| wortdurchgangszimmer mar. Unsere mar. |

22.11.2006, 13:19
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TT-Schreck
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AW: die Legende von Romeo und Julia
Zitat:
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Zitat von AylinDeniz
Ok kannst kommen, der Tee ist fertig, Pass versteckt, aber Junior zeugt für mich
LG Aylin
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aylin-julia meinst du , er würde auch kaffee trinken...frag mal so ganz beiläufig .... und ....wie kann man einen kontrolleur bestechen :-P
mar-julia
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Geändert von mar (22.11.2006 um 13:25 Uhr).
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22.11.2006, 20:04
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TT-Schreck
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AW: die Legende von Romeo und Julia
Zitat:
Zitat von AylinDeniz
Liebe Mar-Julia
Ich denke, dann hilft nur noch eins, ab in den Keller mit den beiden. Der müsste doch bestimmt mal wieder aufgeräumt werden und an diesem besonderen Tage, wenn Ottoman dann kommt, ist das eine gradezu unumgängliche Aufgabe.
Aber das mit dem Geheimtipp hört sich gut an, ich glaube ich werde dich dann doch bald mal besuchen kommen
Herzlichst Aylin - Julia
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gerne, da machen wir eine schöne sause dort, der sänger ist ein schnuckelchen und die lieder machen die augen feucht.... ausserdem ist es nur 3 minuten zu fuss zu mir nach hause.... also raki- orgie..... wir finden den weg auch im dunkeln
MAR
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22.11.2006, 22:24
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AW: die Legende von Romeo und Julia
Liebe Mar, meldet euch hieß es,…..steht’s zu diensten,…:smile:
Shakespeare einer meiner Lieblingsdramatiker,…Romeo und Julia, ist eine Legende und Mar folgt als Julia, nur wo ist Romeo? Ich denke wir suchen an einer falschen Stelle, weil sicherlich hat Romeo auch einen 2`ten Vornamen oder gar einen dritten? Vielleicht nennt er sich ja ROM, klingt ein wenig technisch. So als ob ROM in die EDV untergetaucht ist. Aber ja das könnte es sein, ROM ist im Internet, vielleicht auch unter uns, das Internet die Plattform die doch alles bietet und jener ist dort zu finden. Klingt ein wenig zu groß die Verlockung um jetzt ROM zu suchen, aber eigentlich suchen wir ihn doch gar nicht, er wird sich schon schleichen und sich nähern. ROM ein netter Name, Romeo, Romantik, Rom die Stadt, Romane,….passt alles zur Mar,..nur wer ist Mar, ich habe bei der Suche nach Romeo die Hauptdarstellerin Mar vergessen, die auf jeden Foto anders wirken tut, sich selbst kaum wiedererkennen kann. Lass dich nicht irren von einer Momentaufnahme, da sind wir jetzt bei dem Thema Moment, - eigentlich nur ein Augenblick, was soll mir dieser Augenblick sagen oder mir zeigen? Das passt doch wirklich nicht zu unserer Mar, sie ist nicht nur der Moment oder der Augenblick, sie ist ein leben Lang und keine Legende. Ich kenne sie? Nein ich habe ihr noch nicht in die Augen geschaut, oder sie angetickt ob sie sich bewegt. Aber in ihren Zeilen erkenne ich sie. Ich kann zeichnen im meinem Kopf, dieses Zeichnen ist nicht schwer, erfordert auch keine Grundpraxis.. Soll ich sie mal zeichnen,..
Als erstes fällt mir der Begriff „Philosophie“ ein,….und am Anfang war die Frage Wer bin ich? Ich beschäftige mich nicht mit Philosophie, aber meine Mutter umso mehr, ein wenig rumgestöbert bei ihr im Bücherregal und siehe da, ich habe ein Buch zur Hand, „Sofies Welt“ Das ganze Abenteuer läuft darauf hin „Wer bist du?“ Der Mensch hat in der ganzen Philosophischen Geschichte diese Fragen gehabt. Wer bin ich? Was bin ich? Was haben die anderen, was ich nicht habe? Was unterscheidet mich? Im Entdefekt kann man meinen es ist ein „Menschen Problem“ Als Beispiel; Was ist das Leben? Der Tod? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Wenn ja, was für ein Leben ist das? usw. Zum Schluss sind das alles Dinge die einen Menschen interessieren. Ich denke Mar interessiert sich dafür. Man könnte sagen Philosophie, wurde von Menschen gemacht und ist nur für Menschen. Aber all diese Themen die man durch geht „Für den Menschen“ wenn wir diesen Begriff nutzen, bitte wer ist der Mensch? Wer ist Mar? Wie kann ich wissen wer Mar ist, wenn ich die anderen vorher genannten Sachen nicht weiß?
