I'm The Firestarter

univers

Well-Known Member
"Ich bin der selbstauferlegte, Verstandzünder, "

singt der Gute Keith Flint von The Prodigy ın dem Song Fırestarter, natürlich sagt er mehr, wobei er sich einer Sprache bedient, die nicht immer sich zum nachzuahmen eignet, wie dies hier:
"Ich bin ein Brandstifter, perverser Brandstifter"
Es sei denn man will mittels der Kunst was vermitteln, aber dies wäre ein anderes Thema.
Ich persönlich habe es ihn nicht verübelt, zumal ich ahne, worum es geht.
Der Anstifter, der Starter zu sein.

Einstein und Co haben die Atome bewegt.
Hemingway, Hesse und Konsorten die Herzen.
Darwin die Gemüter.
Sokrates, Nietzsche und der Rest der Liga die Geister.

Ich bewegte einen Jungen im Alter von gerade mal 10 Jahren.
Wisst ihr, dass ich kein Handy benutze? Wie dem auch sei, ich musste nicht, aber ich hätte mir ein Handy zulegen können. Nun gut, fangen wir von vorne an.
Da ein paar Reisen mir bevorstehen, dachte ich, dass es gut wäre, wenn ich meine Rechnungen, wie Strom etc. mittels der Onlinebanking erledige. Also begab ich mich zu der Bank und brachte mein Anliegen vor. Jedoch brauchte ich neben eine auf meinen Namen ausgestellte Rechnung und den Personalausweis, eine Mobiltelefonnummer.
Aber ich hatte keine, geschweige ein Handy zu haben.
Ich stöberte in einigen Läden, jedoch stand ich vor den Tresen, in denen die Handys ausgestellt waren und konnte keinen Gedanken fassen, als außer zu staunen, wie bunt und verschiedenartig die Handys waren. Vor meinem Geist hatte sich eine Barriere aufgestellt, um sie zu überwinden ich aber keine Mittel wusste. Es blieb nichts anderes als den Rückzug anzutreten, so wünschte ich den Verkäufer- es waren zumeist Männer, Guten Tag und zu erwähnen, dass ich es mir überlegen würde.
Dabei wusste ich wirklich nicht, was ich überlegen sollte.
Ich habe mir diesbezüglich einen Spruch zur Herzen genommen gehabt, nämlich dass man sich nicht immer zugänglich machen sollte und ein Handy war das beste Schlupfloch, mittels der man zu einem gelang.
Habe ich es- ich hatte es mal, hat man Gewissensbisse, wenn man nicht ran gehen will, sobald es geklingelt hat....
Aber ich ermutigte mich, dass ich das Handy nur wegen der Bank bedurfte und mir keine Gedanken hinsichtlich des Besitzes desselben zu machen bräuchte.
So ermutigt war ich nahe dran in ein Laden rein zu gehen, vor dessen Tür ein Junge vom etwa 7-8 Jahren allein mit einem Tischtennisschläger einen Tischtennisball spielte, auf dem breitem Gehsteig. Ich stand ein paar Schritte von ihm entfernt, als ihm der Ball entwich und Richtung Straße trollte.
Reflexartig versuchte ich danach zu greifen, jedoch entwich es auch mir und schlug wieder auf den Boden auf und mit dem abgewonnen Schwung flog es weiter der Straße entgegen. Aber ich machte einen Satz als es sich knapp ein Meter von mir entfernt hatte und streifte es mit den Finger, so dass es am Schwung verlor und ich setzte nach, bekam es knapp über den Boden in die Hand und schmiss es dem Jungen zu. Er hatte indes nur zugeschaut und zugeschaut hatte, wie ich erst jetzt bemerkte, ein weitere Junge, eben der zuerst erwähnte. Er stand halb versteckt im Laden und schaute von der Tür aus nach Außen. grübelnd..
Als ich an ihn vorbei in den Laden lief, sprang er voller Spielfreude und Energie, in der Hand ein größerer Ball wie der Tischtennisball nach Draußen und spielte vergnügt und hüpfend.
Ich war der Starter!

Gewiss eine peinliche Angelegenheit und eine Gratwanderung, wenn man bedenkt, dass man nicht immer zum Guten anstiftet, auch wenn man es nicht beabsichtigt.

Lange Erklärung, nur um euch zu fragen, wart ihr mal der Verstandzünder, der Anstifter, der Starter?
 
AW: I'm The Firestarter

Lange Erklärung, nur um euch zu fragen, wart ihr mal der Verstandzünder, der Anstifter, der Starter?

