Die
Lasen (Eigenbezeichnung:
ლაზი (
Lazi),
ლაზეფე (
Lazepe);
georgisch:
ლაზი (
Lazi),
ლაზები (
Lazebi);
türkisch Laz,
Lazlar; auch:
Tschanen, georgisch:
ჭანი (
Chani),
ჭანები (
Chanebi)) sind ein mit den
Mingreliern verwandtes
südkaukasisches Volk, welches an der südöstlichen Schwarzmeerküste siedelt. Ihre Muttersprache ist
Lasisch. Im Gegensatz zu den
Mingreliern sind die Lasen
hanefitisch-sunnitische
Muslime. Sie sind im Südwesten
Georgiens und im Nordosten der heutigen
Türkei, vor allem in den Gebieten um Rize, Pazar (Atina),
Ardeşen (Artaşeni), Çamlıhemşin (Vijadibi), Fındıklı (Viзe), Arhavi (Arkhabi), Hopa (Xopa) und Borçka beheimatet. Diese Region wird in der Fachsprache als
Lasistan bezeichnet und war im
Osmanischen Reich ein eigenständiger
Sandschak.
Siedlungsgebiet [Bearbeiten]
Das Siedlungsgebiet der Lasen liegt im Südwesten Georgiens und dem äußersten Nordosten der heutigen Türkei.In der Türkei sind die Gebiete administrativ in fünf städtische Verwaltungsbezirke mit ihrem jeweiligen Umland, den zum jeweiligen Einzugsgebiet gehörenden Bergdörfern unterteilt. So sind die Städte Hopa (las.:
Xopa) und Arhavi (las.:
Ark'abi) Teil der
Provinz Artvin, während Fïndïklï (las.:
Vic'e),
Ardeşen (las.:
Art'ašeni) und Pazar Teil der
Provinz Rize sind. In Georgien leben nur wenige Angehörige dieser Volksgruppe (ca. 3.000) im Dorf Sarp'i südlich von
Batumi. Kleinere Gruppen leben in der georgischen autonomen Republik
Adscharien. Grob kann man die Region geographisch zwischen den Städten
Batumi (Georgien) und
Pazar (Türkei) einordnen.
Dieser schmale Küstenstreifen am
Schwarzen Meer nördlich des
Pontischen Gebirges erreicht durch die Kaçkar-Berge eine Höhe von bis zu 3932 m Höhe. Die sehr ursprüngliche Landschaft weist viele Gletscher, Seen, Wälder und heiße Quellen auf. Das Klima in den immergrünen subtropischen Gebieten ist mild und von viel Niederschlag und hoher Luftfeuchtigkeit geprägt.
Die Flüsse sind ausnahmslos kurze Gebirgsbäche, der Kamm der Küstenkette ist 20 km vom Meer entfernt. Die Küste ist reich an Nuss- und Obstbäumen sowie an Teesträuchern. Der Küstenstreifen erscheint als Heimat des Obstes, namentlich der Trauben, Kirschen, Birnen, Äpfel und Kiwis (letztere sind erst vor nicht all zu langer Zeit eingeführt worden). In der Region Lasistan leben 140.000 türkische und georgische Staatsbürger lasischer Herkunft, deren Sprache
Lasisch auszusterben droht.
Die
Römer nannten den Küstenstrich Lazica und stritten sich mit den Persern um den Besitz des als Vormauer gegen den Kaukasus wichtigen Landes. Im 6. Jh. wurde das Gebiet unter dem oströmischen Reich vorwiegend christlich. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte, insbesondere seit dem 14. Jahrhundert bekennen sich die Lasen zum Islam.
Im
Frieden von San Stefano (
3. März 1878) trat das Osmanische Reich Lasistan nach verlorenem Krieg an
Russland ab, das zuvor vom Osmanischen Reich annektiert wurde. 1921 wurde das Gebiet der Lasen (historischer Name Tao-Klarjeti) nach der Türkisch-Russischen Absprache in die Türkei eingegliedert, da die Türkei der roten Armee bei Annexion Georgiens half.
Geschichte [Bearbeiten]
Die Lasen haben ihre Wurzeln im antiken
Kolchis. Im frühen Mittelalter (6. Jh.) spielte das Königreich
Lasika (Lasica), im Schwarzmeergebiet an der heutigen georgisch-türkischen Grenze, keine unwesentliche Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen
Byzanz und
Persien. Im 10. Jh. wurden die Lasen christianisiert und in das georgische Königreich eingegliedert. Im 15. Jh. kamen sie unter
türkische Herrschaft. Im
Osmanischen Reich wurde das Gebiet "Reich
Lasistan" genannt. Im späten 15. Jh. trat die Mehrheit der Bevölkerung vom georgisch-orthodoxen Glauben zum
Islam über.
1878 kam ein Teil der Lasen mit dem Fall von
Batumi unter
russische Herrschaft. In der frühen
Stalin-Zeit genossen die in der
Sowjetunion lebenden Lasen Kulturautonomie. Während des
2. Weltkrieges wurden sie jedoch als angebliche Kollaborateure
Hitler-Deutschlands nach
Sibirien deportiert, wobei Tausende umkamen.
Die Lasen sind zwar mit den Türken ethnisch nicht verwandt, werden in der Türkei aber nicht als ethnische Minderheit anerkannt. Daher ist über die Lasen und ihre Sprache innerhalb und außerhalb der Türkei wenig bekannt. Ebenso gibt es keine türkischen verlässlichen Statistiken über die Ethnie, denn pikanterweise werden im türkischen Volksmund alle Menschen, die in der östlichen Schwarzmeerregion leben, ohne Ansehen der Ethnie als
Laz bezeichnet. Dies führt im weiteren zu der irrigen Annahme, dass es sich beim Lasischen lediglich um einen türkischen Dialekt handelt.
Alltag der Lasen [Bearbeiten]
Früher betrieben die Lasen Subsistenzlandwirtschaft: Anbau von Mais, Tabak, Reis, Haselnüssen, Obst. Wirtschaftliche Not zwang jedoch die Männer häufig, außerhalb ihres Siedlungsgebiets in Transkaukasien und im Westen des Osmanischen Reiches Arbeit anzunehmen. In den letzten 50 Jahren hat der Teeanbau die Wirtschaft und das Landschaftsbild in Lasistan verändert. Der Tee ist die Lebensgrundlage und der Grundstock eines relativen Wohlstandes der Lasen. Jede mögliche freie Fläche in den Tälern wird genutzt und Terrassen mit knie- bis hüfthohen Teebüschen ziehen sich die Berghänge hoch. Zahlreiche kleinere Fabriken in den umliegenden Ortschaften verarbeiten den Tee, der das wichtigste Exportgut Lasistans darstellt.
Die Lasen legen großen Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder. Weil viele ausgebildete Lasen als Staatsbeamte arbeiten, leben sie über die ganze Türkei verstreut. Sie haben dennoch größtenteils enge Beziehungen zu ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet. So kehren viele dieser Lasen im Sommer in ihre Heimatdörfer zurück, besuchen dort Verwandte und helfen bei der arbeitsintensiven Tee-Ernte.