§ 219a: Ein Denunziant sorgt sich um seinen Ruf

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von Bintje, 15 Februar 2019.

  1. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Vor der Hamburger Pressekammer sollte heute ein Prozess gegen die Hamburger Pro Familia-Vorsitzende, Journalistin und ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Kersten Artus starten. Aber der wurde kurzfristig abgesagt. Der Kläger, ein 29-jähriger Mathematikstudent aus Kleve, der sich in den vergangenen Jahren unter dem Decknamen "Markus Krause" einen fragwürdigen Ruf als emsiger Denunziant zahlreicher Frauenärzt*innen erarbeitet hat, kündigte eine Klageerweiterung an.
    Mit seiner Aktion gegen die Hamburger Pro Familia-Vorsitzende will er erreichen, dass sein längst bekannter Klarname nicht genannt werden darf und aus der Öffentlichkeit verschwindet.
    Das dürfte trotz der für ihren rigiden Kurs bekannten Hamburger Pressekammer nicht leicht werden. Denn Strafanzeigen gegen Frauenärzt*innen, die über Abtreibungen informieren, bezeichnet der Mann als sein "Hobby" und gibt gern auch mal Interviews. Zum Beispiel in einem Gespräch mit der taz:

    Da der Mann selbst offensiv vorgeht, darf zum Beispiel "Buzzfeed" nach einem Gerichtsentscheid weiterhin seinen Klarnamen nennen. Dieser Tage hat auch das "Hamburger Abendblatt" die Hintergründe beleuchtet:
    https://www.abendblatt.de/hamburg/a...4V_XFeNx4V_Ok784t1t-4TOzQL3OSTzkm9em9eNqJbEYw

    Yannic H. alias "Markus Krause" ist nicht der Einzige, der es Gynäkolog*innen und Frauen in Not schwer macht. Der zweite Heckenschütze in der Szene radikaler Abtreibungsgegner lebt in Baden-Württemberg. Aufgrund der mutwilligen Kriminalisierung von Frauenärzten durch die beiden Männer gibt es immer weniger Ärzte, die Abtreibungen anbieten. Das gilt selbst für Großstädte wie Bremen. Zwar dürfte sich die Lage durch den Kompromiss zum § 219a StGB künftig wieder entspannen, aber unbefriedigend ist die Regelung allemal. Und für Ärztinnen wie die Gießener Gynäkologin Kristina Hänel, die von "Krause" angezeigt und zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wurde, kommt der sogenannte Kompromiss zu spät.
    Der ganze unselige Paragraph gehört für meine Begriffe ersatzlos gestrichen.

    http://www.spiegel.de/politik/deuts...-auf-kompromiss-die-diskussion-a-1243481.html

    Unterdessen machte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Kabinett mal eben fünf Mio. Euro für Studien zu den "seelischen Auswirkungen" von Abtreibungen locker. Als gäbe es die nicht längst.
    Passender Kommentar dazu bei pinkstinks:
    https://pinkstinks.de/wie-abtreibun...ydTaRsGkvW4wIPFEGFB7sr1kiYIoUVSSIcNS8GvgyQSE#

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  2. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Der Paragraph stammt aus dem Jahr 1933 und gehört abgeschafft.

    Das Bundesverfassungsgericht hat das schon vor über einem Jahrzehnt wie folgt formuliert: "Wenn die Rechtsordnung Wege zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen durch Ärzte eröffnet, muss es dem Arzt ohne negative Folgen für ihn möglich sein, darauf hinzuweisen, dass Patientinnen seine Dienste in Anspruch nehmen können." Karlsruhe hat recht. Der Paragraf 219a muss weg.

    Link

    Diese Denunziation gibt es doch nicht nur an den hier genannten Orten, zahlreiche Mahnwachen vor Praxen und Pro Familia sind inzwischen üblich.

    Übrigens in Frankfurt gerne mal durch Nazis vom Balkan, begleitet.

    Frau Hänel ist davon auch betroffen.

    Zu dem Hobbybundeskanzler sage ich besser nichts mehr.
     
  3. Msane
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    Msane Well-Known Member

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    "Tattoos entfernen, Piercings stechen, Zähne bleachen, ungewollte Kinder aus der Gebärmutter rauskratzen ... unsere Privatleistungen, machen Sie noch heute einen Termin!"

    Nein kein Bedarf an Werbung für Schwangerschaftsabbrüche.


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  4. Bintje
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    Bintje Well-Known Member

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    Ich wage zu behaupten, dass du keine Ahnung hast, wovon du schreibst und vermutlich erst wach wirst, wenn's deine pubertierende Tochter dereinst betreffen sollte.
    Dies ist ein ziemlich aktueller Bericht von Sommer 2018.

