Farbe und Geschmack

C

cild1

Guest
Hallo Ihr Lieben,

bin schon mal von Berufs wegen mit der Frage Konfrontiert gewesen, wie sieht den rot aus. Das fragte mich eine Dame, die nicht sehen konnte und nie gesehen hatte. Und ich war so unachtsam, ihr von Farben zu erzählen; naja, ich lerne ja dazu. Aber die Frage der Dame war natürlich rein rhetorisch, weil sie auch zuvor ähliche Erfahrungen gemacht hatte. Sie hat nur mich wachrütteln wollen, zur recht!
Aber seit dem beschäftigt mich die Frage, wie bitte soll ich rot beschreiben oder wie schmeckt Banane oder Zitrone?
Ist Süß für jeden gleich, empfindet jeder rot als rot ?

Ihr wisst doch was ich meine, oder?


Könnt Ihr mir bitte schreiben, was und wie "rot" oder auch andere Farben für euch ist/sind oder wie euch eine Banane, eine Zitrone oder eine Nelke schmecken.

Danke
 
AW: Farbe und Geschmack

Eine sehr philosophische Frage. Und ich erinnere mich deutlich, dass so etwas Thema in meinem Philosophie-Unterricht in der Oberstufe war, wir aber auch nach wochenlanger Diskussion zu keinem Ergebnis gekommen sind.

Ohne Vergleiche lässt sich das einfach nicht beschreiben. Also keinem Blinden die Farben und einem, der noch nie Obst gegessen hat, nicht der Geschmack von Zitronen oder Bananen.
 
AW: Farbe und Geschmack

ich denke auch schon eine ganze Weile darübe nach, aber ich glaube auch man kann es nicht erklären. Bin gespannt ob von anderen Usern Vorschläge kommen:confused:
 
AW: Farbe und Geschmack

rot: ein versuch und vorschlag...

für mich ist rot sanft und wild zugleich... rot wirkt warm, strahlt nähe aus, wenn es eine bestimmte intensität hat...

rot kann aber genauso wild, unnahbar und warnend wirken. rot in einem kräftigen ton und auf großer fläche ist signal... signal abstand zu halten...

rot ist zudem eine fruchtige farbe... sie duftet nach sommer...

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erste gedanken zu einer vielseitig einsetzbaren farbe
 
AW: Farbe und Geschmack

Ich finde es auf jeden Fall viel einfacher, jemandem ohne Geschmackssinn den Geschmack von etwas zu beschreiben als einem Blinden eine Farbe.

Wobei auch nicht für jeden süß süß ist und nicht für jeden scharf scharf=
Nicht jeder empfindet vielleicht Schokolade als süß, nicht jeder empfindet die Pepperoni als scharf.

Schwer.
 
AW: Farbe und Geschmack

Hmm, ich würde Farben mit Temperaturen beschreiben, also rot ist wie über heißen Sand laufen, blau wie an einem heißen Tag in einem kühlen Pool schwimmen, grün wie wenn Du dich ausgeglichen und zufrieden fühlst ( ...alles im grünen Bereich )
 
AW: Farbe und Geschmack

Ich glaube wir Sehende - gehe ich zumindest von aus - können uns das vermutlich gar nicht vorstellen. Bevor wir ROT definieren können, muss der Begriff "Farbe" definiert werden. Ich wüsste gar nicht wie ich "Farbe" einem Blinden plausibel machen könnte.

Wenn uns dies gelingt, fängt der Teil des Problems an, dass auch wir uns vorstellen können:

Es gibt Tiere, die z.B. ultraviolett sehen können. Es müsste doch leicht sein dies mit Analogien zu beschreiben. Wie will ich nur etwas beschreiben was für mich nicht sichtbar ist.

Gruß,

Izzet.



 
AW: Farbe und Geschmack

Könnt Ihr mir bitte schreiben, was und wie "rot" oder auch andere Farben für euch ist/sind oder wie euch eine Banane, eine Zitrone oder eine Nelke schmecken.

