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Identitas/Wesenseinheit Identität entsteht aus situativer Erfahrung.
Wer/Was/Wie bin ich?

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  #11 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:05
Benutzerbild von Lalezar2006
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AW: Bildung

Meine Tochter ist zwar noch jung (8 Jahre) aber auch ich achte darauf das sie eine gute Bildung genießen kann. Dazu gehört für mich an erster Stelle, den Tag mit sinnvollen Sachen zu schmücken, wobei mir auch hin und wieder die Disziplin fehlt. Wichtig finde ich das die Kinder neben der Schule auch Hobbys haben, wie Musik, Sport usw.

Zum einen ist es manchmal eine teuere Angelegenheit, aber man muss etwas kreativ sein, dann klappt es schon. Als Beispiel wollte meine Tochter immer sehr gerne Klavier spielen, die Staatliche Musikschule in Hamburg hatte eine unendlich lange Warteliste, mit den Abschlussworten, es könnte bis zu 4 Jahre dauern, bis man sie dran nimmt. Nun bekommt sie privaten Unterricht, in einem Musikverlag/Schule, eine teuere Sache, aber es lohnt sich habe ich festgestellt, jedenfalls ist sie darin sehr begabt. Das Reiten ist jetzt auch wieder aktuell und somit beschäftigt sie sich mit schönen und kreativen Sachen, was mich natürlich erfreut. Ich habe festgestellt das Kinder dadurch einfach ausgelassener sind und zum anderen hatte meine Tochter Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und war im Unterricht immer abgelenkt, durch das Klavierspielen, was ja enorme Konzentration fördert, hat es sich sehr verbessert, ich kann sogar behaupten, sie ist jetzt viel besser und absolut konzentrierter den Unterricht folgt. Ich belagere sie auch mit Büchern, meistens sind es Sachbücher, die bereiten ihr mehr Freude, als eine Geschichte.

Sicherlich ist es auch wichtig, die Kinder nicht unter Druck zu setzen damit sie auch ihren eigenen Weg gehen können, ein Schritt in die Selbstständigkeit. Sie müssen ja nicht unser Abbild sein. Ich habe viele Eltern gesehen, die ihre Kinder genauso herstellen wollen wie sie es sind, dabei haben die kinder ganz andere Interessen. Das finde ich entsetzlich.

Im großen und ganzen, die Schule macht Spass und ich bin mit der Entwicklung zufrieden und sehe Bildung als sehr wichtig.
__________________
"Gönül ne kahve ister ne kahvehane,gönül sohbet ister kahve bahane"
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Kimyager (05.04.2008), Minga_Minga (05.04.2008), solresol (05.04.2008), waltraut (06.04.2008)
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  #12 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:13
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AW: Bildung

Ich habe 2 Töchter. die ältere hat eine Ausbildung als Altenpflegerin gemacht und möchte sich noch weiterbilden. Sie ist mit dem Realschulabschluuss abgegangen. Ich bin stolz auf sie, weil sie sich für einen sehr schweren Beruf entschieden hat. Sie hätte auch das Abitur machen können, wollte aber sofort eine Ausbildung machen. Ich habe keinen Einfluss auf ihre Entscheidung genommen, weil ich wusste ,dass sie für sich das richtige tut.
Meine jüngere Tochter macht Abi und möchte danach Lehramt studieren. Ich habe die beiden unterstützt, da wo sie Hilfe brauchten. Ich habe aber auch viel in ihre Selbstverantwortung gelegt. Es war gut so. Denn das was aus ihnen geworden ist, zeigt mir das es richtig war.
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  #13 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:13
Benutzerbild von alterali
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AW: Bildung

Zitat:
Zitat von solresol Beitrag anzeigen
merhaba



oh doch, alteglucke, dazwischen gibt es die

welt.

traurig ist nur, dass viele eltern ihren kindern absolut gar nichts trauen, und sie vorweg limitieren.

