Du nicht verraten. Aber etliche Türken schaffen das auch. Ich arbeite mit einer türkischen Kollegin über 20 Jahren, die exakt den gleichen Werdegang machte: 11 J. von der Türkei gekommen. Ihre beiden Eltern sind sehr einfache Leute (Vater Untertagearbeiter, Mutter Hausfrau). Alle gar keine vorherige Fremdsprachkenntnisse. Hauptschule in einem Wohngebiet mit vielen Türken (wo man also türkisch untereinander sprechen kann) bis 16 J. Dann Wechsel ins Gymnasium-Sekundarstufe (keine Gesamtschule; gäbe es bei uns aber auch). Schliesslich Gymnasiums-Abi 2,4. Damals war mit weit weniger noch Medizin zugelassen, hat aber Angst vor diesem Studium gehabt, zu lang. Ingenieur-Schule und bester Abschluss. Ihr Mann auch. Kam nur als fertiger türkischer Abiturient hierher. Trotzdem (mit trotzdem meine ich trotz Vater, der absoluter Bildungsländer war) sprechen heute ihre Kinder derart gut deutsch, dass ein Kind Gewinner am Erzählungswettbewerb (in Deutsch) ist, und alle Kinder unter den besten im Gymnasium zählen.

Dein Werdegang ist schön, lobenswert aber nicht einmalig. Ich arbeite wie gesagt mit nur einem Türken zusammen, und er erfüllt sofort deine Voraussetzungen!

Die Klugscheisersprüche der Kinder in den Grundschule, was soll man dazu sagen? Es ist glaube ich überall so... Früher schickten die Elsässer gern ihre Kinder in Urlaub in die pariser Gegend, damit sie fit auf Französisch werden, und die kamen effektiv nur mit solchen Sprüchen ins Elsass zurück. Wir, kleine Franzosen, wussten auch nichts besseres, ihnen beizubringen. Sie waren auch nur "Bosch", und "Schleu" für uns, weil sie deutschsprachig aufgewachsen waren! Die Mehrsprachigkeit in der Familie ist nämlich nicht nur bei Einwanderern anzutreffen und in manch einem elsässischen Dorf sprach man vor 50 Jahren nie ein Wort französisch ausserhalb der Schule...

Zitat:
Zitat von surulere Beitrag anzeigen
Das ist nicht ganz richtig. Einwanderer aus dem Ostblock studieren weitaus häufiger. Da hat Bildung einen ganz anderen Stellenwert als bei den Türken!
Man hat oft diesen Eindruck. Unsere Kinder sind zur Grundschule gegangen, die sich direkt gegenüber dem Übergangsheim befindet, in der Stadtmitte, im Stadteil, wo viele Zigeuner wohnen. So hatten wir eine richtig bunte Mischung. So viele Kinder aus der Türkei, dass wir einen türkischen Lehrer in der Schule hatten, aber auch sehr viele Ostblock-Kinder aus dem Übergangsheim. Später im fast angrenzenden Gymnasium auch.

Wenn man genauer hinschaut stellte man mehrmals fest:
- der Familienname war oft deutsch aber der Vater sprach kein einziges Wort deutsch (hat er nie ein Wort deutsch zuvor gehabt, oder fühlte er sich so irritiert von der Gross- oder Urgrosselternsprache, dass er sie nicht benützen wollte?)
- die Familienangehörige hatten oft in Russland eine Hochschulausbildung hinter sich
- man sprach oft zu Hause Jiddisch, also eine Sprache, die ein deutsches Dialekt ist, nur mit einer anderen Schrift. Auch an der Grenze von China oder fast! Der Turkmene wird in Istanbul auch keine grosse Probleme ausser vielleicht bei der Religion antreffen...

Man kann also mit der Familie meiner Kollegin, einfache Bergbauarbeiter, absolut nicht vergleichen.

