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Identitas/Wesenseinheit Identität entsteht aus situativer Erfahrung.
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  #1 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 10:06
DerDieDas
 
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der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

In meiner Kindheit und Jugend sprach man über den Türken im Allgemeinen. Immer mehr jedoch versuchen sich die Menschen zu differenzieren. Vor kurzem fragte ich jemanden "Bist Du Türke?" und bekam als Antwort ""Ich bevorzuge den Begriff des türkischen Staatsbürgers, da wir keine Türken sind".

Aus der türkischen Verfassung - Artikel 5.
Zitat:
Die Grundziele und -aufgaben des Staates sind es, die Unabhängigkeit und Einheit des Türkischen Volkes, die Unteilbarkeit des Landes, die Republik und die Demokratie zu schützen, Wohlstand, Wohlergehen und Glück der Bürger und der Gemeinschaft zu gewährleisten ...
Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?
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  #2 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 11:03
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von DerDieDas Beitrag anzeigen
In meiner Kindheit und Jugend sprach man über den Türken im Allgemeinen. Immer mehr jedoch versuchen sich die Menschen zu differenzieren. Vor kurzem fragte ich jemanden "Bist Du Türke?" und bekam als Antwort ""Ich bevorzuge den Begriff des türkischen Staatsbürgers, da wir keine Türken sind".

Aus der türkischen Verfassung - Artikel 5.
Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?
Manche wollen freiwillig scheitern, derdiedas! Ist es etwas menschlich abartiges, wenn man sich nur zum Lebewesen Mensch zugehörig fühlt?
Ist man Mensch zweiter Klasse, wenn man keine Nationalität hat, haben will?
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  #3 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 11:53
DerDieDas
 
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

@univers, was bitte soll menschlich abartig sein, wenn man sich zugehörig fühlt? Warum zweiter Klasse, wenn man keine Nationalität haben will? Bitte erläutere mir Deine Antwort auf meine Frage, ich verstehe sie einfach nicht - vielleicht fehlt mir aber auch der Kontext, der sich mir nur erschließen kann, wenn ich längere Zeit hier wäre.
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  #4 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 17:18
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von DerDieDas Beitrag anzeigen
In meiner Kindheit und Jugend sprach man über den Türken im Allgemeinen. Immer mehr jedoch versuchen sich die Menschen zu differenzieren. Vor kurzem fragte ich jemanden "Bist Du Türke?" und bekam als Antwort ""Ich bevorzuge den Begriff des türkischen Staatsbürgers, da wir keine Türken sind".

Aus der türkischen Verfassung - Artikel 5.
Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?

Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat mir mehr als 30 nichttürkischen Völkern. Alle sind türkische Staatsbürger und der damals nötige, von Atatürk initiierte, Nationalismus sollte das Land vor dem völligen Auseinanderbrechen bewahren. Besser wäre es gewesen, die Türkei bundesstaatlich aufzubauen, statt eine Zwangsassimilierung zu betreiben
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Alt 02.07.2008, 17:22
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von sdost Beitrag anzeigen
Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat mir mehr als 30 nichttürkischen Völkern. Alle sind türkische Staatsbürger und der damals nötige, von Atatürk initiierte, Nationalismus sollte das Land vor dem völligen Auseinanderbrechen bewahren. Besser wäre es gewesen, die Türkei bundesstaatlich aufzubauen, statt eine Zwangsassimilierung zu betreiben
Ist die Türkei dafür nicht viel zu klein?Das wären dann ja alles Ministaaten geworden.
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  #6 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 17:27
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von Cindy07 Beitrag anzeigen
Ist die Türkei dafür nicht viel zu klein?Das wären dann ja alles Ministaaten geworden.

Die Türkei ist über 700000 Quadratkilometer groß und damit fast doppelt so groß wie Deutschland. In Deutschland gibt es 16 Bundesländer. In der Türkei hätte ja nicht jede Volksgruppe ein Bundesland haben müssen. Die Tscherkessen sind ja relativ spät eingewandert, weil sie in ihrer Heimat verfolgt wurden. Es gab in der Türkei sogar das kleinste Volk der Welt. 3 Personen stark. Ich weiß aber nicht, ob da noch jemand von lebt
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  #7 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 17:33
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von sdost Beitrag anzeigen
Die Türkei ist über 700000 Quadratkilometer groß und damit fast doppelt so groß wie Deutschland. In Deutschland gibt es 16 Bundesländer. In der Türkei hätte ja nicht jede Volksgruppe ein Bundesland haben müssen. Die Tscherkessen sind ja relativ spät eingewandert, weil sie in ihrer Heimat verfolgt wurden. Es gab in der Türkei sogar das kleinste Volk der Welt. 3 Personen stark. Ich weiß aber nicht, ob da noch jemand von lebt
Das wusste ich gar nicht.Es erklärt allerdings auch, warum sie sich untereinander auch häufig nicht über den Weg trauen.
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  #8 (Permalink)  
Alt 02.07.2008, 22:03
olgunbay
 