Wenn ich in die Geschichte der Philosophie schaue, Socrates „Kenne dich“ war der Vorschlag. Descartes hatte mit seinen Dasein selbst Zweifel „gibt es mich?“ Wittgenstein ging mit der menschlichen Sprache auf den Weg. In diesem ganzen System und deren Hauptsteller sind Menschen und zu diesen Menschen gehört Mar so zeichne ich. Ich dagegen bleibe bei Yunus Emre „bir ben var bende, benden iceri“ Ein ich ist in mir drinnen, noch mehr als ich reinlasse. (Wenn ich das mal nicht falsch übersetzt habe) Ich könnte jetzt Mar und Yunus als eine Zwiebel betrachten, die kann man schälen und schälen und folglich bleibt die Zwiebel immer eine Zwiebel.
… und Mar bleibt immer eine Mar, auch wenn sie vier oder fünf Vornamen hätte.. ;)
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22.11.2006, 22:35
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TT-Schreck
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AW: die Legende von Romeo und Julia
liebe lale, das ist ja eine so schöne antwort, ich bin sehr gerührt. vor allen weil du yunus emre erwähnst- und auch die zwiebel, ein synonym für die vielschichtigkeit .
ja ich weiss, ich habe heute ein bisschen am bildposting gespielt, habe alle julias meiner familie präsentiert... das ist schön, das es aufgefallen ist... denn alle haben ja etwas mit mir zu tun. es sind immer momentaufnahmen, und die zeit kann man ja ehe nicht festhalten- bilder im kopf sind immer nur bilder von bildern und die zeit die man auf einem foto festhält , zeigt immer nur die zeit einer zeit....also sind die fotos im profil immer nur sequenzen meines lebens in das ihr alle reinschauen könnt...
danke für dein posting lale und ich werde mich bemühen mar einen festen platz zu geben....
MAR
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23.11.2006, 12:42
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AW: die Legende von Romeo und Julia
"Es ist der Nachtexpress, nicht die Lerche" und eine weitere Korrektur ;
die erwähnte Geschichte ist nicht von Shakespeare, sondern von Veli Cekbir, der sie 1917 unter dem Titel "Rahmi ve Hülya" während eines Spaziergangs in Yenicesme sang. Ein Engländer schnappte die Geschichte auf und gab sie als englisches Kulturgut aus.
So war das, so viel Zeit muss sein...
Ich glaube Rahmi wohnt jetzt in Duisburg - Meiderich. Bei Bedarf kann ich seine Adresse ermitteln.
Kenan Rosenkrantz und Güldenstern
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23.11.2006, 12:57
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zweites frühstück !
Letzte Woche hatte ich Euch das Dessert versprochen, nach der aufgewärmten Suppe hatte ich ja eine Woche Zeit, mir ein Rezept zu überlegen.
Und ungewollt bin ich in eine ganz "alte" Zeit hineingeschlittert, gestern, als ich Julia und Romeo aufleben lassen musste , es war einfach gestern wie im Theater, wenn der Startenor sagt: heute bin ich sehr angeschlagen, lässt lieber die Primadonna meinen Part singen...( Tenöre sind so zickig , das weiss ich aus eigener Erfahrung...)
Das hat mich ein bisschen an meine Zeit erinnert, als ich noch eine Kunstgalerie und ein Künstlercafe mit einer Theaterbühne in Berlin hatte und man tatsächlich so eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung den Bühnenvorhang neu installieren muss.
First Part: MAR auf der Leiter in schwindelnder Höhe , den Schlagbohrer in der Hand und unten stehend der Künstler des Abends, der aus lauter Panik, das seine Vorstellung ausfallen würde, an den Fingernägeln zu kauen begann.
Ist zwar nicht das leckerste, aber es hat ihn offensichtlich beruhigt.
Schweissperlen auf der Stirn, Schritt für Schritt stieg ich dann die Leiter hinab, geschafft.
Second Part: Abendkasse. Im Rücken unsere angesäuselte französische Bardame ( wir wissen ja, der Rotwein...! ) drängelnde Besucher im handtuchgroßen Cafe, direkt daneben in der Küche gingen Teller zu Bruch, das Klopapier staute sich in der Gästetoilette, jemand hatte die Hintertür offengelassen und wildfremde Menschen warfen Blicke in die Künstlergarderobe, wo gerade die Pianistin noch einmal den BH zurechtrückte- ein spitzer Aufschrei ihrerseits, als sie durchs Fenster in wildfremde Männeraugen sah... und MAR überall gleichzeitig sein müssen...das auch noch in hochhackigen Schuhen , mit den putzverschmierten Händen von der Vorhangmontage mal schnell durchs Haar gestrichen- die Lacher waren nicht auf meiner Seite- aber endlich, endlich . Der Herr Künstler gab das Signal zum Anfangen, die kleine Tresenklingel rief den letzten Cafe-Gast zum Rendezvous mit der Muse ( "nehmen Sie doch Ihr angebissenes Brötchen mit in den Saal.... geht schon –hier eine Serviette ").... Türe zu.