nichts trauen bei der schulwahl
nichts trauen bei dem schulziel (schulabschluss)
nichts trauen bei der weiterbildung bzw. beim studium

am schluss steht ein dualausbildung bei einem grosskonzern, um studiumsgebühren einzusparen:

nicht nur

die "kinder" bezahlen keine studiumsgebühren

sondern

sie bekommen 800 .. 1100 euro im monat

anstatt zusätzlich, als weitere bildungsstrafe, unbezahltes praktikum noch und nöcher machen und jahre hindurch BAFÖG abzahlen zu müssen!

und wenn der konzern sie entlässt, die glücklichen 800..1100 euro verdiener ohne studiumsgebühr, weit vor dem rentenalter, dann wird oft ein sozialplan blitzschnell an der öffentlichkeit vorbei gebastelt!

derjenige, der studiert hat, dagegen, muss selber gucken, wie er weiterkommt.
Jedesmal, wenn ich Deine Beiträge lese, hab ich Mühe.
Ich ahne was Du sagen willst.
Warum machst Du es mir (vielleicht uns) nicht leichter, warum sprichst Du nicht klarer?

Zitat:
Zitat von solresol Beitrag anzeigen
unsere gesellschaft will und braucht keine kultur mehr!

selâm
Ich gehe mal davon aus, Du meinst dies zynisch, Du meinst mit Kultur so etwas wie Sozialkultur, Kultur im Umgang miteinander.
Ich würde Deinem Satz nicht zustimmen, obwohl die momentane Misere den Schluss nahelegt.
Diese Gesellschaft braucht Chancengleichheit und eigentlich will sie es auch. Für mich ist der heutige Stand das Ergebnis von Unvermögen, der Mangel an Nachhaltigkeit in Politik und Gesellschaft.
__________________
Im Osten geht der (Halb)mond auf.
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  #14 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:22
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AW: Bildung

Zitat:
Zitat von alteglucke Beitrag anzeigen
Ich bin in den 70er-Jahren zur Schule gegangen, mein Vater war Handwerker, meine Mutter Hausfrau. Bei meiner Erziehung und der meiner Schwester wurde uns immer eins vermittelt: "Unsere Kinder sollen es mal besser haben als wir." Auch der Weg dahin war für meine Eltern klar: Er führte über Bildung. Wir sollten in der Schule so gut sein, dass uns am Ende möglichst viele Wege offen stehen.

Wenn ich mich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, gibt es da viele Leute, bei denen das ganz genau so war: Die Eltern haben einen Hauptschulabschluss und gerade deshalb ihre Kinder aufs Gymnasium geschickt.

Betrachte ich die Bildungsdiskussionen in der Öffentlichkeit und hier, scheint diese Einstellung heute nicht mehr besonders weit verbreitet zu sein.

Wie ist das bei euch? Welchen Stellenwert hatte Bildung in eurer Erziehung? Welchen Stellenwert hat sie in der Erziehung eurer Kinder?
Hallo alteglucke,

genau so war es bei mir auch. Mein 8 Jahre älterer Bruder musste zuerst durch die Bildungsmühle, damals noch im Klassenverband. Er ist hochbegabt, mehrfach getestet, aber geholfen hat ihm das nicht und ihm auch keiner - er war nicht angepasst und hat die Lehrer (über-?)fordert.

Ich bin nicht ganz so überfliegend wie er, aber auch nicht blöd und nicht minder rebellisch. Das hat mir eine Menge Ärger beschert, bis ich Ende der 70er/Anfang der 80er ganz junge Lehrer bekam, die keine angepassten, sondern ehrliche Schüler wollten.

Ergebnis: Ich habe ein prima Abi, ein abgebrochenes Studium, eine schulische Ausbildung und kapiere immer noch schneller als viele andere. Meine Mutter meint immer noch, dass sie Fremdwörter mangels Schulbildung nicht aussprechen kann, mein immer noch hochbegabter Bruder lebt von Hartz IV, denn es ist ihm nicht gelungen, sich ins System einzufügen.

Fazit: Bildung ist gut und superwichtig, aber nicht alles. Meine Tochter kämpft mit der Schule - nicht, weil sie nicht mitkommt, sondern weil sie sich langweilt und abschaltet. Zwischen uns liegen 35 Jahre, die Probleme sind unverändert.

