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wortdurchgangszimmer mar. Unsere mar.

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Alt 02.01.2007, 09:40
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AW: Teil 2 - Der Tag danach- oder warum Erol nicht sterben darf

...................gelöscht
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Geändert von mar (24.02.2008 um 17:31 Uhr).
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Alt 02.01.2007, 20:50
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AW: Teil 2 - Der Tag danach- oder warum Erol nicht sterben darf

Das ist doch wahrhaft eine amüsante Geschichte,die das Leben schreibt.
Ich habe mich köstlich amüsiert
Anhand zahlreicher Beispiele,in diesem Fall ist es der "Protagonist" Erol,kann man ersehen,dass das ganze Leben eben ein Roman ist....
Oder sollte ich doch lieber Komödie hinschreiben????
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Alt 02.01.2007, 21:45
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AW: Teil 2 - Der Tag danach- oder warum Erol nicht sterben darf

Ich schließe mich Thomas Bernhard an: "das leben ist eine tragikomödie":-)
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  #34 (permalink)  
Alt 26.03.2007, 19:28
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heute


heute
habe ich bemerkt
das die tür
schief in den angeln hängt...
wieso ist mir das
noch nie
aufgefallen...




Ein Frühlingstag nach meinem Geschmack. Die heiße Tasse Kaffee am Morgen, der junge Tag mit seinen Geräuschen, alles schwirrt und lacht und singt. Nun sitze ich hier in meiner Küche und halte die alte Tasse in der Hand, die den Umzug nicht ganz unbeschadet überstanden hat, und mit einem Riss , der längs das Porzellan spaltet , mir jeden Tag ihr Gebrauchtsein und ihr Alter anzeigt... Jedes Mal denke ich, heute...., heute wird sie die Wäsche im Geschirrspüler nicht überstehen- aber sie schafft es jedes Mal...Sie ist meine Unendlichkeit, diese Tasse. Mit ihrem farbigen Figuren lacht sie in den Tag hinein , in den Frühlingstag...
Es ist endlich Frühling!

Und dann folgt die Ernüchterung- dreckige Fenster, grauer Schleier von Wintertagen, ein Balkon ist ein Balkon ist ein Balkon, wenn er bewohnbar wird.... ok, Wasser, Gartenschlauch, Blumenerde...ich will arbeiten, ja, das will ich jetzt , sofort, heute- damit ich morgen draußen sitzen kann und mich in den Erinnerungen einwickeln kann ...Wie war das im Sommer...? ... Wie war es, als das Zimmer im Freien nach Erde duftete und selbstgedrehten Zigaretten ...Wie war es, als der Rauch aufstieg ins Nichts ...Wie war es, als das Mauerwerk schwer nach der Hitze roch...Wie war die lautlose Nacht vor dem großen Spiegel , dort, wo das Kerzenlicht flackerte und Pfingstrosenduft zarte Duftspuren in den Raum warfen...Wie war das, als ich schweigend mit den Glas Rotwein seitenweise Texte las, die mir ein Gedankengeschwister bescherte... Wie war das , als mir dieses Haus ganz plötzlich wirklich Heimat wurde, durch diesen Wein, durch diesen Rauch, durch diese Worte, und nach fast einem Jahr endlich mir das Gefühl verhieß, das sich etwas mit mir verschmolz, was ich bisher nicht gekannt hatte. Dieser fremde Geruch der Wohnung verflog. Jetzt bin ich hier . Seit ich hier wohne , bin ich hundert Jahre alt.


