Anbei Susis Bericht für Euch, den sie eben per eMail übermittelt hat.
-- snip --
Hallo Ihr Lieben,
jetzt muss ich mich erstmal bei allen entschuldigen, die sich die letzten Wochen nach mir erkundigt und sich Sorgen gemacht haben. Leider habe ich momentan keinenZugriff auf TT und einige anderen Seiten, was wohl zum großen Teil an meinem Computer und unserem neuem Telefon- und Internetprovider liegt - lesen kann ich ja, aber keine Nachrichten schreiben!
Hier mal ein etwas ausführlicher Bericht zur Geburt unseres kleinen und stetig wachsenden Yasin Leon, der am 29.09.2007 um 1:25 Uhr mit 51 cm und 3150 Gramm das Licht der Welt erblickte:
OK, wir hatten uns schon damit abgefunden, dass der Kleine sein Einzimmer Appartment nicht so schnell aufgeben will, aber was blieb uns schon anderes übrig!
Am Donnerstag war ich noch beim Doppler - alles supi, Freitag Nachmittag beim CTG - keine Auffälligkeiten! Gleichzeitig holte ich mir noch nen Rüffel meiner FÄ ab, die mir aufrgund meiner erhöhten Blutdruckwerte (waren auch nicht anders als während der gesamten Schwangerschft) riet auch am WE lieber eine CTG schreiben zu lassen, was ja automatisch hieß ins KH zu fahren! Ich habe jetzt noch die drohenden Worte in den Ohren , ungenügende Versorgung des Kindes, Tod ec.! Aber wie auch während der gesamten Schwangerschaft wollte ich mich nicht verrückt machen lassen!
Es wurde Freitag Abend und ich war bereits auf der Couch eingeschlafen als mein Mann mich kurz vor 23 Uhr weckte, weil er noch von senem Arbeitgeber angerufen wurden war und sich tierisch darüber ärgerte, dass seine Arbeitszeiten fürs Wochenende geändert wurden. Na ja, da ich schon beim Aufwachen wieder mal ein Ziehen im Unterleib hatte, verfrachtete ich meinen Mann schleunigst wieder ins Bett und überlegte mir, wie ich wieder einschlafen könnte. Das Ziehen ließ aber nicht nach und so tigerte ich durch die Wohnung. Wehen konten es ja nicht sein, da es sich eher um einen ständigen Schmerz wie Regelbeschwerden handelte. Irgendwann fand ich das Ganze dann doch unangenehm und weckte meinen Schatz, der sofort meinte, wir sollen doch besser ins KH fahren, nur zur Kontrolle. Begeistert war ich von der Idee nicht - wegen dem bißchen Ziehen, lachen die mich dort doch aus! Aber irgendwie meinte die innere Stimme dann doch, geh lieber und so machten wir uns kurz vor Mitternacht auf den Weg!
Ich meinte noch zu meinem Mann, lass den Koffer gleich im Auto, die schicken mich eh wieder heim!
Im KH angekommen, empfing uns erstmal eine sehr gestresst erscheinende Hebamme, die mich ans CTG hing und dann den Raum wieder verließ. Da ich die Werte nicht sehen konnte, machte ich mich erstmal nicht verrückt, als sich das anders anhörte als sonst, aber als mein Mann dann meine, das Gerät ist kaput begann langsam das Zittern!
Die Hebamme kehrte zurück und rief ohne mir etwas zu sagen eine Ärztin mit den Worten hinzu sie habe hier eine Patientin, 40SSW, mit einem CTG, dass "nicht so glücklich sei"! Ok, Ärztin kam, aber der Ultraschall ergab keine Auffälligkeiten und eine mir verabreichte Spritze schien das Ganze zu stabilisieren.
Dann wurde ich in den Kreissaal verbracht, wo mein Mann und ich wieder uns überlassen waren. Ich schickte ihn erstmal doch den Koffer holen - heimzuschicken schienen sie mich ja nicht! Kaum war er zurück sanken die Herztöne unseres Kleinen plötzlich auf 70, diesmal hatte ich ja einen guten Blick auf die CTG Werte. Da nach 20 Sekunden immer noch keiner auftauchte, drückte ich den Notknopf, Hebamme und Ärztin kamen dann auch und ich wurde hin- und hergedreht und mir wurde erneut eine Art wehenhemmendes Mittel gespritzt - Wehen hatte ich ürbigens keine! Nun lag ich da und zitterte mir einen ab (Nebenwirkungen dieses Mittels). Mein Mann stand nur daneben und wusste gar nicht mehr was los ist. Die Herztöne blieben unten und seine Frau lag mit Krampfanfällen auf dem Bett!
