Amerikanischer Bürgerkrieg

Dieses Thema im Forum "Politik- und Geschichtsforum" wurde erstellt von Mendelssohn, 3 Juni 2020.

  1. Mendelssohn
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    Der Sezessionskrieg von 1861-1865 war streng genommen kein Bürgerkrieg, sondern ein Krieg zweier Staatenbündnisse. Die Abspaltung von der Union hatte nur in zweiter Linie mit der Sklavenfrage zu tun, denn nicht einmal Lincoln dachte daran, Sklaverei und Sklavenwirtschaft stante pede im Südosten der Vereinigten Staaten abzuschaffen. Primär ging es den Südstaaten um die verbriefte Souveränität der Unionsmitglieder, also der Einzelstaaten gegenüber der Zentralregierung, also darum, dass der Bund nicht über die Belange und die Gesetzgebung der Einzelstaaten entscheidet. Zwar hat das seperatistische Staatenbündnis, das den Krieg erklärte, eine vernichtende Niederlage erlitten (dies auch dank der Buffalo Soldiers, zahlreicher politischer und Wirtschaftsflüchtlinge aus Europa und Natives, die sich allesamt ein besseres Leben ohne Sklaverei, Lynchjustiz und neo-aristrokratischer Gesellschaftsstrukturen versprachen), aber um den Preis gewisser Zugeständnisse: der Gouverneur ist z. B. immer noch nicht zum Befehlsgehorsam gegnüber dem Präsidenten verpflichtet und gegen den Willen des Gouverneurs kann der Präsident kein Militär in den Staat versenden (für bestimmte Anlässe steht dem Gouverneur deshalb die Nationalgarde zu Verfügung, die er anfordern kann). Die Souveränität des Einzelstaats gegenenüber dem Bund gründet sich wiederum auf der Souveränität des Einzelnen gegenüber dem Staat, die man per Verfassung verteidigen darf. Auch darum hat die private Waffe Tradition. Sie schützt nicht nur vor Banditen, sondern auch vor einem übergriffigen Staat. Eines der stärkste Argumente der Rifle Lobby, warum Trump jetzt im Bunker sitzt: nun muss er selbst die Geister fürchten, die er rief.
    Nicht nur seine Wähler sind hoch bewaffnet und tief enttäuscht. Im ganzen Land bunkert ein riesengroßes Waffenarsenal und die Produktion steigt mit jedem neuen Twitter. Noch nie war meines Erachtens die Gefahr für einen wirklichen Bürgerkrieg in den USA so groß wie unter Trump, also einen Krieg der Bürger, nicht der Staaten, gegeneinander, in der Polizei, Nationalgarde und das große Militär sich am Ende positionieren müssen.
     
  2. EnRetard
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    Trump wird versuchen, das N****r-Problem mit einer Kombination aus Wahlrechtstrickserei und brutaler Gewalt lösen. In seinem Weltbild sind sie Untermenschen. Entsprechend wird er vorgehen. KKK mit dem Staat im Rücken.
     
  3. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Überleg mal: Trump versteckt sich im eigenen Land vor seinen Bürgern im Bunker. Wenn hier die Kanzlerin im Bunker säße und ihr Gang zur Kirche mit Tränengas freigeschossen würde, während andernorts Demonstranten totgeschossen und erste Discounter geplündert werden, würden wir von bürgerkriegsähnlichen Zuständen sprechen.
    Für viele Amerikaner, einschließlich Trump, scheint das Normalität zu sein. So wie es für die Schwarzen in den USA zur Normalität gehört, willkürlicher Polizeigewalt ausgeliefert zu sein.
    Du hast natürlich Recht: mit der Bibel in der Hand hat Trump den KKK aufgestachelt und damit die gesamte amerikanische weiße Unterschicht, deren einziges Privileg darin besteht, jedem Andersfarbigen ungestraft eine reinhauen zu können, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.
    Die Corona-Krise hat die traditionelle Armutskrise in den afroamerikanischen Milieus extrem verstärkt. Inzwischen gibt es mehr als 40 Mill Neuarbeitslose, die meisten dort, wo es keine Reserven gibt. Darum der Waffenboom und darum der Präsident im Bunker. Bunker-Wahlkampf ist so ungefähr das Absurdeste, was ich mir vorstellen kann. Aber so wirds kommen, denn die Straße brennt.
     
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  4. EnRetard
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    Ich sehe die Schwarzen an Bäumen baumeln oder zu Tausenden tot auf der Straße liegen. Ganz im Ernst. Ich bin ganz pessimistisch.
     
