| wortdurchgangszimmer mar. Unsere mar. |

23.10.2007, 16:54
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TT-Schreck
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Bleib treu...
Bleib treu...
Immer, wenn ich unterwegs bin , werde ich innerlich hellwach .
Es ist so, als würde ich durch imaginäre Labyrinthe laufen, die ihre geheimnisvollen Wege auf meinem Spaziergang meinem Weg anpassen wollten; so als sollte ich da oder dort "anecken" um aufmerksamer zu werden.
Spazierengehen ist für den einen das ziellose Laufen , für den anderen ein Bummel mit gezielter Neugier, die Menschen zu beobachten... auch , um irgendwie "Platz zu nehmen" in dieser bewegten Welt an einem Wochentag mitten in Berlin.
Nach langer Zeit bin ich wieder einmal durch Charlottenburg gelaufen...herrschaftliche Häuser, Gedenktafeln , gepflegte Cafés, S-Bahnbögen mit Nobelgeschäften.... Flatterhaftes herbstliches Wetter war an diesem Tag...Die Sonne flirtete mit dem Glas in den Fenstern , das Licht auf den vielen Scheiben reflektierte und baute sich ein Prisma in der durchsichtigen Luft ...doch sobald man sich einer Strassenecke näherte, wehte ein kalter Wind um die Ecke, so das ich den Mantelkragen hob, um mein Gesicht darin zu verbergen.
Der erste wirklich kalte Tag nach diesem goldenen Oktober. Ich hatte mich mit einer guten , alten Freundin getroffen , die hier in der Nähe wohnte.
Mommsenstraße, Sybelstraße, Leibnizstraße...ein vertrautes Viertel – da wo ich früher Lotti Huber begegnet war, als sie mit ihrem Einkaufsrolli wie jeder andere auch durch den Supermarkt spazierte ,und auch bei Strassenfesten sie auf der Bühne stand und mitfeierte. Ich erinnere mich immer daran, wenn ich mit dem Bus durch die Straße fahre – und ich sagte zu mir selbst, das ich doch noch mal die Briefe von Lotti durchlesen sollte, die hier zu Hause in einer Schachtel zwischen all den Fotos und Papieren liegen. "Ja, ja, ja..." so flog mir gestern ihre Schrift entgegen, als ich ein altes Foto von ihr fand.
Diese Aufforderung zum bedingslosen SEIN macht mich nach all den Jahren immer noch glücklich und vor allen Dingen sicher, daß Leben gelebt werden sollte und nicht, daß unvorhergesehene Geschehnisse im Leben eines Menschen dieses unbändige und wundervolle Leben festkettet, anbindet oder dem Gleichklang einer gelangweilten Zufriedenheit unterordnet.
Mit den Gedanken an Lotti laufe ich weiter und sehe weder rechts noch links. Ich laufe einfach so wie ein Mensch im Dunkel, der den Heimweg kennt ... fast wie in Trance überquere ich Straßen und lasse alle Geschäfte, Cafés, Goldschmieden und Weinläden links liegen. Es ist nicht einfach, sich von einer Minute zur anderen aus dem Leben und aus der Erinnerung eines Menschen davonzustehlen. An diesem Montagmorgen ist es auf den Straßen nicht still. In dieser Gegend gehören die Straßen den Touristen , die im Literaturcafé oder im Kollwitz-Museum verweilen möchten. Der Kurfürstendamm ist bevölkert von Menschen, die in dieser Stadt nicht zu Hause sind; Menschen, die mit aufgerissenen Augen und verzweifelten Gesichtern ihren Stadtplan studieren, immer in der Sorge, sich zu verlaufen...
" Könnten Sie mir weiterhelfen?" Ein Frau mittleren Alters klammerte sich an einem Stadtführer fest und wußte nicht mehr weiter.
Sie suchte die Bleibtreustrasse, ein Café, dort habe sie sich verabredet. Für mich eine willkommene und heitere Unterbrechung meines Spaziergangs und ich änderte meinen Weg ein wenig ab , um die Frau bis zum Café zu begleiten. Natürlich hätte ich auch einfach den Weg erklären können, aber ich war selbst schon lange nicht mehr in der Bleibtreustraße gewesen. Früher hatte ich dort immer die Kinder meiner Freundin aus der jüdischen Grundschule abgeholt. Heute ist die Grundschule längst anderswo und das Eisentor wird nicht mehr von Polizisten bewacht wie damals... Es ist eine Erinnerung, die mich immer beklommen machte...
Erleichtert stimmt die Frau meiner Begleitung zu: so könne sie pünktlich sein, sich nicht verlaufen und vor allem mit einer Berlinerin schwatzen. Ich erzählte ihr kurz, warum ich in Gedanken versunken war und sie hörte aufmerksam zu. Ja, sie könne sich an Lotti Huber erinnern, die verrückte, alte Dame aus dem Fernsehen...Beneidenswert, wie Lotti in ihrem Alter so witzige und auch frivole Statements im Theater zum besten zu geben konnte.
Ja, sagte ich ihr. Dieses "verrückte" Leben macht doch , daß wir wach bleiben , daß wir offene Augen haben und den Mut , immer wissen zu wollen, was hinter dem ganz normalen Wahnsinn des Lebens steckt...
Wer will das nicht: einmal ausbrechen aus Normen und einmal sein eigenes Ich wirklich sehen können, bizarr und absurd Erscheinendes als völlig normal und gleichberechtigt in sich erkennen. Manche können das zu einer Lebensmaxime machen, andere können nur Momente ihres Lebens für diese Verrücktheiten offen halten. Ja selbst, daß ich sie , diese Frau bis zum Café begleitete , ist auch außerhalb des Normalen... Die Regel wäre, das man einem Fremden den Weg erklärt, und nicht unbedingt, daß man bis vor die Tür begleitet wird... Liebhaber mal ausgeschlossen...
"Ja" sagte sie. Und lachte. " Tun Sie oft solche Dinge? Daß Sie ihren Weg ändern oder solchen Gedanken nachhängen?"
Ich zuckte mit den Schultern. "Ab und zu , wenn die Zeit es zulässt und ich das Gefühl habe, das es mir auch Freude machen würde...".
Wir biegen in die Bleitreustraße ein und plötzlich blätterte mein inneres Erinnerungslexikon viele Seiten vor und zurück. Ich schaue die Frau an. " Kennen Sie Masha Kaléko, die Dichterin ?"fragte ich . Sie schüttelte den Kopf . "Tilla Durieux, die Schauspielerin ?" ......................
liebe leser: der text ist zu lang .... HIER könnt Ihr weiterlesen ...
MAR 22.Oktober 2007
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Zwischen thir un angel sol men kejn finger nit arajnschteken jidd. sprichwort
homemar und die TIPPS für Neueinsteiger
Geändert von mar (23.10.2007 um 22:40 Uhr).
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