Was machen wir daraus? Wir erklären ihr die Welt und geben ihr Möglichkeiten, sich auszudrücken und sich gut zu fühlen. Sie tanzt, sie musiziert, sie versucht sich an Fremdsprachen - das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Sie hat keine Lust auf Hausaufgaben und Tests, sie ist nicht perfektionistisch (darauf haben wir Wert gelegt, denn das macht auf Dauer krank), sie möchte auf das beste Gymnasium der Stadt, will sich aber dafür nicht anstrengen.

WIR wissen, wie wichtig Bildung ist und erzählen ihr das immer wieder. Was sollen wir tun, wenn sie weiterhin keine Lust hat, sich anzustrengen? Wir nehmen sie mit in fremde Länder, in Musee/Ausstellungen, lassen sie die Welt erleben - das ist für sie selbstverständlich. Dennoch will sie sich nicht anstrengen und wir fragen uns: Was soll nur aus ihr werden?

So wie unsere Eltern sagten: Aus Dir wird mal etwas! So stehen wir hier und denken, dass wir wissen, wie das geht, dabei hat sich vielleicht der Weg dahin längst geändert. Er führt sicherlich immer noch über Bildung, die bedeutet aber heute nicht mehr allein, möglichst viel Wissen und Kenntnisse anzuhäufen, sondern vor allem auch, sich und andere zu fühlen, zu erkennen, was gut und was schlecht ist.

Unsere Eltern waren noch ganz sicher, was gut und was schlecht ist, ich als Mutter bin das heute in Anbetracht der Vielfalt der Möglichkeiten nicht mehr. Insofern scheint der Weg, den Kindern möglichst viel anzubieten (Bücher, Fernsehen, eigene Erlebnisse, Reisen, Menschen - ALLES) der richtige zu sein.

Übrigens: Wir haben heute Übernachtungsbesuch von einer Freundin unserer Tochter, ein ganz liebes, nettes und aufgewecktes Kind aus einer sog. "einfachen Familie". Mutter alleinerziehend (vom übrigens türkischen Vater der Kinder getrennt), arbeitet, managt den Alltag super und ist unheimlich fair zu den Kindern. Ich bewundere sie und stelle aber im Zusammensein mit dem Kind fest, dass das Kind viele Dinge einfach nicht weiß. Reicht die Zeit dafür nicht? Egal, sie darf gerne bei uns mit lernen.

Bildung ist essentiell, die des Hirns und die des Herzens.

lg
lillebi
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Das Leben ist schön! Auch wenn es sich manchmal ganz anders anfühlt ....
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  #15 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:40
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AW: Bildung

merhaba alterali

Zitat:
Zitat von alterali Beitrag anzeigen
Diese Gesellschaft braucht Chancengleichheit und eigentlich will sie es auch.
nein, das will sie nicht mehr

Zitat:
Zitat von alterali Beitrag anzeigen
Für mich ist der heutige Stand das Ergebnis von Unvermögen, der Mangel an Nachhaltigkeit in Politik und Gesellschaft.
ich habe nicht ein mal den Eindruck, dass es das echte Problem sei. Minga_Minga hat es viel besser beschrieben:

Zitat:
Zitat von Minga_Minga Beitrag anzeigen
Ein Grund dafür wird heute wohl darin gesehen, dass Bildung zwar ein wichtiges, aber auch teures Gut ist. Das sehe ich schon an den Schulbüchern, wenn ich bemerke, dass wir in der Schule Bücher haben, die 70€ pro Stück kosen. Allerdings frage ich mich auch, wodurch solche Preise gerechtfertigt sind. Merkwürdigerweise ist es nämlich so, dass ich in den 5 Jahren, in denen ich das Gymnasium besuche, dieses Buch nur einmal in der Hand hatte.
Andere Bücher, die meine Eltern aus eigener Tasche bezahlen müssen, haben wir teilweise nicht ein einziges Mal benutzt.