Nach 3 Minuten meinte die Ärztin nur, "das hat keinen Sinn, Notkaiserschnitt"! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon die Sauerstoffmaske auf dem Gesicht, da es mit mir auch langsam bergab ging!
So lag ich 2 Minuten später auf dem OP-Tisch, bekam noch mit wie mir die Desinfektionsflüssigkeit über den Bauch geschüttet und eine Kateder gelegt wurde und dann war ich auch schon weg!
Meinem Mann erging es zu diesem Zeipunkt auch sehr schlecht, er hatte noch versucht meine Eltern zu erreichen, war dann in den OP gestürmt, natürlich gleich wieder hinaus komplementiert wurden und saß nun auf dem Flur, seine Frau im OP und nebenan schrie eine andere sich die Seele aus dem Leib weil sie wohl kurz vor der Entbindung stand. Er durfte unseren Kleinen übrigens nach ca. 20 Minuten sehen und ist erstmal gleich umgekippt!
Ich erwachte 2 Stunden später aus der Narkose, von meinem Mann und dem Kind fehlte aber jede Spur, und die Hebamme sagte nur kurz, alles sei OK! Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch keine allzu großen Sorgen, schließlich hatte ich eine ähnliche Situation erst 2 Tage vorher im Fernsehen verfolgt! Mein Mann kam dann auch, meinte nur dem Kleinen gehe es gut und zeigte mir ein erstes Video von ihm und bis auf die Schläuche sah er auch ganz normal, rosig und wach aus.
Erst Stunden später erfuhr ich, dass unser Yasin Leon auf der Intensivstation lag, aber ich wollte immer noch alles positiv sehen - ist ja normal nach dem Not-KS!
Gott sei Dank, habe ich die ganzen Ausmaße der Geschehnisse erst nach und nach erfahren, jeden Tag traf ich neue Ärzte, die schon über mich und meinen Sohn informiert waren und das Ganze als Rettung in letzter Sekunde, sehr viel Glück ec. bezeichneten!
Was war passiert, eigentlich so die schlimmsten Dinge, die passieren können. Meine Plazenta hatte sich gelöst, der Kleine wurde nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, ich blutete nach innen, und außerdem hatte unser Kleiner bereits Mykonium ins Fruchtwasser abgegeben. Meine Schmerzen hatten damit aber nichts zu tun gehabt (vielmehr erscheinen sie mir heute als ne Art Intuition über die bevorstehenden Ergeignisse)! Die Komplikationen waren erst im KH aufgetreten und nur das und der Umstand, dass wir überhaupt dort waren haben unserem Sohn das Leben gerettet. Ich erinnere mich noch, dass ich einige solcher Geschichten vorher lieber überlesen hätte, wenn es um den Tod des Kindes am Ende der SSW genau in so einer Situation ging, heute haben mir genau diese Geschichten aber verdeutlicht, wie viele Schutzengel wir hatten. Von vielen Schwestern wurde uns gesagt, dass es manchmal so Situationen gibt, wo Eltern intuitiv handeln, als würden sie etwas ahnen!
Als Yasin geholt wurde, atmete er bereits nicht mehr und war weiß. Die ersten Blutwerte waren mehr als schlecht und auch der Ultraschall vom Kopf zeigte eine Schwellung des Gehirns, aber unser Kleiner bewies seine Kämpfernatur und strafte allen Aussagen lügen. Nach 3 Tagen konnten die Antibiotika abgesetzt werde und auch die nächsten beiden Ultraschalls waren ohne Befund.
Uns wurde gesagt, dass so eine rasche Erholung mehr als selten sei, aber uns war nur wichtig, dass wir unseren Sohn nur 8 Tage nach den dramatsichen Ereignissen mit nach Hause nehmen durften!
Komischerweise vermisse ich durch den Not-KS nichts, auch dass unsere Sohn die ersten Tage nicht bei mir sein konnte ist mir egal, das wichtigste ist einfach, dass er sich wie ein ganz normales Neugeborenes entwickelt und neurologisch keine Auffälligkeiten zeigt!
Heute bin ich froh, dass ich mich schon vorher mit einer solchen Situation auseinandergesetzt habe (auch wenn das in meinem Umfeld für nicht gut befunden wurde), zum einen weil es mir eine gewisse Angst genommen hat, zum anderen weil ich heute weiß, wieviel Glück wir hatten!
Ich hoffe bald wieder hier sein zu können, schaue zwar manchmal rein, habe aber glaube ich komplett den Überblick verloren was es Neues gibt - außer, dass es anscheinend noch mehr Nachwuchs hier geben wird!
DANKE noch mal der lieben und besorgten Nachfragen!
LG
Susi, Yasin Leon und Osman