Warum in aller Welt wohne ich in einem alten Haus, mit alten Fenstern ,mit alten hölzernen Fensterrahmen, mit Messingknäufen, die quietschen und mit alten Geschichten, die unter den Tapetenschichten abgelagert sind. Sie sind überstrichen, übertüncht...Löcher wurden in die Wand geschlagen, vergipst und repariert ... und das schon über ein Jahrhundert lang. Und trotzdem ; jede Unebenheit spricht zu mir, es sind kleine Geschichten und Gedichte, Seufzer unerwiderter Lieben, die nie ausgesprochenen Gefühle, die wie kleine weiße Gespenster durch meine Gedanken huschen und eigentlich gerne ein buntes Kleid tragen möchten.
Wie kann ich aus Tagträumen und einer fernen Zeit bunte Gewänder zaubern? Wie kann ich diese Türen und Fenster , diese dicken Mauern mit meinen geflüsterten Gedanken durchdringen ? Mit schwerem Gerät bringe ich der Mauer Wunden bei , ein Zehner-Dübel dringt in das bröckelnde Mauerwerk . Warum mache ich das? Mir ist nicht wohl dabei und doch muss ich es tun. Irgendwie möchte ich mich arrangieren mit diesem Haus und seinen alten Wänden, ich muss ein bisschen der Moderne einen Platz einräumen. Versöhnt sich das Bild mit der alten Wand? Ich denke schon.... Melancholie .

Ich gehe durch diesen langen , schmalen Gang , vorbei an Bildern, kleinen Gemälden und Steinen, vorbei am Strandgut vergangener Urlaube am Meer. An einem kleinen rostigen Nagel hängt ein Relief, und dort an anderer Stelle ein Kalender neben der tickenden Uhr... Zeit, Zeit, Zeit , Zeit tickt sie und die leeren Spalten im Kalender sagen nichts, aber auch gar nichts aus über die Jahre, die dieses Haus auf seinem Rücken trägt. Wie so vieles im Leben in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.
Man schließt und öffnet Türen, wie man Lebensabschnitte öffnet und schließt. Die Türen sind hoch und hundert Mal überstrichen worden, sie hängen im Rahmen und irgendwer hat sogar die bunten Glasfenster überstrichen, die in der Zeit des Jugendstils in die Türen eingelassen wurden...Bequemlichkeit, vermute ich, so muss man keine Scheiben putzen. Aber ich möchte gern die Uhr zurückdrehen und so sollte ich mir doch mal die Zeit nehmen, die weiße Farbe anzukratzen und die kleinen in Glas eingelassenen Rosetten in ihrem grün, rot und quittegelb erstrahlen zu lassen.

Ja, so werde ich das machen... Ich trete in den Flur, und im Gegenlicht , welches durch die geöffnete Küchentür in den Korridor flutet, sehe ich sie, die schiefe, in den Angeln hängende Badezimmertür. Wieso habe ich das noch nie bemerkt? Erst jetzt, nach vielen Monaten wird mir gewahr, das die Wände zwar der Zeit trotzten, aber diese alte Holztür hat sich verbogen.

Durch die Feuchtigkeit im Bad, durch den Dunst von wohlriechenden Bädern,; vielleicht hingen dort immer die nassen Handtücher der Familie Sahin, die hier mal wohnte, mit 4 Kindern und 4 Erwachsenen. Viel Wäsche wahrscheinlich...diese Nässe ,die wird in die Holztür eingedrungen sein. Sie hat Einiges hinterlassen, die Familie Sahin... Die Tür zur zweiten Wohnung, hindurch durch eine Häuserwand , hindurch zu einem anderen Haus... die Tür die man nur über zwei Stufen erreichen kann...Familie Sahin hat eine Tür aufgestoßen, im wahrsten Sinne des Wortes, denn als dann der Bruder nachkam aus Anatolien, wurde die Familie recht bekannt mit ihrer Bäckerei, so eine der ersten in Neukölln.
Familie Sahin hat mir aber auch ein Stück von ihrer Erinnerung geschenkt, denn auf dem Hängeboden fand ich alte Kinderschuhe, wahrscheinlich war das ein perfektes Versteck für eines der Kinder...und ein Kinderkleidchen, selbst genäht, fand ich im Verschlag...bunt gestreift mit kleinen weißen Spitzen am Ärmel. Ich habe es aufbewahrt. Es liegt in einer Schublade, frisch gewaschen und als Erinnerung an die alte Zeit an eine Ayse, Zülal, oder Meryam. Wer weiß, was aus dem Mädchen geworden ist...Zeit , Zeit, Zeit tickt die Uhr.

