Ein Eremit...

univers

Well-Known Member
zu dem ich mich zähle wollte mal in die Großstadt.
Wohin gehen die vielen Menschen nur hin?
Die Straßenbahn ist voll, im Bus steht man schon, an der Ampel muß man Acht darauf geben, dass man durch die Menschenmenge den Übergang nicht verpasst, so dass man auf die nächste Rot Phase der Ampel warten muß, denn so viele Autos fahren hin und her und trotz des Rots ein Wagnis einzugehen, um die Straße zu überqueren, wird durch hupen, stechenden Blicken der anderen als verrucht hingestellt.
Meine erste Schlußfolgerung war die, dass man in der Stadt ganz schön brav sein muß.
Vor lauter Anpassung Anstrengungen ist man geblendet und verpasst Anhaltspunkte des Lebens.
Meine nächste Schlußfolgerung als Eremit ist die, dass das Leben in der Stadt keines ist.
Aber man wird ja nicht auf Anhieb ein Städter und so bin ich derjenige, der auf die Schaufenster schauenden schaut.
Das ist mir genehm.
Denn dabei kann ich darüber nachdenken, was dem Mensch als Konsumenten ausmacht. Bunt und voller Licht sind die Schaufenster schon, aber sie wurden von jemand anderem so hergerichtet. Mir scheint es so, als wäre der konsumierende Mensch nur auf andere angewiesen. Lediglich die Kinder an der Seite ihrer Mütter beäugeln die Ware im Schaufenster aus verschiedenen Blickwinkel und das ist nicht mal metaphorisch gemein, sondern sie bewegen sich körperlich vor dem Ausgestelltem.
Die Mütter hingegen starren!
Daraus lautet meine Schlußfolgerung, dass der urbane Mensch ein Erzwungener ist, der durch diesen Umstand in die Starre verfällt.
Und so sind es die Kinder, denen noch ein Lebenszeichen anhaftet.
Ich erblickte auf dem Bahnsteig ein höchstens 4 jähriges Mädchen mit schulterlangem, teilweise gelocktem Haar, durch die Tür das Wartesaals des Bahnhofs.
Aus meinem Blickwinkel waren die Erwachsenen, denen sie anvertraut sein mußte, nicht zu sehen.
Sie lief in rechts und links und sang dabei. Es war zu herzlich, wie ein Pflaster auf die, durch die Eindrücke der Stadt davongetragenen Wunden. Ich begab mich raus, um noch mehr zu sehen.
die Jacke die sie trug war bescheiden jedoch schön gemustert, so dass sie beim laufen ungehindert zu ihrem Gesang tanzte.
sie tanzte, in dem sie die Arme windend zur Seite ausstreckte und den Körper dabei nach den seiten, vorne und hinten bog, dass man Angst bekam sie würde fallen.
Am einem Ende ihres Gangs bückte sie sich nach vorn und berührte den Boden mit den Fingerspitzen der beiden Hände, richtete sich auf, drehte sich um sich und lief in die Richtung, von der sie kam.
Diese Bewegung gefiel mir so gut, dass ich es Zuhause angekommen, nachgemacht habe.
Immer noch konnte ich ihre Begleitung nicht ausmachen, denn alle mußten sie ja beobachten, wo sie eh auf den Zug warteten und es waren einige.
Wer von denn war nur die Begleitung?
Der Zug kam, auf den sie gewartet haben und erst jetzt erhoben sich eine Junge Frau und ein Mädchen und hielten die Kleine an der Hand. Beide Begleiterin hatten ein Kopftuch um, aber sie hatten eine sehr helle Haut, dass ich den Verdacht bekam, sie wären Deutsche. Ich konnte sie schlecht danach fragen.
Letzte Schlußfolgerung;
Unter der Unmenge von Menschen, ist ein Jeder ein Eremit.
 
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