Ist die Republik Türkei mittelbar bedroht?

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von NeoAslan, 15 April 2014.

  1. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Die Gülen-Leute machen in Haft keine Politik, anders als die erste Generation der RAF. Die spannten natürlich Schily, Ströbele, Mahler ein in ihre politische Arbeit – Die ja auch zum Ziel hatte, eine zweite Generation zu radikalisieren. Mit denen kann man Anwälte der Gülenisten nicht vergleichen.

    Andersrum wird die Gülen-Bewegung auch gute Anwälte hervorgebracht haben.
     
  2. sommersonne
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    sommersonne Well-Known Member

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    Das werden die sein, die nun neben ihren Mandanten im Gefängnis sitzen.
     
  3. santiago
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    santiago Well-Known Member

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    Denke die grösste Bedrohung in der Türkei kommt von der Regierung Im Land selber. Schuld daran sind immer die ausländischen Mächte. Die Investoren, auch im Inland stehen immer mehr auf der Bremse und parkieren ihre Vermögen im Ausland.
    Die Türkei ist eindeutig kein Rechtsstaat. Man sucht den Schulterschluss mit Katar und mit China usw.
    Ob man so aus der Wirtschaftskrise kommt glaube ich nicht so recht.
    Diese Wirtschaftskrise war längst schon voraus zu sehen und hat mit Corona nichts zu tun.
     
  4. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Ihre Haft selbst ist ein Politikum. Natürlich stehen die Anwälte führender Funktionäre in Kontakt mit Zentrale in den USA. Selbstredend sind die Gülenisten natürliche Verbündete der amerikanischen (und deutschen etc.) Geheimdienste.
    Im Unterschied zur RAF schaffte die Infiltrierung des türkischen Miltärs durch amerikanische Exilgülenisten einen Putschversuch.
    Woher weißt du, dass der von den westlichen Diensten gesponserte Gülen den Kampf um die Türkei noch nicht aufgegeben hat? Es geht dem Westen in Sachen Türkei ja um eine Begrenzung des russischen/chinesischen Einflusses und die Kontrolle der Pipelines ringsum.

    Ob du es glaubst oder nicht, die Republik Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs hat eine lange Tradition moderner Verwaltungsrationalität und Rechtsförmigkeit (Menschenrechte sind ein anderes Feld, auch "bei uns"). Weder sind die Anwälte, woher auch immer sie kommen, noch die Richter von vorgestern.
     
  5. Zerd
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    Zerd Well-Known Member

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    Vermutlich meine ich das; allerdings nicht in einem Rahmen, in dem man es menschliche "Willkür" nennen würde, sondern eher "Kreativität", also die Tatsache der Emergenz berücksichtigend in der Fähigkeit des Menschen, jeden ihm zugewiesenen Rahmen zu sprengen durch Hervorbringeung von wahrhaft Neuem, Einschlagen einer völlig unerwarteten Entwicklung, die durch kein auf vorhergehende Beobachtungen und Vorgänge beruhendes Theoriegebilde erfasst sein kann.

    Das unterscheidet nämlich das Leben im allgemeinen und den sich selbst bewussten Menschen im besonderen von der in seinen Naturgesetzen und der deterministischen Kausalität gefangenen rein physikalischen Welt. Ein blinder Krake im Treibsand, der unentwegt seine Tausend Tentakel in alle Richtungen auswirft, um sich noch an den unscheinbarsten und unvorsehbarsten Halt zu klammern, um seinem unvermeidlichen Ende zu entgehen...
     
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  6. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Das Auswärtige Amt hat in seinem Lagebericht zum Thema Asyl und Abschiebung für das BAMF massive Grundrechtsverstöße in der Türkei angeprangert. https://www.spiegel.de/politik/ausl...hebelt-a-0ae592f9-a085-445b-91fe-e47e2ccfcc91
    Die in der Verfassung garantierten Rechte seien "weitgehend ausgehebelt".
    Bisher wird etwa die Hälfte der Asylanträge von Türken positiv beschieden. Das dürfte sich nach diesem Bericht kaum ändern.
     
  7. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Damit scheiden Willkürherrschaften sämtlicher Coleur, von Ludwig XIV über Vahideddin und die Diktaturen des europäischen Hauses bishin zu den postdemokratischen Populisten der Gegenwart als Kreativkräfte aus. Insofern Erdogan auch die Klaviatur des Populismus beherrscht und anwendet, scheue ich mich, ihn den kreativen Kräften zuzurechnen, obgleich er wie Trump, Johnson, Orban usw. immer wieder Wendungen vollzieht, die von den Protagonisten selbst gewiss als "kreativ" eingeschätzt werden.
     
