Jeder zweite Türke würde Deutschland verteidigen...
Studie belegt große Loyalität zum Staat
Constantin BrinkmannBERLIN, 18. Dezember. Rund die Hälfte der hier lebenden Türken wäre bereit, Deutschland im Falle eines militärischen Angriffs durch ein islamisches Land wie Irak oder Libyen zu verteidigen. Das hat eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung ergeben, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.
Die im Sommer unter 326 türkischen Haushalten vorgenommene Studie untersuchte die Einstellung der Türken in Deutschland zu Staat und Gesellschaft. "Vor allem das Resultat auf den Verteidigungsfall hat uns überrascht: dieser Wert liegt sogar noch über dem unter Ostdeutschen ermittelten Wert, bei dem vor dem 11. September nur 42 Prozent waren, Deutschland zu verteidigen", sagte Stephan Eisel von der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Die Studie besagt außerdem, dass sich auch fast die Hälfte der 2,1 Millionen hier lebenden Türken relativ stark mit Deutschland verbunden fühlen, bei den deutschen Staatsbürgern türkischer Herkunft übertrifft dieser Wert mit 55 Prozent sogar die Verbundenheit mit der Türkei. Auch die Gesellschaftsordnung in Deutschland hat bei den Türken mit fast 90 Prozent eine sichtbar höhere Akzeptanz als bei der deutschen Bevölkerung.
Nur fünf Prozent der Befragten sehen die Demokratie nicht als die beste Form eines politischen Systems. Das widerlege nach den Terroranschlägen auch das generelle Klischee eines verbreiteten islamischen Fundamentalismus, sagte Projektleiter Ulrich von Wilamowitz-Moellendorf. Auch der Säkularisierungsgrad unter den Türken in Deutschland sei erstaunlich hoch, nur für jeden Zweiten spiele die Religion eine wichtige Rolle.
Bekenntnis zum liberalen Islam
Die Mehrheit (77 Prozent) bekenne sich zu einem liberalen Islam. Sie stimmte der Ansicht zu, dass vor Gott alle Menschen gleich seien.
Von allen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen genießen aber die Bundeswehr und die Kirchen das geringste Vertrauen bei den Befragten. Fast die Hälfte von ihnen hält aber Justiz, Verfassungsgericht, Regierung und Polizei für vertrauenswürdig. 60 Prozent der Türken erlebten zudem Diskriminierung als Ausländer.
Befragt wurden für die Studie Angaben zufolge ausschließlich Haushalte in Westdeutschland und Berlin. Überrepräsentiert mit rund einem Drittel der Befragten seien Deutsche türkischer Herkunft gewesen. Das zufällige Auswahlverfahren stelle aber ein zuverlässiges Stimmungsbild der allermeisten Türken dar, hieß es. Ein zweiter Teil der Studie, unter anderem über Parteipräferenzen, soll im Frühjahr vorgestellt werden.
http://www.berlinonline.de/berliner-...056/index.html