Ja, doch. Ich glaube schon. :) Ein Mensch, der mir mal sehr nahestand, ist durch mich ans Segeln gekommen. Ich habe ihm einfach vom Meer erzählt und ihm gezeigt, wie man ein altes Holzboot repariert. Einem anderen, der sich für ganz unmusikalisch hielt, habe ich so lange gesagt, dass es keine unmusikalischen Menschen gäbe, nur jeweils unpassende Instrumente, bis er plötzlich begann, Gitarre zu lernen und merkte: dass es ihm Spaß macht und liegt. Ein Dritter, der malen wollte, seine Leinwände, Farben und Pinsel aber daheim nicht ausbreiten konnte, fand für den Anfang so lange vorübergehend Asyl bei mir, bis er selbstbewusst war, sein vermeintlich "klecksiges" Hobby auch seinem pingeligen Lebensgefährten gegenüber durchzusetzen. Eines seiner Erstlingswerke (Original!) hat er mir süßerweise vermacht; ich halte es in Ehren.

Und in meinen Bücherregalen stehen vier oder fünf Bücher, deren Autoren sich möglicherweise tatsächlich einbilden, dass sie ihre Werke ohne mich nie geschrieben hätten. Liest sich - schwungvoll gewidmet - zum Beispiel so: "Ohne Dich gäbe es dieses Buch nicht. Dafür und überhaupt: Danke!" (Ja, lieber Freund, schon gut, ganz ruhig, ich weiß.. war 'ne schwere Geburt, aber Du hast es verdammt gut gemacht.)

Noch rührender und so überschwänglich, dass es beim ersten Aufblättern zu Recht misstrauisch stimmte: "Per X - la mia musa del mio romanzo." Seitdem frage ich mich, was man tun muss, um aus Sicht eines italienischen Autors zur Muse aufzusteigen..? Nach meiner Erinnerung hatten wir nur Schach gespielt, gesungen und viel geredet, während er zu viel Wein trank und nebenbei gelbe Notizbücher vollschrieb. Zweimal hielt ich ihn davon ab, sich aus Kummer über eine unglückliche Liebschaft - nicht ich, wohlgemerkt, sondern meine beste Freundin - sein wallendes Haupthaar dramatisch zur Glatze zu rasieren. Aber das reichte offenbar. Für den Musenstatus.
Zum Ausgleich bewies er eine blühende Phantasie, rechnete mit ihr per Buch ab und dichtete mir zugleich absurderweise a) transparente Nachthemden, b) ein engelsgleiches Wesen und c) eine latente Sehnsucht nach ihm an. Incredibile!

Übler fanden wir freilich (meine Freundin und ich waren uns selbstredend einig), dass er es auch noch fertiggebracht hatte, die reale Adresse unserer damaligen WG trickreich ins Manuskript zu schmuggeln. Okay, wahrscheinlich war er so selig, sich endlich in einen seriösen Verlag und das Umfeld von Alberto Moravia hochgeschrieben zu haben, dass es darauf auch nicht mehr ankam - aber nett war das nicht! Egal, Schwamm drüber. - Ich lege nur Wert auf die Feststellung, dass ich keine transparenten Nachthemden besaß noch je irgendwas von ihm wollte. Schön, dass er das später eingesehen hat; noch schöner, dass er ab und zu ein neues Buch vorbeischickt. Und das Beste: keines davon fiel je nochmal so persönlich aus.

Woraus folgt (Ende der langen Erzählung): Oft ist es wundervoll, Menschen zu etwas anzustiften. Sie anzustupsen, ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt, sowieso schon vorhanden ist, sofern sie sich selbst nur trauen, mehr zutrauen. In anderen Fällen will man spontan einfach nur stiften gehen. So oder so: Jeder zündet auf seine Weise etwas in anderen an, was auch immer. Das ist bei aller Zwiespältigkeit und bei allem Janusköpfigen daran ganz und gar unvermeidlich; ein Gesetz des Lebens. C'est la vie. :wink:
 
AW: I'm The Firestarter

Ja, doch. Ich glaube schon. :) Ein Mensch, der mir mal sehr nahestand, ist durch mich ans Segeln gekommen. Ich habe ihm einfach vom Meer erzählt und ihm gezeigt, wie man ein altes Holzboot repariert. Einem anderen, der sich für ganz unmusikalisch hielt, habe ich so lange gesagt, dass es keine unmusikalischen Menschen gäbe, nur jeweils unpassende Instrumente, bis er plötzlich begann, Gitarre zu lernen und merkte: dass es ihm Spaß macht und liegt. Ein Dritter, der malen wollte, seine Leinwände, Farben und Pinsel aber daheim nicht ausbreiten konnte, fand für den Anfang so lange vorübergehend Asyl bei mir, bis er selbstbewusst war, sein vermeintlich "klecksiges" Hobby auch seinem pingeligen Lebensgefährten gegenüber durchzusetzen. Eines seiner Erstlingswerke (Original!) hat er mir süßerweise vermacht; ich halte es in Ehren.

