Die Ukraine in der Krise

Bintje

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5 Mai 2018
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(...)

During the 1999 NATO bombing of Yugoslavia, Friedman wrote the following in The New York Times on April 23, 1999: "Like it or not, we are at war with the Serbian nation (the Serbs certainly think so), and the stakes have to be very clear: Every week you ravage Kosovo is another decade we will set your country back by pulverizing you. You want 1950? We can do 1950. You want 1389? We can do 1389 too." Friedman urged the US to destroy "in Belgrade: every power grid, water pipe, bridge [and] road", annex Albania and Macedonia as "U.S. protectorates", "occupy the Balkans for years," and "[g]ive war a chance."[34]

Selbst ich als Unterstützer der kosovarischen Unabhängigkeit seit Jahrzehnten finde das unglaublich. Für mich ist er Mann für alle Zeiten disqualifiziert. Pulitzer hin, Nobelpreis her.
Aber eines musst Du zugeben: Er argumentierte außerordentlich polemisch, denn was er schrieb, richtete sich voller Verve direkt an die Serben. Im weiteren (Albanien, Mazedonien, US-Protektorakte usw.) bin ich anders als Du der Ansicht, dass er mit Blick auf Serbien total überzogen hat im Bewusstsein, dass das von der US-Regierung niemals umgesetzt worden wäre - da gingen ihm die Gäule durch. Insofern nicht ernst zu nehmen. Insgesamt heftig, schon klar - aber er scheint so was wie der Nikolaus Blome der NYT zu sein. Auch der hat seine hellen Momente.
(Für meinen Geschmack zwar selten, aber dennoch.)
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Aber dass für Zwischentöne, kritischere Hintergründe oder "nur" das Bedürfnis nach journalistisch mehr Distanz anscheinend überhaupt kein Raum mehr ist, geht mir gewaltig auf die Nüsse. Daraus resultiert auch die m.E. sehr angespannte bzw. polarisierte öffentliche Diskussion: Wer nicht bedingungslos (und ich unterstreiche das Wörtchen bedingungslos!) hinter Selenskyj, der ukrainischen Regierung und deren Forderungen steht, gilt automatisch als Putin-Versteher:in. Keine Frage, dass es solche Leute gibt; die Linke zerbröselt gerade daran. Aber die offenbar alternativlose Wiedergabe regierungsamtlicher Positionen bildet nicht unbedingt das ab, was ich mir unter Journalismus vorzustellen irgendwann mal gelernt habe.
Stimmt absolut. Umso mehr müssen Vorwürfe gegen Selenskyi und sein Umfeld Hand und Fuß haben. Nur weil man der sprichwörtlich korrupten Ukraine alles zutraut, muss nicht jedes Gerücht stimmen. Es reicht nicht, dass z.B. der Rauswurf der Chefanklägerin zum Himmel stinkt. Es muss was Konkretes kommen.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Leipzig
Wem geht es etwas an wenn in der Ukraine die Generalstaatsanwältin und der Leiter des Inlandsgeheimdienstes entlassen wird? Oder müssen sie die USA vorher deswegen fragen. Herr Friedman nennt das seltsame Vorgänge und vergleicht es als würde Biden am selben Tag Merrick Garland und Bill Burns feuern. Was für ein sinnloser Vergleich.
Aber erst mal schön gegen Selenskyi und die Ukraine gehetzt. Irgendjemand wird es schon aufgreifen.
Ob seine Beiträge einem zusagen oder nicht: Er ist langjähriger außenpolitischer Korrespondent der NYT, sehr erfahren (u.a. dreifacher Pulitzer-Preisträger) und kein Praktikant, der sich irgendwas aus den Fingern saugt. Also ganz so inkompetent, wie Du ihn darstellst, ist er sicherlich nicht. ;)
Ist das wirklich so? Schaut für mich nicht so aus. Wer sich auf private Meinungen beruft und daraus tiefstes Mißtrauen macht ... Pulitzer Preis hin oder her, hier spekuliert er und zwar öffentlich.
 

EnRetard

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19 Februar 2017
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Die Ukraine wird gerade von vielen anderen Ländern unter Einsatz ihres eigenen Wohlergehens am Kacken gehalten. Sollte die Generalstaatsanwältin sich nicht nur bei der Verfolgung russischer Kriegsverbrechen hervorgetan haben, sondern z.B. auch dem Verticken amerikanischer Waffen auf die Spur gekommen und ist deshalb gefeuert worden sein, dann geht das die Unterstützerstaaten der Ukraine sehr wohl was an.
 

