Demografische Entwicklung

S

sdost

Guest
Spricht man in Deutschland von einer drohenden Überalterung der Gesellschaft, hat man den Eindruck, als würde in anderen Ländern alles in Ordnung sein. Ist dem so? Japan beispielsweise ist eher und im viel stärkeren Maß von der Überalterung der Gesellschaft betroffen wie andere Länder. Auch Italien, einst bekannt für die vielen Bambinis, hat einen effektiven Bevölkerungsrückgang zu vermelden. Es scheint eine geheimnisvolle Regulierung in der Natur zu geben, um ein ausuferndes Bevölkerungswachstum zu bremsen. Ab einem bestimmten Punkt kehrt sich das Wachstum um. Wie ist es sonst möglich, dass scheinbar unantastbare Gegebenheiten innerhalb kürzester Zeit dramatisch verändert werden können? Nehmen wir den Iran. 1950 hatte der Iran 16 Millionen Einwohner, 1978 waren es 35 Millionen und inzwischen sind die 70 Millionen erreicht. Hatte 1950 jede Frau im Durchschnitt 7 Kinder sind es nun nur noch 1,8 Kinder pro Frau. Damit ist der Bevölkerungsrückgang eingeläutet. Um die Höhe der Bevölkerung aufrecht zu erhalten, müsste jede Frau 2 Kinder haben. Das Durchschnittsalter im Iran liegt bei 26 Jahren, zu Zeiten des Schahs war es gerade einmal 15. Auch die Türkei hat ähnliches erlebt. 1920 gab es 15 Millionen Einwohner, 1960 ca. 20 Millionen, 1985 waren es ca. 35 Millionen, derzeit sind es gut 70 Millionen mit immer noch steigender Tendenz. Aber auch hier ist eine Verlangsamung der Entwicklung zu erkennen. Das als Pyramidenform dargestellte Schema einer angeblich intakten Bevölkerungsstruktur kann auf Dauer nicht gehalten werden. Die Basis ist eine Anzahl von sehr vielen und sehr jungen Menschen. Von dieser Basis aus gesehen ist jede Generation vorher mit weniger Menschen gebildet worden. Am Schluss sind es sehr wenige Alte. Nur, mit jeder neuen Generation muss die Basis breiter werden. Wenn dann eines Tages die einstmals jungen Leute oben an der Spitze stehen, ist die Basis riesig groß, denn die Pyramide muss gehalten werden. Da das aber völlig an den Realitäten vorbei geht, ist ein Rückgang der Bevölkerung zwangsläufig, ja durchaus im Sinne der Natur.
 
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Naja, mittlerweile steht die Bevölkerungspyramide in etlichen Ländern auf dem Kopf: relativ schmale Basis, verbreiterte oder gar breite Spitze.

Und in Deutschland greift das tief in die sozialen Sicherungssysteme ein, auch darauf beruhen die immer wieder lustvoll geführten Debatten um Rente, Altersabsicherung usw.

Allerdings vergleicht man auch Äpfel mit Birnen, wenn man Geburtsstatistiken von 1950 mit 1990 oder heute gegenüberstellt. Das Absinken ist wohl weitaus eher auf moderne Verhütungsmittel zurückzuführen, vermehrte sexuelle Aufklärung usw.
Mit Evolution im Sinne einer natürlichen Selbstregulierung des Bevölkerungswachstums hat das nix zu tun, glaube ich..

Trotzdem finde ich die Überlegung interessant. Von Ratten beispielsweise ist bekannt, dass sie bei der Überpopulation eines Reviers regelrechte Vernichtungskämpfe führen. Sie beißen sich gegenseitig tot, ansonsten sind sie (wenn ich mich recht entsinne) recht friedlich untereinander. Übertragen auf Menschen könnte man jetzt recht zynisch spekulieren, ob Kriege aus biologischer Sicht vielleicht "nützlich" sind, um das Bevölkerungswachstum in Schach zu halten. Ist natürlich ein absolut angreifbarer Gedanke, schon klar, aber manchmal frage ich mich, wie viel archaisches Erbe bei uns angeblich so hoch entwickelten Zweibeinern bei kriegerischen Auseinandersetzungen dahintersteckt. Aber das nur am Rande..

lg
anouk
 
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Es gibt eine Parallele, die ich für sehr interessant halte. Je wohlhabener eine Gesellschaft ist, umso weniger Kinder werden geboren. Fast habe ich den Eindruck, dass Armut Triebfeder für Kindersegen ist. Auch in Europa gab es in Hungerjahren oder Phasen des allgemeinen Elends viele Kinder. Fast so, als ob durch die Masse mehr übrig bleiben, die die Notzeiten überleben. Im Iran ist die Verhütung, ausser in den Großstädten, kein Thema.Trotzdem sind auch auf dem Land die Zahl der Kinder zurückgegangen. Der Iran ist aber auch reicher wie je zuvor. Auch in der Türkei hat die positive wirtschaftliche Entwicklung die Lage der einzelnen Menschen verbessert. Materieller Wohlstand = weniger Kinder?
 