Jedoch finde ich auch, dass das Finanzielle nicht der einzige Aspekt ist und nicht immer als Entschuldigung dienen darf. Es gibt auch Möglichkeiten, seinem Kind etwas zu vermitteln, ohne übermäßig viel Geld auszugeben
bewusst oder unbewusst spricht hier Minga_Minga nicht nur von einer Geschäftsmacherei mit der Erziehung, sondern von einem radikalen Abgang von den traditionellen Ziele der Erziehung: Mit wenig viel Bildung, Wissen, Kultur vermitteln.

Es ist heute nur noch Geschäft auch bei öffentlichen Institutionen:

Zitat:
Zitat von Lalezar2006 Beitrag anzeigen
Als Beispiel wollte meine Tochter immer sehr gerne Klavier spielen, die Staatliche Musikschule in Hamburg hatte eine unendlich lange Warteliste, mit den Abschlussworten, es könnte bis zu 4 Jahre dauern, bis man sie dran nimmt. Nun bekommt sie privaten Unterricht, in einem Musikverlag/Schule, eine teuere Sache, aber es lohnt sich habe ich festgestellt... zum anderen hatte meine Tochter Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und war im Unterricht immer abgelenkt, durch das Klavierspielen, was ja enorme Konzentration fördert, hat es sich sehr verbessert, ich kann sogar behaupten, sie ist jetzt viel besser und absolut konzentrierter den Unterricht folgt. Ich belagere sie auch mit Büchern, meistens sind es Sachbücher, die bereiten ihr mehr Freude, als eine Geschichte.
es sind wunderbare Analysen einer höchstdramatische Situation, eines anfängenden Kultur- und Bildungsnotstands, der in anderen Ländern (Frankreich usw.) realität geworden ist.

wenn noch zusätzlich durch mehrere Massnahmen gleichzeitig viele Menschen vom richtigen Weg abgelenkt werden, richtig zu studieren, dann ist man nicht sehr weit von einem Bildungschaos

ich bin mit Lalezar vollkommen einer Meinung, nur dass ich diesen Weg hinter mir habe: es ist der absolut richtige Weg! bravo Lalezar

selâm
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  #16 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:42
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AW: Bildung

@lillebi

habt ihr eure Tochter auch mal testen lassen? Vielleicht ist auch sie hochbegabt und heute gibt es doch ganz andere Möglichkeiten als damals.
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  #17 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 21:42
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AW: Bildung

Zitat:
Zitat von lillebi Beitrag anzeigen
Fazit: Bildung ist gut und superwichtig, aber nicht alles. Meine Tochter kämpft mit der Schule - nicht, weil sie nicht mitkommt, sondern weil sie sich langweilt und abschaltet. Zwischen uns liegen 35 Jahre, die Probleme sind unverändert.
So ähnlich ist es bei meinem Sohn auch, bis auf eins: an seiner Schule wird vergleichsweise viel dafür getan, auch besonders begabte Kinder zu fördern. Wenn er sich langweilt, bekommt er anspruchsvollere Aufgaben als die anderen Kinder, er ist in einem besonderen Förderkurs, der in der Schule selbst eingerichtet wurde. Und seit er sich darauf eingelassen hat - dazu gehörte allerdings, dass ich ihm versichert habe, dass er nicht in eine höhere Klasse muss, wenn er zu gut ist - macht ihm der Unterricht auch wieder Spaß.

In welchem Bundesland lebt ihr?
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  #18 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 22:03
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AW: Bildung

Ich komme aus einer Akademikerfamilie. Dass ich das Abitur (möglichst gut) mache, habe ich eigentlich als selbstverständliche Einstellung meiner Eltern erlebt. Ich hatte auch das Glück, das nie als Druck erlebt und wohl auch zu meinem eigenen Anspruch entwickelt zu haben.
Wenn ich mir vorstelle Kinder erziehen zu müssen, wäre Bildung nur indirekt ein Thema, weil ich glaube, dass dies auch hinter meiner Erziehung steckte. Ich meine oder hoffe, dass Bildung ganz von alleine kommt, wenn man seine Kinder nur zu "leben" lehrt.
Wenn ein Kind nach der Förderung seiner Fähigkeiten verlangt, soll man unbedingt darauf eingehen. Aber ich kenne viele in meinem Alter, denen Fähigkeiten gegen ihr Interesse vermittelt wurden, die Musikinstrumente lernen mussten, in Sportvereinen angemeldet oder auch auf Internate geschickt wurden ohne damit wirklich glücklich zu werden. Ich habe das Gefühl, dass so ein Vorgehen entmenschlicht und teils verbildete Menschen an seinem Ende stehen. Als Elternteil würde ich meine Aufgabe nicht darin sehen, die Freizeit meiner Kinder zu planen und ihnen etwas "einzutrichtern".
An Spielzeug, das die Phantasie anregt, sollte es nicht mangeln und an Büchern, aus denen auch vorgelesen wird. Lernen sollten Kinder die Methodik, Medien zu nutzen. Kinder werden heute mit so vielen Inhalten bombardiert, dass sie eine analytische Distanz dazu benötigen, um selbstbestimmt zu bleiben.
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Pit63 (06.04.2008), sigune (06.04.2008)
  #19 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 22:05
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AW: Bildung