Kassensturz gleich....die Gage muss ausgezahlt werden, nachher, wenn alles vorbei ist , wenn man am Habitus der Pianistin das Gefühl hatte, es hätte Rubinstein persönlich gespielt...
Aber das ist später. Nach diesen unglaublichen 60 letzten Minuten vor dem Bühnenvorhang brauchte ich erst einmal eine Pause. Herrlich! Das Cafe ist leer, ein zwei verprengte Stammgäste vom Wohnhaus gegenüber hocken beim Bierchen an der Theke, ich suchte mir die alte Ledercouch in der hintersten Ecke und genehmigte mir einen heissen Tee.
Third Part: Die Künstlergarderobe ist verwaist, der angetragene Smoking hängt traurig und zerdrückt auf der Stange, die billige Schminke von "Frau Rubinstein" liegt verstreut vor dem blinden Spiegel ; warum müssen Künstler denn immer nur so schlampig sein?
Alle sind auf und davon. Die Luft ist zum Schneiden dick. Die französische Bardame kichert mit Stammgast Nr. 1 ( ich sehe das nicht so eng.... er ist ein alter Feinschmecker, Giselle ist sicher nur das Appetitshäppchen, der Hauptgang steht zu Hause auf dem Tisch...) Ich sperre ab und lass die beiden allein... müde bin ich.
12 Uhr nachts. Wie komme ich jetzt nach Hause ? Warum ist es denn schon wieder so spät geworden.
6 Uhr ist die nacht für mich vorbei. Von Schönheitsschlaf keine Spur- kaum hingelegt, klingelt der Wecker schon wieder.
Rein in die Dusche , kaltes Wasser, denn schließlich sollte ich gut ausgeschlafen wirken, wenn ich meinen Brotjob nachgehe.... Die 10 Minuten, die ich mich noch einmal kurz umgedreht hatte, haben keine Wunder bewirkt. Ich brauche meinen Kaffee- ach was , ich brauche das Doppelte von dem, was sonst in meinem Kaffee chemisch an Coffein als Inhaltstoff nachweisbar ist.
Vorhang . Ende. Verbeugung . Abgang.
Ps. Ach ja, das Dessert! Das habe ich fast vergessen...
Im realen Leben, so wie zu der Zeit meiner kleinen Galerie-Bühne konnte ich in Laufe des Abends nur Tee oder Saft trinken... so etwas ist einfach professionell , sagt man in der Branche .
Aber hier, im TT, da lehne ich mich zurück auf meiner Couch, der zickige Tenor ist Legende,
" Frau Rubinstein" spielt jetzt tatsächlich im Boston Philharmonischen Orchester, Rosenstolz sind berühmt geworden, das Cafe ist zum Reisebüro mutiert für exklusive Schiffsreisen...Was kümmert mich das alles .
Ich sitze hier nach dieser gelungenen Vorstellung von Romeo und Julia (danke den Akteuren ! ) ... und geniesse mein Dessert: Champagner
Champagner für Alle !
Aufs Haus natürlich....
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Geändert von mar (23.11.2006 um 13:31 Uhr).
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23.11.2006, 13:19
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AW: die Legende von Romeo und Julia
Zitat:
Zitat von nAn-coeur Kenan
"Es ist der Nachtexpress, nicht die Lerche" und eine weitere Korrektur ;
die erwähnte Geschichte ist nicht von Shakespeare, sondern von Veli Cekbir, der sie 1917 unter dem Titel "Rahmi ve Hülya" während eines Spaziergangs in Yenicesme sang. Ein Engländer schnappte die Geschichte auf und gab sie als englisches Kulturgut aus.
So war das, so viel Zeit muss sein...
Ich glaube Rahmi wohnt jetzt in Duisburg - Meiderich. Bei Bedarf kann ich seine Adresse ermitteln.
Kenan Rosenkrantz und Güldenstern
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ich habe das pferd von der falschen seite aufgezäumt... das ich da nicht draufgekommen bin, wieso muss romeo mich finden... ich könnte ihn suchen gehen!
wie aber auch kann ich Romeo ausfindig machen, wenn er immer seinen Familiennamen ändert...., Herr Romeo Güldenstern -nan-coer- Rosenkrantz , als aristokratischster user des TT ( was das zurückhaltende wesen des postings betrifft) bist du so schwer aufzufinden... vornehm vornehm... da liege ich vielleicht doch nicht so ganz falsch, wenn mar-julia- julia-mar sich dieser feinen art des stillen zuschauens anschliesst und dann , und aber auch nur dann huldvoll mit dem spitzentuch wedelt, wenn herr m ontagues sich als kenan unters volk mischt...
wir brauchen mehr von dir . die regierungszeiten sind schwer, oh romeo.
MAR
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28.12.2006, 09:21
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Reisen- wohin?
