AW: Ich fange mal an
Träume
Vermutlich träumt man in der Sprache, in der man sich zum gegebenen Zeitpunkt bewegt. Ich träume auf Deutsch, vielleicht werde ich nach einigen Monaten Türkeiaufenthalts auf Türkisch träumen. Wenn man bedenkt, dass wir in unseren Träumen unseren Alltag verarbeiten, scheint mir das nur logisch.
Sprache
Ich finde die deutsche Sprache eignet sich vorzüglich zum Analysieren und Bewerten. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir deutsche Schulen besucht haben und den Umgang damit erlernt haben.
Das Türkische eignet sich in der Tat besser zum Ausdrücken von Gefühlen, obwohl...
Liebesgeflüster geht zwar nur auf Türkisch, spreche ich aber über meine Gefühle selbst, dann geht das besser auf Deutsch. Das Türkische ist sehr reich an Bildern, denkt an die Flüche, aber auch an die Lieder. Ich finde das Türkische hat einen Sprachwitz, dem das deutsche nichts entgegenzusetzen hat, besonders wenn es schlüpfrig wird. Lasst mich ein Beispiel bringen: eine moppelige Deutschtürkin mit mehreren Rettungsringen im Bikini auf dem Weg zum Strand. Zuruf: „Yavrum, gelene bakin, 7 katli daire. Woher nehmen sie das nur? Anderes Beispiel: Türkeitürkin auf der Straße. Zuruf: Yavrum, a.... yiyim! Sie: „Aybasina gel de salcali ye!“ Zusammenfassend ist zu sagen, das Türkische ist bildhafter und emotionaler als das Deutsche. Für uns auf jeden Fall eine Bereicherung.
Was das Sprachenmischmasch angeht:
Ich habe bei einigen Russinnen, die zum Studium nach Deuschland gekommen waren, beobachten können, wie sie nach kurzer Zeit ihr fließendes Russisch mit Wörtern aus ihrer Studienrichtung spickten. Hörte sich fast ein bisschen so an wie bei jungen Deutschtürken. Das soeben auf Deutsch erlernte war eben schneller verfügbar als das russische Pendant. So ist es auch für uns. Ich sag nur „Arbeitsamt“, „frei“ und „Mayister“!
Stolz
Das hier aufgewachsene Kinder ihren Stolz äußern, Türken zu sein, es aber nur knapp 6 Wochen in der Türkei aushalten, ist mir sehr verständlich. Es ist eine Identitätsgeschichte. Plötzlich realisieren sie, dass sie nicht als hier zugehörig gelten und fragen sich nach ihrer Identität. Dieser Stolz ist vor allem verletzter Stolz. Aber in der Türkei bekommen sie auch zu spüren, dass sie nicht dazugehören. Vielleicht ist das sogar verletzender. Dieser: „Du bist ein alemannsicher Bauer von Eltern aus einem anatolischen Dorf“-Unterton, Vorurteile, Neid, Spracharroganz, wo sie Dazugehörigkeit erwartet hatten.
Freunde
Freundschaften sind in dieser Gesellschaft sowieso schwer aufrechtzuerhalten. Arbeiten-Konsumieren-Schlafen.... da bleibt nicht viel Kraft, um sie in Dinge wie Freundschaften zu investieren. Freundschaften zwischen Türken und Deutschen benötigen einer besonderen Pflege.
Isolation
hält die Kälte draußen. Aufgeben... Leider auch allzu normal nicht nur bei uns, sondern bei allen Menschen hier. Tolles Forum übrigens...