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Es gibt eine Parallele, die ich für sehr interessant halte. Je wohlhabener eine Gesellschaft ist, umso weniger Kinder werden geboren. Fast habe ich den Eindruck, dass Armut Triebfeder für Kindesegen ist.

... ja, davon kann man ausgehen. In ärmeren Ländern ist das ein traditioneller Generationenvertrag: Eine möglichst große Kinderschar, hoffen die Eltern, schützt vor Armut im Alter, weil die Kinder die Eltern später mitversorgen können. Wo der Staat als (Mit-)Versorgungsinstanz ausfällt, die Leute von der Hand in den Mund leben, sollen Kinder halt die Eltern absichern. Zahlen habe ich leider grad nicht parat, aber wenn mir der Globalisierungsatlas von Le Monde Diplomatique (sehr empfehlenswert, übrigens!) das nächste Mal in die Hände fällt, kann ich bedarfsweise was nachliefern.
 
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Irgendwie ist doch in der Sache ein gewaltiger Widerspruch. Gerade wenn es einen materiellen Wohlstand gibt, würden viele Kinder etwas zu essen haben und damit wäre das Überleben zahlreicher Nachkommen gesichert. Herrscht Armut, ist gar nicht genug Nahrung für alle Kinder da und trotzdem sind gerade dann sehr viele Münder zu stopfen. Deshalb geht ja meine Überlegung in die Richtung, dass ein knappes Nahrungsangebot zu verstärkten Geburten führt, damit es aus der Masse des Nachwuchses einer schaffen wird durchzukommen. Ist genug Nahrung da, kommt praktisch jeder durch und die Zahl des Nachwuchses kann reduziert werden. Würden viele Nachkommen dank des großen Nahrungsangebotes überleben, wäre innerhalb weniger Generationen eine massive Überbevölkerung zu beklagen
 
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solche entwicklungen und ihre beobachtungen sind sehr interessant. im tierreich ist es genau umgekehrt.... in schlechten jahren haben viele tiere weniger junge!
ich denke, bei menschen setzt da etwas ein, was mit archaischen strukturen zu tun hat.
kinder , viele kinder bedeuteten u.a. das wenigstens ein paar "durchkommen" , um für die alten sorgen zu können , sie waren billige arbeitskräfte in den 30er ( als erwachsene keinen job fanden- kindern gab man dann schon mal so etwas wie zeitungsjungen, bäckerjungen , botenjungen, laufburschen, küchenjunge etc sind ja begriffe aus dieser zeit und wenn man sieht, das die kriegsgeneration, die nix zu essen hatten oder nur minderwertiges essen , sind erstaunlich viele immer noch recht gesund , in meinem bekanntenkreis gibts mehrere recht alte menschen über 80, teils 90. , diese menschen haben nicht im überfluss gelebt, und sind fit , geistig und körperlich ! also wohlstand ist mitunter nicht unbedingt des menschen wohl.
 
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Vor einiger Zeit wurde mal ein Vergleich gezogen. Menschen die die Zeit des Mangels erlebten, hatten damals ihre Idealfigur. Herz-Kreislauf-Probleme gab es nicht, der Herzinfarkt war praktisch unbekannt. Heute haben schon 20jährige Schlaganfälle. Das üppige Nahrungsangebot ist dann auch das falsche. Zuviel Fleisch, Fett und "leere Kalorien"
 
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ich habe das bei meiner großmutter gesehen. sie hatte eine figur, da wären viele neidisch.... aber die begleitumstände...:frown:
ich bin mir nicht sicher, ob wir überaltert sind ; der vergleich mit japan ist sehr interessant, weil dort tatsächlich sehr viele alte menschen leben. zu der zeit, als ich des öfteren in japan war, ist mir das schon aufgefallen. hinzu kommt, das dort alte menschen kaum in altersheime abgeschoben werden, sondern immer noch ein recht intakter generationenhaushalt existiert . erst in den letzten jahren passieren solchen sachen, wie in europa, das alte menschen in pflegestationen gebracht werden, weil der 70 jährige sohn die 90 jährige mutter nicht mehr pflegen kann, z.b. aber auch die ernährung ist das größte übel. dort kann man dies am besten beonachten: eigehtlich reis, fisch, gemüse- nachdem die burger-kultur "einfiel" sind auch japanische kinder teilweise zu fett und krank ( sparen wir mal den kommentar über sumo)

ich denke, das die überalterung nichht mehr prozentual stetig ansteigt , weil "wir" aufgrund von ernährung und negativem stress , mangelnder bewegung und fehlenden sozialen , familiären strukturen keine biologischen grund haben, alt zu werden.
 
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Die Japaner reagieren auf ihren demografischen Wandel, indem sie z.B. Roboter entwickeln, die den Alten viele Arbeiten abnehmen werden. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Die Ergebnisse sind aber schon jetzt beeindruckend. In Deutschland wird ja immer ein wenig übertrieben und das ist auch auf diesem Feld nicht anders. Die Renten wären auch noch die nächsten 25 Jahre sicher gewesen, wenn man verantwortungsvoll mit den Geldern umgegangen wäre
 
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