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von DerDieDas Beitrag anzeigen
In meiner Kindheit und Jugend sprach man über den Türken im Allgemeinen. Immer mehr jedoch versuchen sich die Menschen zu differenzieren. Vor kurzem fragte ich jemanden "Bist Du Türke?" und bekam als Antwort ""Ich bevorzuge den Begriff des türkischen Staatsbürgers, da wir keine Türken sind".

Aus der türkischen Verfassung - Artikel 5.
Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?

Die Sache ist sehr komisch!
Würde ich den Türken und Deutschen glauben, dann wäre ich ein Mischling.

Bin ich ein Mischling?

Für mich ist es nur wichtig wer ich bin und was ich erreiche!

Ich selbst habe für mich mich eine einfache Antwort gefunden!
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  #9 (Permalink)  
Alt 03.07.2008, 09:22
DerDieDas
 
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Jeder Mensch ist das Produkt einer Mischung, also auch ich, Du, sie...

Zitat sDost:
Zitat:
Besser wäre es gewesen, die Türkei bundesstaatlich aufzubauen, statt eine Zwangsassimilierung zu betreiben
Zwangsassimilierung - würde es nicht bedeuten, das es vorher eine "Leitkultur" gegeben hätte? Diese von Atatürk bestimmte Kultur gab es doch vorher nicht, oder? Eine islamisch/orientalisch geprägte zur (laizistischen, lieber atheistischen) Demokratie geführten und an der abendländischen Kultur orientierten Kultur?

Was wäre die Türkei geworden, hätte es Bundesstaaten gegeben? Wären zum damaligen Zeitpunkt die Bürger in der Lage gewesen, eine demokratische bundesstaatlich organisierte Staatsform mit zu tragen? Der BRD wurde dies aufdoktriniert und sie wurde über Jahrzehnte begleitet. Ich glaube nicht, das die Türkei dies damals aus eigener Kraft hätte geschafft. Wer hätte Türkei unterstützen können? Frankreich, England, Deutschland?

Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?

PS: Während ich dies so schreibe, kam mir Jugoslawien und Tito in den Sinn. Nur ich weiß zuwenig hierüber, als das ich jetzt einen Vergleich wage.

Geändert von DerDieDas (03.07.2008 um 09:22 Uhr). Grund: ß gegen s getausch
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  #10 (Permalink)  
Alt 03.07.2008, 17:03
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AW: der Türke <versus> türkischer Staatsbürger

Zitat:
Zitat von DerDieDas Beitrag anzeigen
Jeder Mensch ist das Produkt einer Mischung, also auch ich, Du, sie...

Zitat sDost:
Zwangsassimilierung - würde es nicht bedeuten, das es vorher eine "Leitkultur" gegeben hätte?
Die einzelnen Regionen waren damals erheblich von der jeweiligen Bevölkerung geprägt. Der Westen des Landes, vor allem Istanbul, war noch stark griechisch geprägt und sehr weltoffen. Besonders in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts gab es vielfältige Kontakte zu Europa. Der Osten, und der begann eigentlich schon vor Ankara, war eher islamisch geprägt und gemessen am westlichen Teil der Türkei sehr rückständig. Eine Leitkultur in dem Sinne gab es nur durch die Religion.


Zitat:
Diese von Atatürk bestimmte Kultur gab es doch vorher nicht, oder? Eine islamisch/orientalisch geprägte zur (laizistischen, lieber atheistischen) Demokratie geführten und an der abendländischen Kultur orientierten Kultur?
Atatürk war mehrfach in Deutschland und erlebte den Unterschied zwischen dem untergehenden Osmanischen Reich und dem aufstrebenden Europa hautnah. Er wusste sehr gut, dass die Türken unter die Räder kommen würden, wenn sie nicht den großen Sprung nach vorne machen würden. Den Hauptgrund für die Rückständigkeit glaubte Atatürk in der Religion zu finden. Ohne das Desaster des ersten Weltkrieges hätte aber auch Atatürk seine Reformen nicht durchbekommen.

