Hallo, ihr Lieben.... ich bin mal kurz online.
Mein Schatz schläft grad noch tief und fest… nach einem sehr langen Abend mit Federweißer, Keksen und Kerzen… und einer wundervollen gemeinsamen Nacht. Ich selber bin nicht der Langschläfer und werde mir nach diesen Zeilen die Ärmel hochkrempeln und einen lecker Frühstücks-Brunch vorbereiten.
Hier die Fortsetzung:
In der Woche telefonierten, schrieben und cam-chatteten wir jeden Tag. Für den kommenden Freitag hatten wir ein Treffen in einer Großstadt mit Restaurant- / Kinobesuch und Spazierengehen geplant.
Leider kam ihm aber etwas dazwischen und wir mussten ein wenig umdisponieren: Freitagmorgen rief er mich an und teilte mir zerknirscht mit, dass das Treffen ins Wasser fallen müsste und erklärte mir auch die näheren Umstände. Da der Morgen einen schönen Tag versprach, schlug ich vor, einfach in seine Nähe zu fahren und mit ihm ein Picknick im Park einzunehmen. Er brauchte nur Kaffee mitzubringen und etwas zum Knabbern. Ich merkte schon am Telefon, dass er sich wie ein Schneekönig über diese Idee freute, und wir verabredeten einen Treffpunkt am frühen Nachmittag.
Ich sah sein Auto auf dem Parkplatz und direkt auch sein strahlend lächelndes Gesicht im Wagen. Als ich ausstieg kam er mir schon entgegen und begrüßte mich mit einer leichten – eher förmlichen - Umarmung. Nach einem kurzen Wortwechsel ging er zurück zu seinem Wagen, neben dem ich mich geparkt hatte und holte eine langstielige rote Rose mit Schleierkraut hervor: „Dies als kleine Entschuldigung, dass ich nicht halten konnte, was wir eigentlich geplant hatten…“ sagte er leise und sein Blick zeigte aufrichtiges Bedauern. Ich war gerührt und verzückt… klar! Wann bekommt heute eine Frau schon mal Blumen geschenkt… ? ;)
Wir fuhren in seinem Wagen zum Park, nahmen unsere Verpflegung mit und suchten uns einen schönen Platz am See, wo grad eine Herde Gänse und Enten geschäftig die Wiese nach Leckerlies absuchte… ohne uns einen Moment aus den Augen zu lassen. Hin und wieder kam einer der Anführer näher und verlangte auf gänsisch oder entisch seinen Anteil… Wir ließen uns aber nicht abhalten, wieder von Höckschen auf Stöckchen zu kommen: Uns ging der Gesprächsstoff gar nicht aus.
Verirrte sich ein kleines Krabbeltier bei mir auf den Kopf, der Schulter… Armen… fragte er: „Darf ich? Du hast da etwas…“ und mit meiner Einwilligung entfernte er das Tierchen…
Die Zeit verging wie im Fluge, und der Kaffee meldete sich… Also ab in die Stadt und auf die Suche nach einer Toilette. Da wir nicht einfach so in das Café, das auf dem Weg lag, reinstiefeln und nur unsere Notdurft verrichten wollten, tranken wir dort auch noch mal eine Tasse Kaffee… diesmal tief in die Augen schauend… so richtig wir zwei junge Hüpfer beim ersten Rendezvous.
Leider kamen währenddessen immer mehr Wolken auf und nach einer kleinen Mahlzeit in einem Imbiss fuhren wir zwar wieder in Richtung Park, blieben aber in seinem Wagen, da der Regen eingesetzt hatte.
Die Stunden vergingen wie im Fluge, während er mir sein halbes Leben erzählte. Für mich war es eine ganz andere Welt: Ich war behütet aufgewachsen… als braves Mädel… er hingegen musste immer wieder kämpfen.
Seine Kindheit, Jugend… seine erste Liebe… Danach irgendwann die Begegnung mit seiner jetzigen Frau.. die Entwicklung der Ehe… seine Kinder…. Daneben sein Umfeld… seine berufliche Laufbahn.
Alles erzählte er mir, ohne Schnörkel und auch mit weniger Schönem.
Irgendwann fragte er mich dann, ob ich wirklich interessiert sei, mit „so einem Kerl“ in Kontakt zu bleiben. Für mich gab es da nicht viel zu überlegen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Bedenken. Was zählt, ist, wie er JETZT zu mir ist… wie er MICH behandelt… wie es sich zwischen uns allein entwickelt. Ich brauche keinen Mann an meiner Seite, der mich ernährt und mir Kinder zeugt. Und er braucht keine Frau, die Mutter seiner Kinder ist… Was wir beide uns wünschen, ist, dass wir uns gut tun, - egal in welcher Form. In sofern waren (und sind immer noch) uns einig.
