Golfkrise: Katar momentan. Am Horizont Iran?

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von Alubehütet, 6 Juni 2017.

  1. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Das ist ja ziemlich heftig. Katar völlig isoliert, zu Wasser, zu Lande, in der Luft, Al Jazeera überall rausgeschmissen, Diplomaten ausgewiesen.

    Fefe verlinkt einen guten Hintergrundartikel der ZEIT
    http://www.zeit.de/politik/ausland/...rabien-krise-terrorismus-iran/komplettansicht
    und kommentiert:

    Zusammenfassung: Katar pflegt gute Beziehungen zum Iran, und der Iran tätigt seinen Außenhandel durch Katar. Im Gegenzug scheißt Katar auf das US-Embargo. Und die Amis haben das hingenommen, weil in Katar die Al Udeid Air Base liegt, die größte Niederlassung der US-Streitkräfte im Nahen Osten.

    Das simmert seit Jahren vor sich hin, und Katar lässt sich eben auch nicht mal eben von der Übermacht der Saudis kontrollieren. Und jetzt ist halt das hier passiert:


    Katars Emir Tamim bin Hamid al Thani hatte unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in Riad seinen Unmut über die zunehmend martialische anti-iranische und anti-schiitische Rhetorik des saudischen Königshauses kund getan und – in saudischen Augen ein Affront sondergleichen – dem reform-orientierten iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zu dessen Wiederwahl gratuliert.
    Und die Saudis glauben jetzt, Trump genug mit "Geschenken" überschüttet zu haben, dass er auf sie hören wird und militärisch gegen den Iran vorgehen wird.

    https://blog.fefe.de/?ts=a7cb48c3


    Die von Fefe empfohlene ZEIT (Andrea Böhm) sieht den Trump-Besuch als Anlaß:

    Mit Donald Trump wähnt Saudi-Arabien wieder einen US-Präsidenten an seiner Seite, der den regionalen Iran mit allen, notfalls auch militärischen Mitteln, in die Knie zwingen will – anders als der verhasste Barack Obama, der mit dem Nuklearabkommen Teheran aus der politischen und wirtschaftlichen Isolation geholt hatte. Scheich Tamim hält die sich anbahnende sunnitisch-schiitische Eskalation, die von gigantischen amerikanischen Waffenlieferungen an Riad unterfüttert wird, für hoch gefährlich.
    Müssen wir uns Sorgen machen um einen amerikanisch-iranischen oder einen arabisch-iranischen Krieg? :eek:


    Neben dem Iran setzt die ZEIT als zweites Thema die Muslimbrüder:

    Zumindest den arabisch-sprachigen Programmen von Al Jazeera ging es nicht um Freiheit und Demokratie, sondern um die Unterstützung der Muslimbruderschaften. Eben das provozierte den Zorn des Nachbarn. In den Augen des saudischen Klerus bedrohen die Muslimbruderschaften den Machtanspruch der Wahabiten im sunnitischen Islam.
    Das würde mit erklären warum der türkische Muslimbruder Erdogan eher zurückhaltend agiert.
    (Hatte ich hier schon gepostet: https://www.turkish-talk.com/threads/türkei-nach-dem-referendum.61843/page-20#post-1530010)
     
    Zuletzt bearbeitet: 6 Juni 2017
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  2. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Ach ja, und Israel versucht ... ja was eigentlich genau? Zu deeskalieren? o_O

    Das muß doch klar sein, daß das kontraproduktiv rüberkommt, wenn Israel der arabischen Koalition die Zusammenarbeit anbietet:

    Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Liberman Staaten, die wegen Angst vor dem Terror, ihre Beziehungen zu Katar abgebrochen haben, bieten Israel die Chance auf eine Zusammenarbeit im Kampf gegen radikalen Terror. Auch die arabischen Staaten hätten jetzt eingesehen, dass das Risiko in der Region nicht Israel, sondern der Terrorismus ist. Dies sei eine Gelegenheit für eine Zusammenarbeit.

    http://www.trt.net.tr/deutsch/welt/...-zusammenarbeit-mit-arabischen-staaten-746687
    Wo läßt TRT eigentlich seinen Kram übersetzen? Bei Google Translate? o_O
     