Seit mehreren Jahren statte ich mir ab und zu selbst einen Besuch ab in meinem Leben . Am Ende des Jahres, aber auch zwischendurch , wenn man die Gepflogenheit hat, einen Kehraus zu machen. Sich selbst aufzuräumen , zu ordnen, zu verstauen , aufzustapeln, zwischen einem gemütlichen Chaos sitzen zu können , mit einem Augenzwinkern seine ungelösten Fälle in die „fremden Hände“ seiner eigenen Detektei zu legen...Wie macht man das , fragen mich die Menschen?
Wie kann man bei sich selbst zu Gast sein? Ist es nicht schon schwer genug, bei sich zu Hause zu sein?
Man muss, um sich als Gast aushalten zu können, sich selbst einmal anders sehen lernen. Man sollte sich das Abenteuer gönnen, auch einmal von aussen an die Tür klopfen. Ein Zwiegespräch führen mit sich, eine eigene Ansprache halten.
Die schönste Gelegenheit sich als Gast sehen zu lernen, ist die einer Reise in ferne Gefilde. Fern, das kann mitunter schon die nächste Stadt sein, in der Dich niemand kennt ,aber wo Du schon mit beschwingteren Schritten mit Deinen Füßen den Asphalt berührst und mit frechem und trotzigen Blicken einer Neugier standhalten kannst, der Du in Deinem eigenen Umfeld möglicherweise mit Abwehr reagierst.
Wer will sich schon in die Karten, oder in den Kochtopf gucken lassen ...Hier in der momentanen Ferne kannst Du Dich anders spiegeln , anders sehen, mit Dir fremd sein, um bei Dir selbst wieder ankommen zu können. Noch ferner wäre ein anderes Land, grenzüberschreitend feststellen zu können, das Du Dich mitgenommen hast und trotzdem bereit bist, eine andere zu sein?
Ja , wie ist man Gast bei sich selbst und wie kann ich vermitteln, das ich jetzt ,ausgerechnet jetzt mein eigener Gast bin, das ich jetzt , ausgerechnet jetzt ganz intensiv reflektieren möchte, was ich sehe?
Viele Möglichkeiten tun sich da auf. z.B. das Schreiben- für mich wie die Atemluft ....immer auf Wortreisen...
Wortreisen, die erschütterlich tief sein können und plänkelnd oberflächlich ... Ich springe beim Schreiben vom Ich zum Du und meine doch Jeden und mich selbst. Ich möchte mich nicht an grammatikalischen Felsen festkrallen und schere aus den Regeln eines Duden manchmal ziemlich dramatisch aus. Grenzwertig fremd sind manche Überlegungen.... Aber halt! Fremd- das ist schon wieder eine neue Reise wert...
Papierreisen. Aufschreiben und bewahren wollen, was sonst flüchtig wäre, das Dahingeträumte und Dahingesagte...Sätze und Absätze trennen fein säuberlich das vermeintlich Wichtige vom Unwichtigen. Punkte , Kommata, Gedankenstriche zeigen dem Leser an, das hier und dort das Leben unfertig ist und vielleicht sogar so bleiben muss- unfertig und wartend. Weil es fliesst und weil es lebt . Weil es sich verändert, Tag für Tag, um doch das Gleiche bleiben zu können.
Sichtreisen. Augen, die ringsum schauen und ablichten, was kein Fotoapparat je auf ein Bild bannen könnte. Millionenfach gleiten meine Augenlider über meine Pupillen. Ein Leben lang „fotografiere“ ich die Welt, ohne gebührend erklären zu können , was ich sehe, was ich sah...Jeder Augenaufschlag verlangt einen anderen Fokus, weil in den Sekunden eines Augenblickes sich die Welt verändert hat. Das kennen wir alle. Kinderspiele, Verstecken, die Hände vors Gesicht. Aus dem Augenblick der Dunkelheit blinzelt man in den Tag und begibt sich auf die Suche nach den Freunden, die eben noch da waren –aber jetzt versteckt sind. Sekunden wechseln vom Licht zum Schatten und umgekehrt.
Geruchsreise. Ich folge dem olfaktorischen Reiseführer ins Reich der Gerüche. Spuren aus Molekülen, die mich Dank ihrer Intensität sogar in die kleinsten Winkel einer Stadt locken, weil es da nach etwas duftet, was ich noch nicht kenne. . Oder weil da etwas Fremdes in meine Nase steigt, was mir Signal ist, dort ja gerade dort nachzuschauen. Nicht alles auf einer Geruchsreise hat Stationen, die ich ein zweites mal frequentieren würde, aber die Erinnerung speichert sich ab – gibt mir ein Zeichen. Man muss nicht alles versprühen , um seine Duftmarke zu setzen.
Gastreisen. Anzeigendeutsch und belustigend klingend nach 5-Gänge-Menü und Nachtisch aus der Dose. Fremde Betten, die knarren und Matratzen, die durchgelegen sind. Obwohl ich es weiss, das diese Nächte in fremden Betten Schlaflosigkeit und entsetzliche Rückenschmerzen nach sich ziehen, liebe ich es , dem Flüstern und Knarren des Gebälkes eines Fremdenzimmers zu lauschen, vielleicht unter dem Bett einen liegengebliebenen Zettel zu finden, wenn ich das zerwühlte Kopfkissen am Morgen vom Boden aufklaube. Gast sein – das klingt nach Gastfreundschaft. Ein schönes Wort- zwei Worte , die sich nicht ausschliessen- Freundschaft und Gast- aus dem fremden Gast wird ein Freund....