Danke

das ist eine interessante frage, cild. wie sind farben für den menschen , wie erklärt man farbe . ich habe meine intensivsten erfahrungen mit farbe auf reisen gemacht, wenn man zum beispiel gerüche und farben, die einem fremd sind, miteinander verknüpfen lernt. gerade bei exotischen früchten, da sind manche gerüche doch sehr neu. oder wenn man über einen gewürzebasar geht und die farbenfrohe palette der pulver, kräuter und gewürze mit der vielfalt der farben kombinieren lernt.
als farbe hat mich immer ein besonderes rot fasziniert, es ist ein rot, welches man in europa als rotschattierung nicht kennt , es sei denn, man liebt asiatische filme oder japanische theaterkunst...
da ich dir eine farbe beschreiben soll , die für dich nicht geläufig oder neu ist, wäre es einen versuch wert, meine empfindungen oder assoziationen für dieses rot zu erklären. es ist, wei andrea schon sagte, ein philosophisches problem, ein intuitives dazu.
dieses rot , welches ist meine , heißt BENI, das ist eine farbe , die aus krokusfäden gewonnen wird , so ähnlich wie der safran zum färben benutzt wurde und zum würzen, ist diese pflanze , die den farbstoff für BENI lieferte, zum färben von kimonostoffen verwendet worden und diese pflanze gibt es nicht mehr, sie ist ausgestorben .
also spreche ich im doppelten sinn von etwas , was man nicht kennt - und trotzdem bin ich mit dieser farbe so intensiv in berührung gekommen, das sie bis heute nachhaltig eine tiefe erfahrung hinterlassen hat.
es ist eine erfahrung, die ich eigentlich nur mit älteren japanern teilen kann, die noch alte seide in diesem rot besitzen.... ich sage BENI und sie wissen genau was ich meine.
es ist auch das rot der theaterschminke, die auf dem weissgepuderten gesicht eines kabuki-schauspielers das feuer seiner blicke unterstreicht, welche er wie in die zuschauermenge in immer größer züngelnden flammen verteilt, oder auch der zierlich geschminkte mund , der wie zum kuß gespitzte lippen inmitten diese weissen puderschnee's verschwiegene worte in den raum flüstert.
doch beni hat für mich noch eine andere dimension angenommen. unter den kimono's der frauen verborgen trägt man die versteckte erotik in form eines beni-gefärbten unterkleides... nicht sichtbar für andere; seide , die ganz nah am körper leidenschaft und trauer, furcht und kopflosigkeit , euphorie und trägheit bereithält, und das nur darauf zu warten scheint , daß es sich zeigen darf. ausbrechen sozusagen.

beni, das ist eine erfahrung, die mich aus einer erstarrung weckt, aus der scheinbaren ruhe etwas lebendiges werden lässt. ich meine nicht die farbe, die unseren augen wie ein signal sofort optisch wahrzunehmen ist, also die farbe, die so laut schreit, das man sie nicht überhören kann. Nein. das ist es nicht.
mein beni hat etwas von einem duft, wie ein heiters lächeln; hat etwas von einem tag, der ohne weiteres zutun schön ist. und selbst, wenn etwas unvorhergesehenes geschähe, dieses beni, dieser duft, dieses lächeln würde es ausgleichen, diese beni würde es übermalen.
das klingt ein bisschen bizarr, ich weiss. wie kann diese farbe , dieser duft so tief in meine seele eindringen und alles andere vergessen machen? es ist etwas einfaches, wesentliches, dieser rote duft, der einfach da ist und mich trägt und hält und doch im gleichen moment auszehren kann.

wenn ich die augen schliesse, ist mir, als stünde die welt auf der anderen seite, mit dem innersten nach aussen gekehrt, ich bin diesem plötzlichen ausbruch des verschlossenen, versteckten magma's ausgeliefert und spüre in diesem rotglühendem gestein diese schwere, wahnsinnige last und doch auch eine lastlosigkeit.
magna. lava, schwefelgeruch , dieser geruch, der flüchten lässt, weil er nicht gutes verheissen mag... und trotzdem zieht es mich an, dieses traumbild aus einem tiefen, brodelnden rot, das aus dem herzen der erde kommt, an die oberfläche dringt , sie auseinanderbricht und sich über alles lebendige ergiesst.
auch diese rot zieht in mir vorüber, wenn ich an beni denke, dieses sichtbare lichttragende rot .
wie kann man einen zustand, ein gefühl, eine situation durch eine farbe ausdrücken? Hier beginnen sich grenzen abzuzeichnen, grenzen im bereich eines ganz realen, existenziellen, und das des dahinter....
was verbigt sich hinter einer farbe, hinter dem lichtschein von rot. was verbirgt sich hinter einer farbe, die für manche nicht sichtbar sein kann? hinter geschlossenen augen wird uns das ausmass am verlust eines sinnes gewahr. etwas reales, eine farbe tritt aus dem schatten der erklärungen hinein in die dunkelheit eines augenblickes.