  3. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Interessanterweise wird seit heute auch ein Boykott der Fußball WM in Katar diskutiert.
    Da wußte Grindel womöglich noch nicht, wieviel Geld aus Katar in VW, Deutsche Bank, Thyssen und ein paar anderen DAX-Unternehmen steckt.
    Nun wissen wir immerhin, was Trump mit den Saudis neben dem Waffendeal verhandelt hat.
    Zwei Fliegen mit einer Klappe: Katar wird nun als IS-Sponsor dingfest gemacht (statt der Saudis) und zugleich greift man ins deutsche Wirtschaftsleben ein, denn der deutsche Exportüberschuß usw. is very bad.
    Katar ist halb so groß wie Hessen. Zu klein, um Hauptsponsor des IS zu sein, auch wenn das pro-Kopf Einkommen das höchste der Welt sein soll.
    Wenn Katar als Gaslieferant für den Iran ausfällt, springt Putin ein.
    Mr. President, Ihr Geschäftssinn kommt offensichtlich in die Jahre!
     
  4. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Das hat er auch schon in seinen jungen Jahren gekonnt. Sein Unternehmen ist zweimal pleite gegangen. Hat sich aber immer wieder aufgerappelt. Kein Wunder, er hatte sehr gute Beziehungen zur Mafia. (Als der Trump Tower gebaut wurde war der Betonhandel fest in den Händen der Mafia. Alle mußten um Beton betteln, Trump hatte immer welchen.)
    Er weiß mit wem man sich zusammen tun muß und hat keine Skrupel was derjenige so macht. Hauptsache er bekommt was er will.
     
  5. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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  6. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Die taz-gazete hat sich das türkisch-katarische Verhältnis genauer angeguckt.

    Die strategische Beziehung zwischen Katar und der Türkei festigt sich seit einigen Jahren zunehmend. Beide Länder sind am Syrienkrieg beteiligt, indem sie die radikalislamistischen Milizen unterstützen. Anteile von großen türkischen Firmen wie dem Pay-TV-Anbieter Digitürk und dem Lastkraftwagenhersteller BMC wurden an katarische Firmen verkauft.

    [...]

    Mit einer Einwohnerzahl von 2,5 Millionen, von denen ein Großteil ausländische Arbeiter sind, hat Katar dank Öl- und Erdgasressourcen laut dem Internationalen Währungsfond ein beachtliches Bruttoinlandsprodukt von 65.000 US-Dollar pro Kopf. Mit dem Ziel der „Gemeinsamen Ausführung von Bildung und Praxis“ genehmigte Katar 2016 der Türkei einen Militärstützpunkt im Emirat zu errichten. Daneben beherbergt Katar auch den größten US-Militärstützpunkt des Nahen Osten.

    Dass Saudi-Arabien die Beziehungen zu Katar aufgrund von „Terrorunterstützung“ beendet, und dass US-Präsident Donald Trump dieser Entscheidung beipflichtet, bringt auch die Türkei in Bedrängnis. Staatspräsident Erdoğan, der die Entwicklung „mit Trauer“ zur Kenntnis nahm, hat eine Reihe von Telefongesprächen unternommen, mit der Hoffnung, eine Schlichterrolle einzunehmen.

    Der Istanbuler Ökonom und Buchautor Mustafa Sönmez, der regelmäßig für diverse Tageszeitungen wie Birgün und Cumhuriyet zur türkischen Wirtschaft schreibt, beurteilt die Situation als äußerst heikel: „Die Türkei möchte noch mehr Investitionen, noch mehr Profite aus Katar. Dass Katar sich von den Golfstaaten distanziert wird folglich auch die Türkei als aliierten Staat beeinflussen. Mit dem Militärstützpunkt gerät die Türkei nun in die Rolle des Beschützers von Katar.“


    [...]