Was schreibe ich nur ständig auf , und was will ich damit sagen? Die eigene Reise, die Augenblick an Augenblick fügt und wie ein Film einen Abspann verlangt, eine Liste von Protagonisten, von Statisten und Beleuchtern, diese Reise ist nicht zu Ende.
Ich breche aus. Ich breche aus dem konventionellen Leben aus und gehe mit meiner Phantasie auf Reisen. Manche Reisen, die jetzt noch folgen sind schlussendlich die Quintessenz aus all den Widersprüchlichkeiten des Lebens, die allerdings in die richtige Reihenfolge gebracht, ihrer Widersprüchlichkeit trotzen.
Im neuen Jahr sitze ich schon wieder auf gepackten Koffern- mit einem Koffer reise ich wie auf dem fliegenden Teppich nach Istanbul und gehe all den Dingen nach, die mich in meinem Leben aufgespürt haben und sich als Sehnsucht in mir abgesetzt haben.
So viel Ungesagtes wartet dort auf mich. Ungesagtes, was ich von hier mit dorthin nehme als Worte, Träume und Wünsche, die auf allen Wortreisen noch keine Haltestation fanden...Dort findet jedes Wort seine Bestimmung...
Die Reise zu sich selbst, mein eigener Gast zu sein in einem fernen Land ...diese Reise folgt einer Einladung, die ich mir selbst vor Jahren gab. Ich werde in der Dämmerung durch die Stadt streifen um im richtigen Moment die Augen zu öffnen, genau dann, wenn das Licht dem Versteckspiel ein Ende bereitet. Wenn die Sonne aufgeht und das Tosen einer Stadt mir den Atem nehmen wird vor Erstaunen.
Das, was die Stadt mir geben kann , wird festgehalten in den Momenten der Augenblicke.
Die Stadt dort draussen wird ihre Stadtgrenzen erweitern, sie wird sie ausbreiten in mir und mich durchdringen und die Wellen des Bosporus werden emotionale Überschwemmungen in mir anrichten. Das wird anfangs ein fremdes Gefühl sein, das, um in mir heimisch werden zu können, vorerst mit dem Gästezimmer meiner Sehnsüchte vorlieb nehmen muss.
Ich errichte als Mitbringsel mit den Hinterlassenschaften menschlicher Träume ein Labyrinth, welches mit Photos und Licht-und Schattenspielen, mit Gerüchen und mit Geräuschen hier in meiner Berliner Welt die unlösbaren Rätsel des eigenen Lebens für Momente Fremden zugänglich macht . Fremden, die Gast sein können . Gäste, die bleiben können .Als Freunde.
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01.01.2007, 17:44
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TT-Schreck
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Teil 1 - Der Tag danach- oder warum Erol nicht sterben darf
Die Überschrift sollte Euch nicht schockieren, dies ist kein Aufruf oder gar ein Angriff auf Eure Brieftaschen.... das ist der gestrige Tag von MAR, die heute den Tag "danach" hat.....
Und auch wenn es der Silvesterabend war und nicht ein Allerweltsabend ; ich packe die Geschichte mal in das Wortdurchgangszimmer und nicht zu den Jahresendthreads , weil ich bitte in Anlehnung an die Möglichkeit der Endlosigkeit von Geschichten auch noch nach Silvester mit Sicherheit einem Morgen danach gibt ....vielleicht nicht so dramatisch angehauchte, wie Milva es mal besungen hatte , aber immerhin; unsere Leben sind voller Geschichten und kleinen Tragödien, die wir , um sie besser erklärbar zu machen in VORHER und DANACH einteilen. was auch immer wir als Danach oder Vorher bezeichnen. .Also , wenn immer Ihr solche Geschichten vom Tag danach habt: her damit !
Gestern wollte ich eigentlich einen ganz ruhigen und beschaulichen Abend alleine zu Hause verbringen, diesen Vorsatz fasste ich letzte Woche, weil ich die Knallerei und die "Hasenjagd" nach Passanten auf der Strasse gar nicht abhaben kann.