wird eine farbe zum trugschluss? eine realität, die nur in unserem inneren auge , also in der dunkelheit , hinter geschlossenen lidern eine tiefere, seelische dimension annimmt. sind die bunten flitterpunkte, die unter unseren geschlossenen augenlidern hüpfen, nur ein trugschluss, oder ist es eine fühlbare farbe , die sich bis zum inneren eines körpers hinabgräbt und dieses fühlbare rot als lautlose aber leidenschaftliche sprache nach aussen tragen kann- sichtbar in bewegung, spürbar in berührung und erfahrbar als duft?

und da ist wieder dieses rot der schminke, dieser mund auf dem weissen gesicht des schauspielers, da ist wieder dieser lautlose ruf in die welt, dieses schweigen. die worte , dinge zu beschreiben, die man nicht beschreiben kann, verlieren sich in umschreibungen, auch das farbe sich ja widerspiegeln könne in leidenschaft und auch in zaghaftigkeit .
in nuancen und lichtbrechungen kann man die verschiedenheit von heller und dunkler erkennen, doch wie umschreibe ich die winzigen kerzendochte, die sich im ringen um die kleine flamme abkämpfen, um sich im widerschein der dunkel abhebenden wand zu sehen...

zwischen den worten scheint das rot , mein beni, verloren gegangen, scheint es, als entzöge es sich mir , weil ich ihm vielleicht zu nahe komme mit all dem innersten, was sich damit nach draussen kehrt.
und doch- rot ist überall, wohin ich blicke. hinter den steinschichten der felsen, rot ist der unendliche raum der jahrhunderte, der raum, der sich im erkalteten stein versteckt. rot erhält namen und ein gesicht. diese farbe hat sich mit genähert, dieses rot , welches aus der wildnis eines feuerspeienden berges auf uns zurollt, dass sich in eigenen bahnen und in seinem eigenen rhythmus einen weg sucht , langsam gestalt annimmt und dann als zeitenüberdauernder stein liegenbleibt.
beni ist immer noch die neugier, die mich inneren abgründen entgegentreibt , wo ich vorsichtig einen fuß vor den anderen setzen muß , um mit innerer, zitternden glückseligkeit festzustellen , dieser tiefe vorerst entkommen zu sein.
diese farbe ist mein empfinden, ist mein inneres kleid , ist mein geheimnis und meine offenheit, ist ein rätsel, welches ich selbst nie lösen kann.
und doch geschieht es zuweilen, das , wenn ich meinen roten, über 100 jahre alten benibefärbten kimono trage , ich ganz und gar mit dieser farbe verschmelzen kann.

MAR
 
AW: Farbe und Geschmack

Liebe Mar,

kann ich von deinem Beni auch etwas haben, hört sich wirkich sehr gut an!:-D

Ansonsten, meinte ich das wohl! Farben führen ja zu Epfindungen, anders geht es ja auch nicht sie zu beschreiben.
Es gibt doch auch Menschen, die eine Kombinationswahrnehmung zwischen Farbe und Klang haben. Das ist natürlich sehr speziell, aber sehr genussreich für Jemanden mit Sehminderung.

@Izzet:
Was Farbe ist ? Klar es sind Wellenlängen, aber das ist doch noch schwieriger, oder?


Um bei den Gefühlen zu bleiben:
Ich liebe Gelb:das ist Lebendigkeit, quierlige Süße Mädchen sind gelb und natürlich etliche meiner Pullover. Aber auch Leichtigkeit und Probleme, die man überwinden kann sind gelb.
 
AW: Farbe und Geschmack

Ich finde es auf jeden Fall viel einfacher, jemandem ohne Geschmackssinn den Geschmack von etwas zu beschreiben als einem Blinden eine Farbe.

Wobei auch nicht für jeden süß süß ist und nicht für jeden scharf scharf=
Nicht jeder empfindet vielleicht Schokolade als süß, nicht jeder empfindet die Pepperoni als scharf.

Schwer.
ich hatte mal für 4 monate den geschmacks-und(damit einherlaufend) den geruchssinn verloren! nicht wirklich lustig! es wurden alle tests gemacht, ich konnte noch nicht einmal mehr pfefferminz in konzentrierter form erkennen!
und da kam das problem auf:
banane schmeckte eklig, weil du nur noch die konsistenz schmeckst, also weich und schleimig! fisch war ähnlich! extra scharfe erdnüsse kamen mir wie kleine steine im mund vor!
ganz zu schweigen von parfümdüften,die ich gar nicht mehr wahrnehmen konnte!(aber auch da sind ja die geschmäcker verschieden)
zum schluß bedauerte ich auch schon, dass ich selbst die unangenehmen gerüche de lebens nicht mehr wahrnehmen konnte!(weitere details erspare ich euch jetzt :biggrin: )
zum thema farben: ich mag kein rot...definition? einfach zu reißerisch!!!
 
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