Wieder einmal meldete sich der Kaffee bei mir. So fuhren wir wieder in Richtung Stadt und machten kurz Halt bei einem Fastfood-Laden.
Wir gingen ein wenig spazieren und kamen an einer Tanzschule vorbei. Hier wurde unsere Neugier geweckt durch die rhythmischen Klänge lateinamerikanischer Musik. Die Eingangstüre der Tanzschule war offen und hieß uns so willkommen, dass wir nicht umherkamen, einfach einzutreten. Der Tanzlehrer kam uns auch schon entgegen und lud uns ein, einfach mal zuzuschauen… sogar gerne mitzutanzen. Ich traute mich aber nicht…. Nach fast 25 Jahren tanzfreier Zeit, hatte ich nicht die erforderliche Courage, mit meinem Begleiter, der für sein Leben gern tanzt, vor all den Leuten auch nur einen Schritt zu wagen. Wir blieben am Rande der Tanzfläche stehen, erfreuten uns mit strahlenden Gesichtern an den Klängen der Musik, beobachteten die Tanzpaare und flüsterten uns leise zu, dass wir dies bald bestimmt viiiel besser zusammen machen könnten.
In dieser Atmosphäre war es ein Leichtes, uns körperlich etwas näher zu kommen. Das erste Mal nahmen wir uns bei der Hand und hielten sie auch die ganze Zeit über. Mein Schatz ergriff einfach irgendwann die Gelegenheit, einfach einen Arm um meine Hüfte zu legen… und ich genoß diese Nähe und Berührung total. Es war uns ganz bewusst, dass diese Situation endlich der Anfang von einer nicht nur verbalen Nähe war: Wir hatten das erste Mal so „richtig“ körperlich Kontakt aufgenommen. Wie zwei Pennäler gingen wir beschwingt händchenhaltend und Tanzkurs-Teilnahme-Pläne schmiedend zum Auto.
Der Abend dämmerte, wir schlenderten Hand in Hand die Fußgängerzone auf und ab, kehrten in einer Musik-Kneipe ein und verbrachten dort den weiteren Abend - uns nicht aus den Augen schauend - Hände streichelnd und Cola trinkend…
Der erste Kuß: ein sanftes Lippen berühren… es folgten weitere… immer hungriger werdende…
Es wurde uns zu laut – zu stickig dort. Also spazierten wir langsam wieder zum Auto. Er fuhr mich wieder zum Parkplatz, wo mein Auto stand.
Aber so richtig wollten wir uns nicht trennen. Ich hatte zwar noch eine Stunde Fahrtzeit vor mir, aber irgendwie schreckte es mich auch nicht ab, immer noch nicht den Heimweg einzuschlagen.
Was soll ich noch sagen? Es folgten noch Stunden in seinem Auto… mit Kuscheln, heftigem Küssen… aber den „einen Schritt“ wollten wir beide nicht machen…
Gegen 3:30 Uhr morgens verließen wir - mehr oder weniger gerne – sein Auto… küssten uns neben seinem Wagen, bis ein Taxi vorgefahren kam. Dies nahmen wir dann als Anlaß, uns zu verabschieden, was uns nicht sehr leicht fiel.
Er fuhr noch vor mir einen Teil meines Weges und kurz bevor er abbiegen musste, hielt er an, stieg aus... ich öffnete mein Seitenfenster und er küsste mich nochmals zum Abschied mit der Bitte, ihm gleich eine SMS zu senden, wenn ich daheim wäre, damit er beruhigt einschlafen kann...
Auf dem Heimweg begegneten mir auf den 50 Kilometern vielleicht grad mal 20 Autos… Der Morgen brach schon auf… ich hatte die Fenster geöffnet, ich hörte die Vögel singen, neben der Musik, die aus meinem Radio kam. Ich war fit wie nur sonst was… aufgekratzt und irgendwie auch fassungslos: Was war nur passiert? Es war alles so harmonisch und spannend zugleich.
Daheim angekommen, schrieb ich ihm sofort eine SMS… ich war noch nicht ganz fertig… sie war noch nicht abgeschickt, da rief er mich an. Ob alles ok sei… ob ich endlich daheim heil angekommen bin… Er war schon etwas länger daheim und würde fast umfallen vor Müdigkeit… Wir verabschiedeten uns mit allen lieben Wünschen, die man nur loswerden kann. Spätestens am nächsten Freitag würden wir uns wieder sehen…
Ich setzte mich danach erst einmal an meinen PC, um meiner Freundin in einer Mail zu berichten. Es wurde eine sehr lange Mail… haarklein und minutiös… Danach kam bei mir auch die Ruhe und mit ihr die Müdigkeit, um auch endlich ein wenig schlafen zu können.
„Nun geht die Sonne gleich richtig auf... und ich - bewaffnet mit dem Handy - mal ins Bettchen...“
…waren meine Abschiedsworte in der Mail an meine Freundin……