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AW: pdd Beitrag I
Black and White / siyah ve beyaz
Teil 2
Dann……. Ende des Winters, war plötzlich seine Mama krank. Sie muss ins Krankenhaus, eine OP stand an, es ging um Leben und Tod. Was tun? Soll ich seine Familie unterstützen? Tu ich es nicht? Bin ich ein herzloses Biest? Nein, herzlos bin ich nicht. Das Leben ging weiter und immer so weiter………
Irgendwann landete ich bei google und dem Thema Ehre. Schock. Dann eine zaghafte Frage an den Türkischlehrer. Seinen entsetzten Blick werde ich nie vergessen. Oh Gott, wie komme ich aus dem Dilemma unbeschadet wieder heraus? Keine Chance. Auf dezente Nachfrage nach einem Job hieß es aus der Türkei: „Oh, sorry, darling. Mama hasta. No work.“ Nein, also diesen Sommer nicht. Warten! Was soll ich tun? Der Sommer verging, kein Lichtstreif am Horizont. Besuch war nicht drin, wovon bezahlen? Und außerdem, ich ein Alien in diesem Kaff? Nein, danke. Im Herbst hatte er dann eine neue Idee: Er wollte einen Fortbildungskurs auf der Touristikschule machen oder Uni oder was weiß ich. Hieß dann im Klartext – Anmeldegebühr fällig, Kosten für den Bus? Und wer sponsert das ganze? Richtig. Na ja, dachte ich, Hauptsache weg von der Strasse und den Wettbüros, Mamas Einfluss und was weiß ich. So verging sein Winter in der Askimschule und ich saß im kalten Deutschland. Und das Fernweh und die Sehnsucht wurden immer größer. Bald, dachte ich, bald kommt der nächste Sommer. Erst aber ging der Winter ins Land, dann kam der Frühling. Irgendwann dachte ich dann, jetzt ist der Kurs bald vorbei, jetzt muss er sein Zeug packen und auf geht’s zum Arbeiten nach Antalya. Ich wagte also die Frage, wann……….? Yok! Wie, was ist das denn jetzt! „Ich muss nach Georgien, Praktikum machen. Diesen Sommer keine Arbeit“ Oh nein, schon wieder nichts. Natürlich kaum Kontakt, kein Geld, kein Kontör, Internetcafé teuer, kannst du nicht, ein letztes Mal, ich gebe dir im Sommer, söz ver!…..? Natürlich nicht diesen Sommer, nein nächsten: ‚anam avradım olsun’. Zuletzt hörte ich von ihm aus Istanbul. Bei einer Schwester sei er, einer von vieren. Am Anfang waren es noch drei. Zurück kann er nicht. Es fehlt an Reisegeld. Ja, und einen Bandscheibenvorfall hatte er kürzlich auch noch. Der natürlich auch operiert werden musste.
Ich weiß nicht echt mehr weiter. Wie wird das nur jetzt werden?! Und diesen ganzen langen Winter... Er ohne Arbeit - sagt er. Kann ich ihm glauben? Stimmt das, was er erzählt? Oder arbeitet er längst und lügt mich an? Wo ist er wirklich? Ich dreh mich noch im Kreis, bin total durcheinander. Hab oft irgendwas geantwortet auf Arbeit. Die Kollegen lachen schon. Verdammt! ich will mein Geld zurück. Und die ganze Zeit war da auch noch mein Mann…!“
Die Rothaarige wusste eine Weile nicht, was sie sagen sollte. Dachte an ihre Freunde in der Türkei, die sie auf ihrer letzten Reise wieder besucht hatte. An Murat, der ihr damals aus der Krise geholfen hat, nachdem ihr Mann mit einer jüngeren ein neues Leben beginnen wollte. Diesen Blick, diesen verschwörerischen Blick und die Geschicklichkeit, mit der er die Situation in diesem kleinen Laden gerettet hat. Was wollte der Chef ihr damals für unmögliche Schuhe verkaufen, grässlich. Und abends hat er ihr dann seine Stadt gezeigt – voller Stolz wie ein kleiner Junge, dabei ist er nur unwesentlich jünger als sie. Und geredet haben sie, ohne Ende. Dann hat sie seine Freunde kennen gelernt, die alle so lieb zu ihr sind. Und die Fahrten quer durchs Land. Entweder mit irgendwelchen geliehenen Autos oder mit dem Bus. Sogar nach Pamukkale ist er mit ihr gefahren, weil es für ihre Schultern gut war. Obwohl es ja hasst wie Pest an diesen Touristenorten. Immer so voll, und die ganzen Engländer, die tun, als gehörte die Welt ihnen. Ach, und diese Fürsorge, die sie bei ihrem Mann nicht gehabt hat. Der war nur besorgt, wenn er Angst hatte, sie könnte ihm zur Last fallen, ihr Husten ihn nicht schlafen lassen und so Scherze. Nein, was Herzlichkeit und Wärme bedeutet, hat sie gerade erst wieder erlebt. ..
Zum gleichen Zeitpunkt saßen am anderen Ende dieses Geschehens in der Türkei zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, mit ihren Freunden beim Tee. Der eine sprach mit tiefer Befriedigung in der Stimme, in der Stimme des Anderen schwang unverkennbar Sehnsucht: „Schon wieder ist ein Sommer zu Ende gegangen!“
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