Normalerweise bin ich kein Schwarzseher, aber ich sehe leider auch die Tendenz, dass Bildung wieder zu etwas werden könnte, das sich nur Menschen mit dem nötigen finanziellen Hintergrund leisten können.

Es fängt damit an, dass man Studiengebühren erhebt, weil es angeblich ohne nicht mehr finanzierbar sei.

Am Gymnasium schafft man das 13. Schuljahr ab, damit wird sich die Stundenzahl der Schüler auf ca. 40 Stunden die Woche erhöhen um den Zeitverlust auszugleichen (bei meinem Sohn aktuell Thema). Wie möchte man das finanzieren? Ich denke nicht, dass die Lehrer kostenlose Überstunden machen werden.

Ich fürchte auf längere Sicht wird man auch wieder für das Gymnasium Schulgeld zahlen müssen.

Die goldenen Zeiten sind einfach vorbei.
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solresol (05.04.2008)
  #20 (permalink)  
Alt 05.04.2008, 22:15
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AW: Bildung

merhaba lillebi

Zitat:
Zitat von lillebi Beitrag anzeigen
Hallo alteglucke,

genau so war es bei mir auch. Mein 8 Jahre älterer Bruder musste zuerst durch die Bildungsmühle, damals noch im Klassenverband. Er ist hochbegabt, mehrfach getestet, aber geholfen hat ihm das nicht und ihm auch keiner - er war nicht angepasst und hat die Lehrer (über-?)fordert.

Ich bin nicht ganz so überfliegend wie er, aber auch nicht blöd und nicht minder rebellisch. Das hat mir eine Menge Ärger beschert, bis ich Ende der 70er/Anfang der 80er ganz junge Lehrer bekam, die keine angepassten, sondern ehrliche Schüler wollten.

Ergebnis: Ich habe ein prima Abi, ein abgebrochenes Studium, eine schulische Ausbildung und kapiere immer noch schneller als viele andere. Meine Mutter meint immer noch, dass sie Fremdwörter mangels Schulbildung nicht aussprechen kann, mein immer noch hochbegabter Bruder lebt von Hartz IV, denn es ist ihm nicht gelungen, sich ins System einzufügen.

Fazit: Bildung ist gut und superwichtig, aber nicht alles. Meine Tochter kämpft mit der Schule - nicht, weil sie nicht mitkommt, sondern weil sie sich langweilt und abschaltet. Zwischen uns liegen 35 Jahre, die Probleme sind unverändert.

Was machen wir daraus? Wir erklären ihr die Welt und geben ihr Möglichkeiten, sich auszudrücken und sich gut zu fühlen. Sie tanzt, sie musiziert, sie versucht sich an Fremdsprachen - das ist die eine Seite. Die andere Seite ist: Sie hat keine Lust auf Hausaufgaben und Tests, sie ist nicht perfektionistisch (darauf haben wir Wert gelegt, denn das macht auf Dauer krank), sie möchte auf das beste Gymnasium der Stadt, will sich aber dafür nicht anstrengen.