  5. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Sascha Lobo scheint das ähnlich zu sehen.
    Ich will dir sagen, was mich mutig macht, dass die Amerikaner keinen wirklichen Bürgerkrieg wegen Trump riskieren: Obama hat 8 Jahre Präsidentenamt überlebt. Acht Jahre hatte er überzeugte Bodyguards, die ihr Leben für ihn gegeben hätten. Acht Jahre hat es der KKK nicht geschafft, einen Scharfschützen erfolgreich zu plazieren, weil die schwarze Security smarter war. Inzwischen ist die schwarze community auch in der Breite zu smart geworden, um sich widerstandslos wie in den Sechzigern aufknüpfen zu lassen. Wenn es sein muss, schießen sie so scharf wie KKK, und die Kniefall-Fraktion unter Cops und Nationalgarde sollte auch nicht unterschätzt werden. Nicht jeder Cop ist Rassist, nicht jeder General ist Rassist, nicht einmal jeder Republikaner. Powell und Condolezza waren für Bush Jr. mehr als Alibiminister, sie waren seine politischen Stützen und Strategen im verlorenen Irak-Krieg.
    Bevor die Amerikaner gegeneinander in den Krieg ziehen, werden sie Trump absägen. So oder so. Er hat als Versager und Bankrotteur keine Chance. Vaterlandsverrat und Wahnsinn wäre nur hinnehmbar, wenn es sich auszahlt. So nicht.
     
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  6. EnRetard
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    Obama ist eine Hassfigur für die Rechten, aber Michelle Obama noch viel mehr. Während er von einem Einwanderer aus Kenia abstammt, hat seine Frau Sklaven als Vorfahren. Dass sie brillant ist, elegant, selbstbewusst, passt so dermaßen nicht in ihr Weltbild, dass sie noch mehr polarisiert. Ich würde sie dem weißen Amerika als Präsidentin wünschen.
     
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  7. Mendelssohn
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    Macht das Obama weniger zum Amerikaner als seine Frau oder weniger leidgeprüft als sie? Was interessiert einen Rassisten, ob der "Neger" aus Kenia, Chicago oder Halle kommt?
     
  8. Mendelssohn
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    Es ist natürlich kein Zufall, dass die Pandemie allgemeine soziale Verwerfungen verschärft und dort am erfolgreichsten wüten kann, wo man seit jeher auf die "natürliche Auslese" angesichts begrenzter natürlicher Ressourcen setzt. D. h. die trumpsche Ideologie arbeitet der Pandemie zu Lasten der Schwachen zu. Wenn die Schwachen infolge der Pandemie allerdings zu viele werden, die Sterberate also unter der Radikalisierungsrate liegt, dann werden sie zu einer politischen Kraft. Der Widerstand könnte so kraftvoll werden, dass Trump seines Amtes enthoben und wie Honecker in den Knast muss. Ist von heute aus betrachtet kaum vorstellbar, aber das war es vier Wochen vor Honeckers Inhaftierung auch nicht - trotz Mauerfall.
    Das Militär hat sich inzwischen positioniert und wird nicht für Trump auf Amerikaner schießen. Bürgermeister und Gouverneure auch nicht. Trump steht kurz davor, dass sein Twitter-Account gelöscht wird. Er hat fertig. Oder das Land kommt nicht zur Ruhe.
     
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  9. Skeptiker
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    Ich wußte nicht, wo ich es hinpacken sollte, denke aber hier ist es am besten aufgehoben.

    Dieser Beirtag von Trevor Noah hat mich sehr zum nachdenken gebracht, vor allem weil er zwei rassistische System aus eigener Erfahrung kennt.

     
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  10. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    The Domino-System ...
    das ist das historische Verständnis der Zuspitzung von Klassenkonflikten.
    Jeder Rassismus ist eine Subform des Klassenkonflikts.
    Jeder Krieg ist Resultat eines Klassenkonflikts.
    Die richtige Begriff für Bürgerkrieg wäre vermutlich Klassenkampf, der in den 1860er Jahren noch national geführt werden konnte. Die Zeiten sind, wenigstens für "den Westen", einer - ungeachtet grauenhafter Rechtsverstöße - historisch gewachsenen "Wertegemeinschaft", vorbei.
    Was "der Westen" begreifen muss: es braucht das gute Beispiel, um überzeugend zu sein. Wer Demokratie überzeugend lehren will, muss sie vorleben - so weh es tut. Wie z. B. gerade, als ein vielleicht 8-10-jähriger Junge an meiner Hecke vorbeiging und ein Hallo hereinrief wegen des Hundes (der dann zu bellen anfing). Der Junge war allein, etwas spät kurz vor acht, um noch in der Stadt allein unterwegs zu sein, vielleicht Roma, vielleicht Syrer ... und was war mein erster Gedanke: die Haustür ist offen. Ich habe mich für mich selbst geschämt.
     
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