Vor einem Jahr ging die Meldung vom Tod der Journalistin Politkowskaja um die Welt. Schnell wurde gemutmaßt, dass Putin den Auftrag zur Ermordung gegeben haben soll. Die kritische Journalistin nervte die Mächtigen in Russland schon seit Jahren und ließ sich auch nicht einschüchtern. Nun auf einmal präsentiert die russische Staatsanwaltschaft eine Reihe von Verdächtigen. Das "Ausland" wird beschuldigt den Mord initiert zu haben um Putin in Mißkredit zu bringen.
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Ist der Fall Politkowskaja aufgeklärt? Die Mehrheit der russischen Kommentatoren pflichtet dem Staatsanwalt bei - die Mörder der regierungskritischen Journalistin seien gefasst. Nicht alle folgen jedoch seiner Version, die Drahtzieher seien im Ausland zu suchen.
Moskau - Die Lesnaja Straße liegt da wie leergefegt - auch nach den Festnahmen der mutmaßlichen Mörder von Anna Politkowskaja. Keine Kerzen brennen vor dem Hauseingang, hinter dem sie wohnte, kein Demonstrant fordert weitere Aufklärung. Einzig ein ausländisches Kamerateam dreht vor der Fassade des sechsstöckigen Altbaus. Hier wurde die Kreml-kritische Journalistin vergangenen Herbst von zwei Kugeln in den Kopf getroffen. Sie starb noch im Hauseingang in der Lesnaja Straße.
Die russischen Zeitungen folgen heute in ihrer Einschätzung der Ermittlungen größtenteils den
Angaben von Generalstaatsanwalt Jurij Tschaika (mehr...). Dieser gab gestern auf einer Pressekonferenz die Linie vor - die russischen Medien ziehen mit: Drahtzieher im Ausland wollten durch die Bluttat Russlands Führung stürzen.
Das Regierungsblatt "Rossijskaja Gaseta" titelt: "Kugeln auf dem Ausland". Die zur Gasprom-Holding gehörende, regierungsfreundliche Tageszeitung "Iswestija" beschuldigt in ihrem Aufmacher den Milliardär Boris Beresowski als Drahtzieher, der in London politisches Asyl gesucht hat. Die Wirkung, die Beresowski erzielen habe wollen, sei ihm gelungen. Nach dem Mord an der im Ausland bekannten kremlkritischen Journalistin hatten die westlichen Massenmedien eine breite antirussische Kampagne gestartet.
Quelle: Spiegel online