Stunde um Stunde geht meine Zeit an diesem Frühlingstag spazieren; sie löst sich vom Vertrauten, vom Alltäglichen und legt sich in Ritzen dieser Wände. Ich lasse hier etwas von mir zurück, etwas , was überdauert. Kein Kinderkleid oder einen vergessenen Schuh, nein, es sind meine Gedanken, die vollgesogen sind vom Leben und der Lust nach der Liebe. Vollgesogen vom Rauch der letzten Zigarette und vom letzten Wort.
Die schiefe Tür , das ist mein Dasein. Ein Leben zwischen Offen und Geschlossen. Lichtspaltbreit eine Verheißung zum Paradies des Lavendelseifenduftes. Dunkelheit am Wintermorgen, Schutz vor Zugluft , dem Sturm im Haus des Alltäglichen .Selbst der alte Riegel hat sich dem verbogenen Holz angeschmiegt, er schließt noch und ich bin sicher, er wird auch noch weitere hundert Jahre schließen, selbst wenn die Tür sich weiter neigen wird. Manches passt einfach zusammen. Das ist so. Da braucht man nichts zu hinterfragen.

MAR 2007
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Geändert von mar (26.03.2007 um 19:34 Uhr).
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AylinDeniz (27.03.2007), marion42 (27.03.2007)
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Alt 26.03.2007, 21:01
cild1
 
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AW: heute

Zitat:
Zitat von mar Beitrag anzeigen

heute
habe ich bemerkt
das die tür
schief in den angeln hängt...
wieso ist mir das
noch nie
aufgefallen...



Durch die Feuchtigkeit im Bad, durch den Dunst von wohlriechenden Bädern,; vielleicht hingen dort immer die nassen Handtücher der Familie Sahin,
MAR 2007
Wie verrückt baden die Türken, als wären ihre Badezimmer Hamams, Stunden um Stunden!
Meine Mutter war chronisch beleidigt als ich ihr mit nun schon 13 Jahren verkündete: nein Mama, heute keine Kese, ich schaffe das alleine!

Ansonsten , Mar, Du kennst ja jede Ritze deiner Wohnung, inniglicher gehts doch gar nicht!

Ich denke schon.... Melancholie .
Natürlich ist das Melancholie, Du bist ja auch eine Orientalin!
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mar (26.03.2007)
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Alt 26.03.2007, 21:14
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AW: heute

Das scheint wohl der Frühling zu sein Mar und du lebst ihn ganz anders aus, mit all seinen Facetten, weil du mittendrinnen stehst und den Geruch der Melancholie einatmest.

Vielen Dank für diese Zeilen, einfach schön zu lesen..

Cild, ich kam noch nicht drauf, aber du hast es "orientalin" ;)
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mar (27.03.2007)
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Alt 27.03.2007, 11:12
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...mar, dich zu kennen ist ein geschenk!
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mar (27.03.2007)
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Alt 27.03.2007, 11:28
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Zitat:
Zitat von Theta Beitrag anzeigen
...mar, dich zu kennen ist ein geschenk!

theta ,was soll ich da sagen.... denn wenn ich deine gedichte lese, bin ich jedes mal fasziniert und würde am liebsten tausend danke drunter drücken... allein meine weibliche zurückhaltung hat mir einen strich durch die rechnung ( deine rechnung) gemacht. aber ich weiss, du schreibst wie ich für den wind, damit er die verse über die erde verteile, ohne jede erwartung und ohne jede gier nach ruhm... für deine verse muss ich dir danken...denn auch sie sind inspiration zur lebensfreude...

MAR
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  #39 (permalink)  
Alt 27.03.2007, 11:49
Zehirli_cicek
 
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Mar,

wenn ich deine Texte lese möchte ich nicht dass sie aufhören....
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mar (27.03.2007)
  #40 (permalink)  
Alt 27.03.2007, 11:51
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mar mar ist offline
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AW: heute

Zitat:
Zitat von Zehirli_cicek Beitrag anzeigen
Mar,

wenn ich deine Texte lese möchte ich nicht dass sie aufhören....
ich hoffe doch, das nun auch von dir weiter schöne geschichten folgen werden, mit sonne sonne sonne ....

MAR
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