    Das in der türkischen Oppositionspresse häufig thematisierte „arabische Kapital“, das die türkische Wirtschaft angeblich am Leben hält, bezeichnet Sönmez wiederum als „überbewertet“:
    „Katar legt 53 Millarden US-Dollar im Ausland an. Davon werden gerade mal 1,5 Milliarden in der Türkei investiert. Natürlich gibt es hohe Kredite von katarischen Banken. Und ich würde auch nicht verneinen, dass unregistriertes Geld aus Katar in die Türkei fließt. Doch wenn sie sich die Zahlen anschauen, ist es nicht so, dass die ausländischen Investitionen in der Türkei lediglich aus den Golfstaaten kommen. Es sind gerade mal fünf bis sechs Prozent.“ Laut Sönmez besitzen Sanktionen gegen Katar nicht die Kraft, die türkische Wirtschaft zu zerschlagen.


    [...]

    Dennoch erwarte die Türkei eine schwierige Zeit in diplomatischer Hinsicht, betont Sönmez: „Wie wird sich die Türkei verhalten? Wird sie sich dem Iran und Russland annähern, oder dem sunnitischen Block um die USA? Momentan möchte sich die Regierung zu keiner Entscheidung drängen lassen. Auf die Art: ‚Den Börek esse ich, aber meine Finger sollen nicht fettig werden‘.“

    https://gazete.taz.de/article/?article=!5418394
     
  7. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Der Schweizer BLICK berichtet inzwischen:

    ISTANBUL - Die Türkei hat sich im Konflikt zwischen den Golfstaaten auf die Seite von Katar geschlagen. «Wir finden, dass die gegen Katar ergriffenen Sanktionen nicht gut sind», sagte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan in einer Rede.

    Die Türkei werde ihre Verbindungen zu Katar weiter entwickeln, «so wie bei allen Freunden, die uns in den schwierigsten Momenten unterstützt haben», fügte Erdogan mit Blick auf den gescheiterten Putschversuch in seinem Land im Juli vergangenen Jahres hinzu. Katar zu isolieren, werde keinerlei Probleme lösen, sagte Erdogan.


    https://www.blick.ch/news/ausland/k...gan-ergreift-partei-fuer-katar-id6795048.html
     
  8. Alubehütet
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    Und er hat wieder getwittert. (Komisch, daß man gar nicht sagen muß, wer.)

    So good to see the Saudi Arabia visit with the King and 50 countries already paying off. They said they would take a hard line on funding...

    — Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 6. Juni 2017



    ...extremism, and all reference was pointing to Qatar. Perhaps this will be the beginning of the end to the horror of terrorism!

    — Donald J. Trump (@realDonaldTrump) 6. Juni 2017
     
  9. Alubehütet
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    Im Iran sind wohl viele der Meinung, ja, hat es, die Saudis könnten dahinter stecken.
     
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  10. Alubehütet
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    Telepolis hat auch noch etwas Interessantes:

    Wenn sich ausgemusterte, bekannte Politiker mit Drohungen zu Wort melden, so agieren sie häufig als Stoßtrupp, um auszusprechen, was auf der offiziellen Ebene noch nicht ausgesprochen werden darf. Als derartige Sprachrohre agierten in kurzem zeitlichen Abstand der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates und nun der in Nahost-Kreisen bekannte Diplomat Dennis Ross.

    Beide werden von der saudi-arabischen Arab News mit der recht unverhohlenen Drohung zitiert, dass die USA ihre Militärbasis in Katar (der al-Udeid-Militärflughafen) aufgeben könnten, falls die Führung in Katar nicht einen anderen Kurs einschlägt. Katar könnte darüber hinaus auch mit Sanktionen rechnen.

    Inwieweit die beiden Politiker Ansichten in der Spitze der gegenwärtigen Trump-Administration abdecken, ist nicht eindeutig festzumachen - der Neocon Ross zum Beispiel war Berater unter der Außenministerin Hillary Clinton -, aber sie stehen für ein Lager, das auf eine starke Anti-Iran-Front setzt. Trump selbst signalisierte bei dem Gipfel in Riad, dass ihm an einer Allianz gegen Iran gelegen ist, die für Israel und Saudi-Arabien wichtig ist (vgl. Gipfeltreffen in Saudi-Arabien: Trump in der "Welt der Guten").


    https://www.heise.de/tp/features/Streit-zwischen-Saudi-Arabien-und-Katar-3733064.html
    Noch sehr unausgegoren, aber steht im Raum.