Bintje

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5 Mai 2018
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Stimmt absolut. Umso mehr müssen Vorwürfe gegen Selenskyi und sein Umfeld Hand und Fuß haben. Nur weil man der sprichwörtlich korrupten Ukraine alles zutraut, muss nicht jedes Gerücht stimmen. Es reicht nicht, dass z.B. der Rauswurf der Chefanklägerin zum Himmel stinkt. Es muss was Konkretes kommen.
Stimmt, da bin ich bei Dir. Und ich gehe davon aus, dass da was kommen wird, wenn die Zeit reif ist. Gegackert hat er ja schon, was in der Regel nicht grundlos geschieht: "(More on the dangers of that another day.)" Ob er selbst dann das Ei legt oder andere, ist aus meiner Sicht weitgehend irrelevant. Möglicherweise hat er nur über Bande gespielt, damit andere belegen, was er selbst nicht rauslassen kann, ohne wichtige Kontakte reinzureißen. Auch denkbar, abwarten. Aber vielleicht ging der Satz auch nur an die Biden-Administration, ist also vornehmlich als innenpolitischer Fingerzeig aufzufassen. Wofür es auch Gründe gäbe, aber das glaube ich weniger.

Aber erst mal schön gegen Selenskyi und die Ukraine gehetzt.
Äh, nee, das war nicht gehetzt. Der, bezeichnen wir es ganz vorsichtig, etwas überraschende Umbau des vorwiegend aus früheren Kolleg:innen und Schulfreund:innen zusammengesetzten Selenskyj-Teams ist Fakt. Die Frage, was dahintersteckt, sollte normal sein. Wenn sie das nicht mehr ist, wird es scary, gruselig. Und der Vergleich mit Garland und Burns geht zumindest für mich deshalb in Ordnung, weil solche Vorgänge auch für die durchschnittlich bis überdurchschnittlich informierte US-amerikanische Öffentlichkeit der besseren Einordnung halber erstmal "übersetzt" sein wollen. Sonst kann man lang und breit vor sich hin tippseln, ohne dass die meisten Leser schnallen dürften, was überhaupt Sache ist.
Wer sich auf private Meinungen beruft und daraus tiefstes Mißtrauen macht ... Pulitzer Preis hin oder her, hier spekuliert er und zwar öffentlich.
So liest es sich für Dich. Aber erstens weißt Du nicht, wen er zum Abendessen oder auf Empfängen trifft (das können ausgesprochen gut informierte Insider sein), und zweitens kann er seine Kontakte unmöglich in die Pfanne hauen. So was tut man in der Regel nur einmal.
Ok, er hätte gar nichts andeuten müssen. Aber welche Art Journalist wäre er dann? Hart gesagt: Embedded. Zumindest einer mit blinden Flecken.
Wovon es schon reichlich gibt, überreichlich - und andererseits Leute, die sich spreizen, ohne weitere Pfeile im Köcher zu haben.

Es wird sich zeigen.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Die Ukraine wird gerade von vielen anderen Ländern unter Einsatz ihres eigenen Wohlergehens am Kacken gehalten. Sollte die Generalstaatsanwältin sich nicht nur bei der Verfolgung russischer Kriegsverbrechen hervorgetan haben, sondern z.B. auch dem Verticken amerikanischer Waffen auf die Spur gekommen und ist deshalb gefeuert worden sein, dann geht das die Unterstützerstaaten der Ukraine sehr wohl was an.
Wenn es so wäre, ginge es sie was an, da hast du recht. Aber warum sollte eine Generalstaatsanwältin so etwas tun? Wäre es so dann hätte Selenskyi richtig gehandelt.
 

Msane

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25 März 2010
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Ich möchte in Erinnerung rufen, dass auch Selenskyj himself wegen seiner windigen Immobiliengeschäfte, Konten in Steueroasen und seinen innigen Beziehungen zur ukrainischen Oligarchie unter Beobachtung steht.
Nur wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine wird das aktuell nicht thematisiert, damit Selenskyj nicht geschwächt wird.


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