Und in meinen Bücherregalen stehen vier oder fünf Bücher, deren Autoren sich möglicherweise tatsächlich einbilden, dass sie ihre Werke ohne mich nie geschrieben hätten. Liest sich - schwungvoll gewidmet - zum Beispiel so: "Ohne Dich gäbe es dieses Buch nicht. Dafür und überhaupt: Danke!" (Ja, lieber Freund, schon gut, ganz ruhig, ich weiß.. war 'ne schwere Geburt, aber Du hast es verdammt gut gemacht.)

Noch rührender und so überschwänglich, dass es beim ersten Aufblättern zu Recht misstrauisch stimmte: "Per X - la mia musa del mio romanzo." Seitdem frage ich mich, was man tun muss, um aus Sicht eines italienischen Autors zur Muse aufzusteigen..? Nach meiner Erinnerung hatten wir nur Schach gespielt, gesungen und viel geredet, während er zu viel Wein trank und nebenbei gelbe Notizbücher vollschrieb. Zweimal hielt ich ihn davon ab, sich aus Kummer über eine unglückliche Liebschaft - nicht ich, wohlgemerkt, sondern meine beste Freundin - sein wallendes Haupthaar dramatisch zur Glatze zu rasieren. Aber das reichte offenbar. Für den Musenstatus.
Zum Ausgleich bewies er eine blühende Phantasie, rechnete mit ihr per Buch ab und dichtete mir zugleich absurderweise a) transparente Nachthemden, b) ein engelsgleiches Wesen und c) eine latente Sehnsucht nach ihm an. Incredibile!

Übler fanden wir freilich (meine Freundin und ich waren uns selbstredend einig), dass er es auch noch fertiggebracht hatte, die reale Adresse unserer damaligen WG trickreich ins Manuskript zu schmuggeln. Okay, wahrscheinlich war er so selig, sich endlich in einen seriösen Verlag und das Umfeld von Alberto Moravia hochgeschrieben zu haben, dass es darauf auch nicht mehr ankam - aber nett war das nicht! Egal, Schwamm drüber. - Ich lege nur Wert auf die Feststellung, dass ich keine transparenten Nachthemden besaß noch je irgendwas von ihm wollte. Schön, dass er das später eingesehen hat; noch schöner, dass er ab und zu ein neues Buch vorbeischickt. Und das Beste: keines davon fiel je nochmal so persönlich aus.

Woraus folgt (Ende der langen Erzählung): Oft ist es wundervoll, Menschen zu etwas anzustiften. Sie anzustupsen, ihnen zu zeigen, was in ihnen steckt, sowieso schon vorhanden ist, sofern sie sich selbst nur trauen, mehr zutrauen. In anderen Fällen will man spontan einfach nur stiften gehen. So oder so: Jeder zündet auf seine Weise etwas in anderen an, was auch immer. Das ist bei aller Zwiespältigkeit und bei allem Janusköpfigen daran ganz und gar unvermeidlich; ein Gesetz des Lebens. C'est la vie. :wink:
Voller Brisanz, auf was genau von deinem Statements soll ich eingehen??
Aber eines kann man behaupten ruhigen Gewissens behaupte, dass nämlich du mehr bewegt hast wie ich.:lol:
Weißt du Pauline, ich weiß nicht, ob du bewusst die aufgezählten Beispiele deiner Anstiftungen hervorgehoben hast oder ob du dich mit kleineren Dingen nicht abgibst, so dass sie nicht zu Erwähnung kommen.
Andrerseits kann es an :
a) deinem Umfeld
b) deinem Wirken
liegen, dass du so angestiftet hast und nicht wie ich, der zwei Frauen, die buchstäblich wie aufgescheuchte Hühner nach dem Wochenmarkt suchten und hin und her gerissen waren, welchen Weg sie nehmen könnten.
Ich spürte es still aus der Ferne und rief ihnen zu, ob sie den Marktplatz suchten.
Bingo!
Ich zeigte ihnen den richtigen Weg:tongue: und sie beeilten sich um dahin zu kommen, denn es war spät Abends, zu einem Zeitpunkt wo der Markt dich machen würde.
Davon ab, als würde ich aufzählen wollen wozu ich gut wäre, geht es mir um den Aspekt "Aus dem Nichts" unvorbereitet in Situationen zu handeln, das den Geist versöhnt.
Ich habe das Bild vor mir, wie du deinen Freunden einredest, ihnen Mut und Selbstvertrauen einflößt, ganz schön aufwendig, oder?
 
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