Dann aber , Mar , also ich, ( ich sollte nicht in der dritten Person von mir sprechen...) als Kurzentschlossene , und typisch für die Eigenwilligkeit, dem Moment des letzten Tages im Jahr , doch noch in seiner Besonderheit auf den Grund zu gehen ....und aus einem zufällig gegebenen persönlichen Anlass stieß diesen Vorsatz gleich noch am gestern um.... Ich genehmigte mir nämlich eine Flasche Yakut ( OK, nur die halbe ist es hier zu Hause geworden...) schlüpfte nach ausgiebigem Bad in ein enges Schwarzes, bemühte mich die Haare zu bändigen, was mir nicht gelang , griff zur Schere und schnitt dann auch noch in einem kurzen Moment von Dummheit meinen Pony zu kurz ab... ne aber auch...! So blieb dann nichts anderes , als mich der Frisur anzupassen, und gab dem kleinen Schwarzen einfach mit einer langen Perlenkette einen Hauch von Nostalgie.... Mit Hilfe einer Maquillage gelang es mir langsam das das Gesicht einer Dame aus den 30-igern dem Spiegel zu entlocken.
Voila... der Ponyverschnitt war kaschiert . Prüfender Blick... OK. Damit keine Missverständnisse aufkommen, das Café, welches ich spontan aufsuchte, ist bekannt für schöne nostalgische türkische Musik, klassische Musik und alten Liedern aus Istanbul ala Zeki Müren...das passen Spitzenhandschuhe , Hut und eben das kleine Schwarze.
Das einzige Paar Hochhackige an und natürlich die roten Spitzenhandschuhe übergestreift... und hinaus in den Rachen der Großstadt, die Feuer spie und mit lautem Getöse und Böllern ihrer Opfer harrte... Menschen wie ich, die zusammenzucken, wenn es plötzlich zischt und merkwürdig riecht und dann..... bommmm! Kichern im Hausflur, wo die kleinen Rabauken und zu Kindern gewordenen Erwachsenen sich ergötzen an dem Erschrockensein. Nur heute darf man das....also schnell noch einen Böller hinterherschicken! Das enge Schwarze erweist sich nicht besonders als sportliches Outfit und meine ungeübten Beine in Absatzschuhen geben auch nicht das her, was sie sonst so können, wenn es ums schneller laufen geht...
Gott sei Dank ist das Café gleich um die Ecke...man folgt den größeren Familienautos , zwei Stretchlimosinen, superschicken Frauen , schulterfrei ( bei diesem Wetter! ) und den Ehegatten mit den Kindern im Schlepptau. Es ist ja nicht nur Silvester, sondern auch Kurban Bayram. Familienfest.
Das ist schon eine ganz besondere Atmosphäre; ich glaube gerade weil diese spontane Überlegung, einer netten Einladung zu folgen , sich im nachherein als äußerst ergiebige Quelle für etliche Geschichten herausstellte... Situationen und Menschen in einem Café: die Tische geflittert und mit Luftballons in einen imaginären Schwebezustand versetzt...Menschen jeden Alters und jeder Couleur fallen sich mit Worten in die Arme, welches ich nur als zwitschern wahrnehmen kann, des Türkischen nicht mächtig, aber was soll es...
Mein Gastgeber, der Namensvetter unseres kleinen Internetromans hier im Forum
( http://www.turkish-talk.com/philosop...-der-text.html ) der sich übrigens darüber amüsierte, das Anouk ihn schon jetzt am Anfang sterben lassen wollte , saß schon an einem kleinen Tisch, in Blickrichtung Mitte des Saals- er war allein, irgendwie hat hat er kein Glück mit seinen Fatma’s . Fatma Nummer 1 folgte Fatma Nummer 2 , dann eine Fatime, dann wieder eine Fatma... und als ob es dieses Jahr so in sich hat; das Jahr neigt sich dem Ende ohne Fatma.
Aber Erol wäre nicht Erol, er ist trotzdem den Freuden des Lebens nicht abgeneigt , und möchte das neue Jahr mit Spaß und einer gehörigen Portion Heimweh nach Istanbul begehen...( das Heimweh nach Istanbul ist eine ganz kleine, wenigstens zu 50% Ausrede, sich eine Flasche Raki zu ordern. Die Damengesellschaft der Familie Dilek am Nebentisch äugte etwas erschrocken hinüber, als noch meine Flasche Yakut ( die ich folgerichtig nach der von zu Hause geöffneten Flasche bestellte) . Ich musste innerlich doch schmunzeln, weil ich daran denken musste, wie wunderbar sich doch diese Posen in die folgenden Episoden des Romans übertragen lassen würden, wenn denn Erol nicht sterben müsse...mein kleines Schmunzeln blieb nicht unbemerkt und die Nachfrage beantwortete ich sehr artig mit dem Fortgang des Romans ( also das muss ich doch schnell einflechten- der echte Erol ist natürlich ganz und gar einverstanden, hier verewigt zu werden) .