  8. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Interessant im geopolitischen Thread der Türkei dürfte das Wiederaufflammen des ältesten postsowjetischen Konflikts/Kriegs zwischen Armenien und Aserbaidschan sein.
    Beide Seiten beziehen Waffen aus Russland, Aserbaidschan darüberhinaus von der Türkei und und Israel.

    Beide Seiten treiben zudem ihre Bewaffnung konsequent voran. Armenien profitiert von der Mitgliedschaft in der Moskau-geführten Allianz OKVS und kommt günstig an russische Waffen heran. Das Öl- und gasreiche Aserbaidschan wendet ein immenses Militärbudget auf und gilt als spendabler Importeur für russische, türkische und israelische Waffen. Außenpolitisch pflegt es gute Beziehungen zu Moskau – sucht aber vor allem die Nähe Ankaras.
    https://www.welt.de/politik/ausland...n-Worum-es-im-Krieg-um-Bergkarabach-geht.html

    Aserbaidschan sieht sich offenbar in der stärkeren Position mit Ankara im Rücken.
    https://www.zeit.de/politik/ausland...menien-konflikt-bergkarabach-kaempfe-russland
    Mal sehen, wie sich Lawrow und Erdogan einigen.
     
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  9. Zerd
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    Zerd Well-Known Member

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    Ich habe gar keine Zweifel, dass Du immer weitere Argumente und bestätigende Beispiele für Deine Sichtweise finden und anführen kannst. Das ist ja gerade der größte Vorteil solch dualistischer Ansätze wie der Dialektik, dass sich durch ausreichend große Verallgemeinerung jeder einzelne Aspekt der Wirklichkeit und Wahrnehmung dem einen oder anderen oder wahlweise mal dem einen, mal dem anderen Pol zuordnen lässt.

    Mein Ansatz ist da ein gänzlich anderer - unwissenschaftlicher, sozusagen. Wenn es um Menschen und ihre Gesellschaften geht, plädiere ich für Modelle, die vielmehr dem Grundprinzip der Differenzierung als dem der Verallgemeinerung folgen; princip der specification über dem der homogeneität! Denn das besondere, das ihn ausmachende, das erstrebenswerte am Menschen ist eben gerade nicht das sich wiederholende, dem anderen gleichende an ihm, sondern das einzigartige, das unterscheidende, das innovative und kreative an ihm.

    Und das ist bedingt eben durch Evolution (symbolisiert durch den Kraken) und Bewusstsein, die der in seinen Naturgesetzen und Determinismen gefangenen rein physikalischen Welt fehlen. Darum funktioniert auch die wissenschaftliche Herangehensweise so gut und erfolgreich in physikalisch-technischen Zusammenhängen und so erbärmlich schlecht bei menschlich-moralischen und soziologischen Angelegenheiten.

    Versuch vielleicht einmal den Populismus im dialektischen Ansatz zu erkennen, denn beide sind gleichermaßen dem Prinzip der Verallgemeinerung vornehmlich verpflichtet. Meine Schwierigkeit besteht natürlich darin, dass wenn ich die Differenzierung hochhalte, mir zwangsläufig die einfachen Modelle fehlen (kein Ockhamsches Rasiermesser!), die auf wenigen Begrifflichkeiten aufbauen und folglich mit wenig Aufwand zu kommunizieren sind. Aber das kann eben auch nicht unser Maßstab sein, finde ich, weil uns das wieder auf direktem Weg zum Opportunismus führt.
     
  10. Mendelssohn
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    Mendelssohn Well-Known Member

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    Dialektisches Denken, das Widersprüche miteinander verschränkt, ist der Gegensatz zum dualistischen unverbundenen Paralleldenken. Dialektisches Denken ist weit entfernt von irgendwelchen Sichtweisen. Es ist eine Methode der Logik. Und dieser Logik widerspricht es, Willkürherrschaft, d. i. eine nicht-legitimierte und Menschenrechte verletzende politische Macht mit dem positiven Merkmal der Kreativität zu besetzen. So betrachtet ist die Zerstörung des Planeten, der Vertragsbruch, der Kriegsausbruch auch ein kreativer Akt. Dafür ist der Begriff Willkür aber auch gut genug.
    Aber auch der Willkür sind natürlich Grenzen gesetzt. Es gibt, wenn man erst einmal die Willkür-Karte gezogen hat, immer einen, der ein besseres Blatt auf der Hand hat. Das gilt auch für die Türkei.
     
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