    Die zehn Minuten kann mal mal aufwenden, aber falls nicht: Die Gesamtsituation im Bundesgebiet findet man(n) ab 4:20", ab 7:25" geht's um das Beispiel Bremen. Das dortige Pro Familia-Zentrum fand trotz bundesweiter Suche keinen einzigen Arzt, der Abbrüche vornehmen wollte.
    Zurzeit hilft ihnen ein pensionierter Arzt aus Münster, der eigens nach Bremen pendelt.
    Das ist die Realität.
     
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  5. Msane
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    Msane Well-Known Member

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    Es ist richtig das die Hürden für eine Abtreibung hoch sind, das ist kein alltäglicher 0815 Eingriff, bei jeder Abtreibung stirbt ein Mensch.


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  6. Msane
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    Msane Well-Known Member

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    Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft

    § 219a StGB lautet seit seiner letzten Änderung zum 16. Juni 1993 wie folgt

    (1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise

    1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder

    2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung

    anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Absatz 1 Nr. 1 gilt nicht, wenn Ärzte oder auf Grund Gesetzes anerkannte Beratungsstellen darüber unterrichtet werden, welche Ärzte, Krankenhäuser oder Einrichtungen bereit sind, einen Schwangerschaftsabbruch unter den Voraussetzungen des § 218a Abs. 1 bis 3 vorzunehmen.

    (3) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht, wenn die Tat gegenüber Ärzten oder Personen, die zum Handeln mit den in Absatz 1 Nr. 2 erwähnten Mitteln oder Gegenständen befugt sind, oder durch eine Veröffentlichung in ärztlichen oder pharmazeutischen Fachblättern begangen wird.

    Die Vorschrift soll verhindern, dass der Schwangerschaftsabbruch in der Öffentlichkeit als etwas Normales dargestellt und kommerzialisiert wird.

    Auszug aus:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Werbung_für_den_Abbruch_der_Schwangerschaft

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  7. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Diese Jungs sind sehr sehr krank.
     
  8. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Ab und zu wird bedauert das die Welt sowieso übervölkert ist. Wieso sollen nun ungewünschte und deshalb vielleicht ungeliebte Kinder die Erde noch mehr bevölkern.
    Geliebte, gewünschte und herbei gesehnte Kinder sind doch viel besser, auch für die Gesellschaft.
     
  9. eruvaer
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    eruvaer Well-Known Member

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    Jeder der sich beim Frauenarzt über Abtreibungen informiert, wird über die Tatsachen aufgeklärt. Bekommt Infobroschüren, teilweise auch von Abtreibungsgegnern.
    Es geht wohl nicht um Reklametafeln am Hauptbahnhof, wohl aber darum Frauen aufzuzeigen wo sie hingehen können.

    Er jetzt sagt "Aber das weiss man doch!" möge sich bitte informieren, wie viele Tiere nicht ins Tierheim gebracht werden, sondern in die Wildnis entlassen, angekettet dem Tod überlassen werden oder vor den Tierheim nachts den Tod finden.
    Ungewollten Babys geht es trotz Babyklappen auch oft nicht besser.
    Und es kommt auch immer wieder vor, dass besonders junge Frauen versuchen durch Gewalt, Drogen oder Magersucht dafür zu sorgen, dass das Kind in ihnen stirbt.

    Warum sind es überhaupt so oft Männer, die sich so stringent gegen das Thema Abtreibung äussern? Mag das mangelndes Einfühlungsvermögen und das Fehlen der Möglichkeit schwanger zu werden sein?

    Ich will absolut kein Kind. Niemals!
    Aber Abtreiben könnte ich nicht. Emotional könnte ich nicht mit dem Gedanken leben mein Kind ermordet zu haben. Ethisch könnte ich es nicht vertreten.
    Aber es steht mir nicht zu anderen zu verbieten, was ich für mich als falsch empfinde.
    Es gibt genug Gründe, die eine Frau dazu bringen diesen Schritt gehen zu müssen.
    Und jede von ihnen sollte Informationen dazu bekommen und nicht das Gefühl haben auf der kriminellen ebene eines Pädophilen oder gar drunter zu stehen.
     
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  10. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Ich meine, von der Frau Hänel habe ich das Killerargument in dieser Sache, und das ist durchaus nicht tricky:

    Über die Leistungen einer Frauenärztin zu informieren ist ja wichtig auch gerade für die, die sich von „so einer“ auf keinen Fall behandeln lassen wollen. Die anderen kriegen's eh’ raus.
     
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