folge zum Teil 2  im nachfolgendem posting;-)
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01.01.2007, 17:46
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Teil 2 - Der Tag danach- oder warum Erol nicht sterben darf
TEIL 1 BITTE  nicht vergessen
Nachdem ich ihm seinen möglicherweise frühen Tod prognostiziert hatte, setze er sich aufrecht und mit unglaublich ernster Miene in seinem Stuhl zurecht. Langsam griff er in seine Hosentasche und holte einen Revolver heraus. Mir wurde es ganz heiß und kalt ... Mindestens 250 Gäste waren im Raum , Volkan sang gerade Cicek Pazari und schlitterte mit geübten Schritten zwischen den Tanzenden auf dem Parkett unsere Richtung... er hatte uns erspäht und wollte Hallo mit dem Mikrofon in der Hand zuwinken, auf unseren Tisch zusteuern und mit seelenbetörender Stimme mein Herz erreichen , denn Cicek Pazari und Istanbul Sokak sind meine Lieblingslieder – Ein wenig stolperte er mit seinen Worten den Noten hinterher, wohl möglich, das er die Waffe sah, die Erol jetzt hob und einfach in Richtung Saalmitte zielte. Scheisse.... jetzt passiert etwas , dachte ich. Ist eine Fatma aufgetaucht oder eine Fatma zuviel da, oder .... Er drückte ab .
Ein leises Zischen, eine kleine zitternde Flamme - und ein Zigarettchen glimmte in seinem Mundwinkel. Die jüngere Dame der Familie Dilek war ebenso wie ich nicht ganz von diesem Spaß eingenommen und fast gleichzeitig atmeten wir tief und erleichtert auf.
Jetzt machte sich ein Lachen breit auf diesem Gesicht, die Grübchen wurden tiefer, das Lachen wurde breiter, die Haltung wieder legerer... vorbei der Spuk. "Also Erol nicht so einfach sterben, immer noch leeeebendig, bitte sagst Du das diese Schreiber von Roman...ich bin Türke, Türke nicht so einfach aufgeben."
Cicek Pazari war verklungen; Volkans angedeuteter Handkuss auf meinen rotbehandschuhten Händen ( die übrigens meine raue Haut vom Saubermachen am Vortag vorzüglich versteckte...) machte Frau Dilek, die Jüngere, ganz eifersüchtig. Das machte mir den aufrechten Sitz und die nonchalante Pose sehr leicht.
Eifersüchtige Frauen , die auf einen Blick ihres Gesang-Idols warten , können mitunter gefährlicher werden als wenn der Mann mal gerade fremdgeht ( das sieht sie ja meist nicht..., wohl aber wenn die Frau am Nachbartisch vom Star des Abends nach dem Befinden gefragt wird... ) oh oh
die Sonne verfinsterte sich ...
Dafür flackerten die ersten Sternchenfeuer auf , die ersten Obst-Etagerien würden serviert, und es waren eine Menge Obst-Etagerien, die immer als ein untrügbares Zeichen von Raki-Konsum am jeweiligen Tisch zeugten ( Melonen, Äpfel, Weintrauben) .
Die Kinder, derer nicht wenige waren, tanzten selbstversunken oder mit dem wunderbaren orientalischen Hüftschwung um die Tische herum; ein roter Luftballon landete auf meinem Kopf, eine kleine Prinzessin im weißen Tüllkleid und unwiderstehlichem Lächeln holte ihn sich ab... Es wurde warm im Raum,
die Musik heizte mächtig ein, jetzt bedauerte ich zum ersten Mal das ich das enge Schwarze gewählt hatte , kein Lufthauch passte zwischen Stoff und Haut... Auch auf Erols Stirn zeichneten sich Schweissperlen ab...Seine Augen wanderten mal zu dem und zu jenem, ein freundliches Kopfnicken in die Richtung, dann in die andere Richtung, eine Lage Raki wurde geordert für die Kapelle und für Geschäftsfreunde hinter dem großen grünen Defne-Baum aus Kunststoff. Das große weiße Taschentuch glitt über Erols Stirn und er beugte sich etwas über den Tisch, um mir etwas zu sagen. Aber ich hörte nur die Geige und die Tabla, das Stampfen der Füsse und mein Handy klingelte , zwar lautlos aber das blaue Blinken machte mich trotzdem nervös . Ich stand auf, um in den Flur nach draußen zu gehen. Dabei erhaschte mein Blick die Tischgesellschaften hinter mir und auffällig in unsere Richtung vor sich hinschauend eine Frau mittleren Alters im silberglänzendem Gewand und so rotgeschminkten Mund, das man schon sagen musste, das sie garantiert nicht zu übersehen war. Ich stand in der "Schusslinie" wenn man die Linie zwischen Erols Blicken und den Augen der Frau so nennen darf. Und es war eine Schusslinie.
Da ich erst einmal mit dem läutendem Handy nach draußen lief, entging mir die erste Szene des Schauspiels. Mehr oder weniger spielte sich eine Tragödie ab, die leise und nonverbal aber dafür um so eindringlicher, das ich förmlich fühlen konnte, das diese Frau und Erol sich kannten. Er wandte sich mir wieder zu, nachdem ich zurückkam und sagte mir, das er die Frau kenne.... Fast tonlos fragte ich: "ist das eine Fatma?" Und er flüsterte mir wieder zu und ich konnte des Lärmes wegen nur die Lippen ablesen: " nein, eine Hülya".