WIR wissen, wie wichtig Bildung ist und erzählen ihr das immer wieder. Was sollen wir tun, wenn sie weiterhin keine Lust hat, sich anzustrengen? Wir nehmen sie mit in fremde Länder, in Musee/Ausstellungen, lassen sie die Welt erleben - das ist für sie selbstverständlich. Dennoch will sie sich nicht anstrengen und wir fragen uns: Was soll nur aus ihr werden?

So wie unsere Eltern sagten: Aus Dir wird mal etwas! So stehen wir hier und denken, dass wir wissen, wie das geht, dabei hat sich vielleicht der Weg dahin längst geändert. Er führt sicherlich immer noch über Bildung, die bedeutet aber heute nicht mehr allein, möglichst viel Wissen und Kenntnisse anzuhäufen, sondern vor allem auch, sich und andere zu fühlen, zu erkennen, was gut und was schlecht ist.

Unsere Eltern waren noch ganz sicher, was gut und was schlecht ist, ich als Mutter bin das heute in Anbetracht der Vielfalt der Möglichkeiten nicht mehr. Insofern scheint der Weg, den Kindern möglichst viel anzubieten (Bücher, Fernsehen, eigene Erlebnisse, Reisen, Menschen - ALLES) der richtige zu sein.

Übrigens: Wir haben heute Übernachtungsbesuch von einer Freundin unserer Tochter, ein ganz liebes, nettes und aufgewecktes Kind aus einer sog. "einfachen Familie". Mutter alleinerziehend (vom übrigens türkischen Vater der Kinder getrennt), arbeitet, managt den Alltag super und ist unheimlich fair zu den Kindern. Ich bewundere sie und stelle aber im Zusammensein mit dem Kind fest, dass das Kind viele Dinge einfach nicht weiß. Reicht die Zeit dafür nicht? Egal, sie darf gerne bei uns mit lernen.

Bildung ist essentiell, die des Hirns und die des Herzens.

lg
lillebi
du vermischt hier zwei sachen:

die ausbildung,

und

das, was damit im leben erreicht werden kann...

es sind zwei paar stiefel!

bildung muss du zuerst als eine ganz getrennte sache, ein persönliches reichtum, das allein aus deinem leben etwas wertvolles machen kann, und zwar schon beim erwerben!

ob du deshalb erfolgreich wirst ist eine ganz andere sache...

unsere tochter auch langweilte sich in der schule. sie langweilte sich 100 mal mehr als andere kinder, weil sie alles nur ein mal sehen, hören, oder lesen muss, und das beherrscht sie. wir haben aber glück gehabt. wir haben sie früher eingeschult, obwohl der amtsarzt nicht wollte (die lehrerin, die das entscheiden sollte hat uns geholfen), und dann haben wir sie und hat sie sich selbst mit ausserschulischer arbeit derart eingedeckt, dass die schulzeit eine art wartezeit auf dem nachmittag gewesen ist. zu beginn der 3. klasse hat sie sich ihr künftiges gymnasium ausgesucht, dort wo ein symphonie-orchester ist, und von da an war sie beschäftigt. fertig die blanke langeweile: wöchentliche stunden in 3 musikinstrumenten plus theoriestunde (SVA), 1/2 h täglich pro instrument üben 360 Tage im Jahr (ja auch samtag und sonntag), 2 x 2 stunden orchesterprobe wöchentlich (schulorchester, musikschulorchester), guides (englische Pfadfinder), deutsche Pfadfinder, Schwimmen, die ganze Jugendbibliothek der Stadt gelesen, und sie hat anspruchsvolle, handtuchgrosse Bildderstickereien noch zusätzlich zu jedem Anlass gemacht, um ihre freizeit voll zu füllen, weil sie immer noch oft nicht genug zu tun hatte!

ihr bruder hat sinngemäss ähnliches gemacht.

an mehreren tagen mehrere ausserschulische tätigkeiten pro tag bis zum abitur beide.

so kriegst du die langeweile problemfrei raus

und man macht aus seiner kindheit etwas wunderschönes

sie, ja sie, soll aus ihrer kindheit etwas wunderschönes mit deiner hilfe machen. niemand kann das für sie tun: nur sie selber!

sprich mit deiner tochter! erkläre ihr das!

selâm

Geändert von solresol (05.04.2008 um 22:19 Uhr).
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