AN JENE, DIE DEN TEUFEL AN DIE WAND MALEN…(Von Güngör MENGI)
Geben die westlichen Medien der steigenden Sensibilität um den Laizismus in der Türkei Recht oder sind sie darüber besorgt?
Die ‚New York Times’ hat gestern folgende Feststellung als einen ironischen Widerspruch gemacht:
„Diejenigen, die die Türkei auf dem Weg voranbringen, den Atatürk vorgezeichnet hat, sind eine Gruppe von Menschen, die dem Islam Wert beimessen.“
Auch der Co-
Präsident der gemischten Parlamentskommission Türkei-EU Lagendijk soll in einem Interview gegenüber der Zeitung gesagt haben: „Wenn die laizistischen Parteien an der Macht geblieben wären, so wäre es unmöglich gewesen, die Verhandlungen zu beginnen.“
Die ‚New York Times’ hat die Massenreaktion, die entstanden ist mit dem Missvertrauen, wohin wohl die AKP die Türkei führen wird, mit der Überschrift „Am Grabe von Atatürk hört man einen Lärm“ betitelt.
Die englische Zeitung ‚The Observer’ hat eine noch pessimistischere Analyse von Andrew Anthony veröffentlicht. Kurz gefasst wird darin gesagt:
„Die Spannungen im Herzen der Türkei werden immer ernster. Zwischen der Modernität und der Tradition, dem Islamismus und Säkularismus findet ein harter Kampf statt. Die Folgen könnten für uns alle verheerend sein.“
Der Kommentator hat einen Alptraum vor Augen. Denn, falls die AKP die Wahlen gewinnen sollte, würde laut Ansichten zahlreicher Beobachter als erstes der „fünfte Putsch“ kommen und danach werde sich die Prophezeiung von Huntington verwirklichen. Das bedeutet, dass Islamisten gegen Säkularisten stehen.
Die Westlichen, die über die Türkei alles besser wissen, werden bei der Betrachtung unseres Landes entweder blind oder sie sehen zwar, können aber, selbst wenn wir ihnen die Sterne vom Himmel holen, ihre Vorurteile nicht ablegen.
Das türkische Volk, das mit der Qualität seiner demokratischen Reaktion auf das in Gefahr stehende laizistische Regime und der Beteiligung einer Flut von Millionen von Menschen die Westlichen in Staunen versetzte, wird bei den Wahlen am 22. Juli ebenfalls alle in Staunen versetzen.
Durch solches Staunen werden die Westlichen lernen, die Türkei zu schätzen und zu bewundern.
Denn sie werden eines Tages sehen, dass die Wurzeln, die das türkische Volk miteinander verbinden, vielfältiger sind als die Trennungsgründe.
Eine Vertrauensprüfung.
Kein demokratisches System gibt so leicht einer Partei die Zwei-Drittel-Mehrheit des Parlaments. Das Ergebnis der Wahlen von 2002 war ein Unfall einer wütigen Gesellschaft. Aber die AKP-Regierung konnte mit dieser Mehrheit nicht einmal einen Staatspräsidenten wählen. Sie waren auch darin erfolglos, die staatlichen Institutionen in ihre Dienste zu stellen.
Sie müssen aus all diesem eine Lehre ziehen und die Beziehungen in der kommenden Periode im Lichte ihrer Erfahrungen neu regeln… (VATAN)