Und auch ihre Familie kann man mit der 0815-Türkenfamilie vergleichen: Sie hat in "heute-Griechenland" viele Generationen gelebt, wo sie selbst aufgewachsen ist. Diese Türken haben den Boden ihrer Ahnen für immer verlassen: Sie suchten nicht nach einer Arbeit mit der Vision irgendwann wieder nach Hause zu gehen, sondern überhaupt nach einem neuen Lebensstandort, wo man mit Fleiss Rechte erwerben kann! Durch Einheirat mit eienem Türkei-Türken hätte sie eine Art Festpunkt in der Türkei wieder: Der Ort, wo ihre Schwiegerfamilie herstammt bzw. ein Ort, wo einige Tanten/Onkel sich in der Türkei nach dem Vertrieb aus dem europäischen Boden niedergelassen haben. Vor 40 Jahren war es aber nicht so.

Ähnlich ist es bei den Ostblock-Einwanderer: Sie verliessen die jeweilige kontinentale Heimat auf nie mehr wiedersehen...

Wenn Du aber die Rückkehrhoffnung noch hättest, würdest Du Dir Kinder wünschen, die auf Grund des erlernten intellektuellen Berufs in der Heimat möglicherweise Probleme antreffen? Sicher nicht... Da ist Klempner besser!

Wir erleben gerade das bei Schulfreunde unserer Kinder:

Ein Franzose, hier aufgewachsen, Abi 2,6. NC in Deutschland für Medizin ist derzeit besser als 2,0. Geht deshalb nach Frankreich um dort Medizin anzufangen... : Sprache unzureichend (Mutter ist Französin). Er kommt jetzt am Jahresende zurück, um hier zu warten. Geht nicht. Franzosen sind keine Ostblock-Leute wirst du mir sagen ("ist es zu stark, bis du zu schwach" wie bei den Bonbons...)!
Holländerin polnischer Abstammung (gibt es!), in Deutschland aufgewachsen. Beide Eltern Ärzte. Auch Abi 2,4. Muss in Deutschland 4 Jahre warten. Geht auch nicht: Sprache unzureichend (Mutter ist Holländerin).
Der ehemalige Freund unserer Tochter, Vater Pole, Zahnarzt. Sohn will auch Medizin studieren, hat sofort entschieden, "ich warte 4 Jahre - ich gehe nicht nach Polen oder sonst wohin mit schlechten Sprachkenntnissen".
Die künftige Schwiegertochter, beide Eltern polnischer Abstammung und Lehrer, spricht kein einziges Wort polnisch. Dafür Abi 1,6. Ok. Könnte aber nur als "Deutsche" irgendwann nach Polen gehen...

Das aber gerade wollten viele Türken nicht haben, weil sie die Vision hatten, dass sie nach Möglichkeit irgendwann zurück in die Türkei wollten. Die Türken hier im Forum, es gibt ja einige, können uns vielleicht aufklären, wie man das in den Familien gesehen hat, wobei nicht jeder Türke und Türke ist. Die Motivation, im Ausland zu leben, war ganz sicher vielfältig, und in der einen Familie wird man das so gesehen gehabt, und in der anderen so, je nach dem ob man Kurde, Armenier, Anatolier, Istanbuler, Vertriebene aus Griechenland, Moslem und welcher Richtung, Christ, Jude, Atheist, Freidenker, Nudisten, die sich in moslemischen Ländern so schwer entfalten können, etc. gewesen oder noch ist! Es lebten ausserdem auch Türken hier, bevor die Einwanderung begann, waren Grammatikgelehrte für westliche und türkische Grammatik (Robert Godel, Armenier türkischer Muttersprache und Spezialist für westliche Grammatik! Hat keine armenische Grammatik geschrieben, dafür eine kleine Türkische!).

Auch haben Türken (manchmal) die Schwierigkeit, dass in einigen Schulklassen die Mehrzahl der Klasse Türkisch spricht. Es ist nicht übertrieben: in der Klasse der künft. Schwiegermutter unseres Sohns ist es echt so. Bei Polen, Russen heute nie (früher ja, aber es war sehr problematisch weiterhin, polnisch untereinander zu sprechen; es ist ganz neu, dass man in Deutschland slawische Sprachen wieder frei untereinander sprechen kann, und sogar russische Supermärkte eröffnen können)!

selâm
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