Ups. Diesen Namen höre ich zum ersten Mal. Erol nahm den Stuhl und rückte etwas näher an mich heran.
" Diese Frau mich haben wollen, lange Zeit, immer mich gucken , immer andere Leute fragen , ob ich verheiratet bin, andere Leute wissen mich nicht , meine private Leeeeben geheim. Aber immer wenn ich Abrechnung machen will, sie ist da und will meine Nähe sein. Ich mag diese Frau nicht. Nicht mein Geschmack. Und jetzt sie ist dort und seit ich sie sehe , sie trinkt eine Raki nach dem anderen. Schaut mich in meine Augen und trinkt ohne meine Augen zu verlassen. Scheisse..."
Na ja, meine Neugier war größer und wie so in solchen Fällen tut man so, als fiele etwas herunter und man schickt einen Blick wie heimlich und schaut , was Sache ist.
Jetzt erst viel mir auf, das der lange Blick auch vom Betrunkensein herrühren müsste.
Langsam erhob sie sich , und ich muss schon anerkennend sagen, sie konnte fast gerade laufen, und sie steuerte genau auf unseren Tisch zu. Erol, der Mächtige, der durch nichts zu Erschütternde, der Herr im weißen Anzug , der Kindskopf mit dem spitzbübischen Lachen, Erol, der noch NIE in der Öffentlichkeit getanzt hat ( " ich bin schwere Mensch , ich tanze nicht... mit schwer meint er seine Seele...) , also dieser Erol sprang wie eingeölter Blitz auf, zerrte mich auf die Tanzfläche, breitete seine Arme aus, wie ein Greifvogel und begann eben nach guter alter türkischer Sitte zu tanzen und zu stampfen und stieß mich immer weiter in den Pulk der Menschenmenge hinein.
Meine Arme flatterten ebenso in der Luft, meine Handgelenke nahmen die türkische Staatsbürgerschaft an und konnten wie von selbst graziös den Rhythmen folgen, so als hätten sie nichts anderes getan. Und plötzlich.... plötzlich war Erol verschwunden. Abgehauen ....Ich drehte mich alleine mit Frau Dilek, der Älteren und Frau Kaya mit Kind auf dem Arm in einem Reigen.
Manno, wo ist dieser Bursche abgeblieben ? Die Musik war zu Ende, die betrunkene Frau, die zwei-dreimal unseren Tisch fassungslos umkreiste, weil niemand auf den Stühlen saß, lief besonders zielstrebig und langsam in Richtung Ausgang und dann sah ich sie noch durch die Fensterscheiben hindurch, wie sie im Dunkel des Hotelhofes verschwand. Der nette Kellner fragte mich besorgt, ob alles in Ordnung sei, weil ich so mutterseelenallein und mich den nun schadenfrohen Blicken von Frau Dilek, der Jüngeren ausgeliefert sah. Evet, evet, alles in Ordnung.
Aber wo zum Teufel ist Erol abgeblieben? Ach schau, da war er plötzlich wieder in freudiger Eintracht , mit dem Fotografen, der mit einem Papier-Rosenstrauss und einer Sofortbildkamera seine Runde drehte ... Erols Blick ging ringsum , Aufatmen, die Frau war weg. Mit einem triumphierenden Blick, als hätte er gerade die Schlacht von Troja gewonnen, setzte er sich , natürlich in markanter männlicher Pose auf seinen Stuhl und schaute mich mit seinen Augen und einem Schalk darin an....
"Wo warst Du?" ...."Auf der Toilette, da was ein kleines Fenster und ich immer durchgeguckt habe, das diese Hülya weg ist. Frau ist Katastrophe. Ihr Kollege war auf Toilette und hat mir gesagt, das Hülya ganz schockiert war, Erol mit Frau hier zu sehen. Niemand weiß, das wir nur Freund sind und keine verheiratet, aber egal.... Hülya ganz eifersüchtig und traurig und trinken und dann mit mir sprechen wollen.....ich habe so auch gedacht und deshalb lieber wegrennen zum Tanzen..."
Darauf einen Yakut und einen Raki. Sherefe.
Erol, Erol, diese Situationskomik ist einfach unbezahlbar. Es wäre unverzeihlich, wenn Erol jetzt stürbe in unserem Roman. Das Leben schreibt die besten Geschichten. Ich bin sicher, das man da noch einiges erwarten kann von ihm. Spätestens wenn Fatma Nummer 4 auftaucht. Also liebe Anouk, Erol lässt Dich herzlich grüßen und zwinkert Dir lausbübisch zu. Du weißt, was das bedeutet. Es heisst: lass mich bitte am Leeeeeeeben!
ps: das holprige Deutsch ist kein Restalkohol in meinem Blut sondern das "tarzanische Deutsch", wie Erol es immer nennt....
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Zwischen thir un angel sol men kejn finger nit arajnschteken jidd. sprichwort
homemar und die TIPPS für Neueinsteiger
Geändert von mar (02.01.2007 um 19:02 Uhr).
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