Zitat:
Was wäre die Türkei geworden, hätte es Bundesstaaten gegeben? Wären zum damaligen Zeitpunkt die Bürger in der Lage gewesen, eine demokratische bundesstaatlich organisierte Staatsform mit zu tragen?
Der große Vorteil eines zentalistisch gesteuerten Landes liegt darin, dass eine Regierung die Fäden in der Hand hält und ein großes Ziel im Auge entsprechend regiert. Der Nachteil ist aber, dass auf die Regionen wenig Rücksicht genommen wird. In Frankreich konzentriert sich alles auf Paris, der Rest ist im wahrsten Sinne des Wortes Provinz. Hätte Atatürk genug verlässliche Mitstreiter gehabt, hätte er in jedem Bundesstaat seine Leute arbeiten lassen können. DAS Trauma der Türken ist aber die Teilung des Landes und schon aus diesem Grund verbot sich eine bundesstaatliche Regelung.


Zitat:
Der BRD wurde dies aufdoktriniert und sie wurde über Jahrzehnte begleitet.
Deutschland ist historisch aus selbstständigen Regionen gewachsen. Jeder Fürst hatte sein Gebiet und was hat eigentlich ein Bayer mit einem Friesen gemeinsam? Nach dem 30jährigen Krieg wurde die Kleinstaaterei sogar auf die Spitze getrieben. Die föderale Struktur Deutschlands wurde nach '45 eingeführt um eine Machtergreifung wie 1933 zu verhinden, bzw. zu erschweren


Zitat:
Ich glaube nicht, das die Türkei dies damals aus eigener Kraft hätte geschafft. Wer hätte Türkei unterstützen können? Frankreich, England, Deutschland?
Die Türkei hatte damals keine Freunde. Durch das Bündnis mit Deutschland hatte auch die Türkei den ersten Weltkrieg verloren und kämpfte um die nackte Existenz. Italien, Frankreich und England hatten sich Teile der heutigen Türkei gesichert und das Land unter sich aufgeteilt. Für die Türken wäre nur ein kleines Stück Land in Mittelanatolien verblieben. Der Sultan hatte den Vertrag bereits unterschrieben. Atatürk ließ das aber nicht zu und befreite das Land von den Besatzern.

Zitat:
Ist Mustafa Kemal Atatürk gescheitert, da dieses neue türkische Volk dieses Wir-Gefühl unter dem neu belegten Begriff des "Türken" nicht angenommen hat?
Im Grunde akzeptieren fast alle Bevölkerungsgruppen in der Türkei, Türken zu sein. Man kann Laze sein und gleichzeitig Türke, das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Die Kurden haben sehr lange von Istanbul (der damaligen Hauptstadt des Osmanischen Reichs) unabhängig gelebt. Den Agas und Paschas war es egal wer dort Sultan war. Im Osten waren es die kurdischen Clanchefs, die das sagen hatten. Deshalb hielt sich bei den Kurden auch eine Distanz zu den Machthabern in Istanbul, später auch zu denen in Ankara. Atatürks Hinweis, dass die Kurden historisch gesehen Bergtürken seien und kein eigenständiges Volk, machte das Verhältnis auch nicht besser. Gescheitert ist Atatürk sicher nicht. Er hat nicht lange genug gelebt um seine Reformen weiter zu führen. Seine Nachfolger hatten nicht das Format um anzuknüpfen wo Atatürk zwangsweise aufhören musste.

Zitat:
PS: Während ich dies so schreibe, kam mir Jugoslawien und Tito in den Sinn. Nur ich weiß zuwenig hierüber, als das ich jetzt einen Vergleich wage.
Jugoslawien war ein künstlicher Staat, der wie die Tschechoslowakei aus der Erbmasse des ersten Weltkriegs hervorging. In Jugoslawien legten alle Volksgruppen Wert auf ihre regionale Herkunft. Kroaten haben nichts mit Serben gemeinsam und allen waren die Bosnier suspekt. Tito lavierte sein Land sehr geschickt durch die Zeiten des kalten Krieges. Nach seinem Tod verschob sich das Machtzentrum des Landes nach Serbien. Nun dominierten die Serben. Hätte es den üblen Nationalisten Milosevic nicht gegeben, wäre Jugoslawien nicht gescheitert
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