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Zitat von cild1
Schubert kenne ich ja aber wer ist der da oben?
Musiker oder Schreiber?
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Hallo cild,
Ian Bostridge ist ein relativ junger, britischer Tenor, der so phantastisch (unter anderem) Schubert singt, dass ich völlig elektrisiert war, als ich ihn das erste Mal hörte.
Obwohl ich's mit hellen Stimmlagen sonst nicht so habe - und sowieso: bei Liedern denkt man unweigerlich an das konzertante Geknödele gesetzter älterer Herren und wendet sich mit Grausen - aber Bostridge ist wirklich toll. Hörenswert. Und plötzlich klingt Schubert gar nicht mehr angestaubt, sondern leicht, klar und ungeheuer beglückend. Was allerdings auch an Bostridges Klavierbegleiter liegt, aber bevor ich das Thema hier völlig verfehle, empfehle ich Dir eine
Hörprobe.
Was mich an dieser Aufnahme spontan schon beim ersten Hören begeistert hat, war "Im Frühling", "Auf dem Wasser zu singen" und der "Erlkönig", aber die übrigen Stücke finde ich ebenfalls phänomenal und teils wunderschön.
Dass der junge Schubert für seine Lieder Goethe-Gedichte vertont hat und Goethe selbst zu Schuberts Lebzeiten nur arrogant darüber hinwegging und überhaupt keine Notiz davon nehmen mochte, weißt Du vielleicht? Wie auch immer, ich find das schon lustig, denn ohne Schuberts Musik wären Goethes Gedichte wohl kaum so bekannt geworden.. aber das steht auf einem anderen Blatt.
Eigentlich wollte ich nur sagen: Deutsch ist sehr viel mehr als das, was einem schlechte, schlampig geschriebene Bücher und Filme suggerieren, und wer die Sprache mag und ihr auf den Grund gehen möchte, kann sich ihr auch über die Musik nähern. Zumal jede Sprache, und natürlich auch das Deutsche, ihre eigene Melodie, ihre ganz besonderen Klänge, Rhythmen und ihren großen Atem hat. Man muss ihr nur erlauben, zu atmen und sich zu entfalten, dann tritt auch das Verborgene zutage - die Leichtigkeit, der Charme, die Wortgewalt und die Tiefgründigkeit, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch aber zunehmend verwischt hat.
lg
anouk
ps Hübsches Beispiel, was die Verflachung von Sprache und das Aussterben von Wörtern anlangt: Neulich hatte ich eine Diskussion mit einem Kollegen, ob es das Wort "Ödnis" gibt. Was er vehement bestritt, er kannte nur "Einöde". Es mag geschmäcklerisch sein, denn von der Bedeutung läuft es auf das selbe hinaus, aber für mein Empfinden macht es einen Unterschied für die Melodie eines Satzes, ob man Ödnis durch Einöde ersetzt oder nicht. Es ändert den Sprachfluss, die Satzmelodie. Und es mag vielleicht arrogant oder elitär klingen, aber Sprache braucht nicht in jedem Fall genormt, gestanzt und auf den einfachsten Nenner getrimmt werden. Sonst könnte man auch gleich ersatzlos zu Kürzeln wie LOL, CU und ILD übergehen - das versteht jeder.. ;)